Lotus Evora Exterieur dynamisch Front
Schnell, flach und konzentriert...
 

Testbericht: Lotus Evora

Gewicht und Komfort verwackeln das Bild. Oder auch nicht.

23.09.2010 Online Redaktion

Lustig ist es, wenn er vorne ein bissl leicht wird. In Autobahnkurven, die für zwozwanzig dann doch auf einmal nicht so weitläufig sind wie gedacht, überhaupt wenn der Belag so komisch unruhig ist. Nicht, dass er entgleist. Aber wir spüren: der Druck lässt nach. Das ist besser als das ganze elektronikverstopfte Kinderjausen-Gaximaxi, das uns die Groß­serienprofis servieren. Dort muss man schon volle gegen eine Betonwand fahren, um was zu spüren. Sonst lässt der Druck nie nach. Ist alles vorausgesehen und programmiert.

Lotus ist noch immer eine spezielle Adresse. Da bauen sie Supersportwagen, die ihre ­Supersportwagenpflicht erfüllen: Tempo erlebbar machen. Und so wie das Gitarrenspiel des Keith Richards so gut ist, weil er dann und wann einen falschen Ton einschleust, so ist das Lotusfahren so lustig, weil minimale Unschärfen bleiben: Der Evora hat kein vollwertiges ESP. Dafür sollte man Geld verlangen, als Extra.

Der Speck sitzt im Heck und hat sechs Zylinder. Bei ­Lotus arbeiten sie also anti­zyklisch. Ist Downsizing angesagt, hat sich eine britische Marke dagegen zu entscheiden (eigentlich sitzt Proton, der ­Eigentümer von Lotus, in ­Malaysia. Dieses ist aber erst seit 1957 von Großbritannien unabhängig, das ist so kurz, das haben noch gar nicht alle mitgekriegt. Und wer weiß, was überhaupt die Zukunft bringt.)

Sagen wir es so: Lotus hat schon in der Wiege downgesized. Wir erinnern uns mit gewisser Wehmut, in der sich aber Weh und Mut nicht immer die Waage halten, an den Vierzylinder-Esprit. In den stieg man ein und haute sich gleich überall an, in der Elise ist das nicht viel anders, in den Evora aber steigt man ein, und es tut überhaupt nicht weh. Das ist auf jeden Fall schon einmal ein Meilenstein, und ein programmatischer: So komfortabel war schon lange kein Lotus, genaugenommen noch nie einer.
Es gibt Leute, denen stößt das übel auf: Dieser Lotus wäre zu schwer, zu wenig spartanisch, zu angenehm, zu wenig Lotus.

Aber bitte, wir sind schon vor zehn Jahren ins 21. Jahrhundert hineingegangen, und wenn man schon sonst kein Argument gelten lassen will, dann doch dieses gebieterisch biologistische: Der Mensch wird von Generation zu Generation größer und ­dicker. Drei Jugendliche füllen mittlerweile ein Eisenbahn­abteil. Und zwei einen Lotus.

Neu ist das Konzept: Mittelmotor und V6. Der Dreieinhalblitrige kommt von Toyota und leistet dort im Camry (den es bei uns überhaupt nicht mehr gibt) 268 PS. Hier wurde auf 280 PS hochgefahren. Zu bewegen sind knapp 1400 Kilo, nicht sehr viel, aber auch nicht wirklich wenig.

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