Range Rover Sport 3,0 SDV6 HSE hinten seite
KONTRASTREICH Das dunkle Dach und die schwarze Einfassung an der Unterkante lassen den Körper des Sport schlanker erscheinen. Die Räder: 20 Zöller.
 

Testbericht: Land Rover Range Rover Sport 3,0 SDV6 HSE

Wohnung zu verkaufen. Wir ziehen jetzt ins Auto um.

23.09.2013 Autorevue Magazin

Ein unerwarteter Effekt der Begegnung mit dem neuen Range Rover Sport: Man fühlt sich plötzlich daheim nicht mehr so richtig wohl. Der Wasserhahn tropft lauter als sonst, und auf einmal fällt einem die gesprungene Kachel im Küchenboden wieder bei jedem Drübersteigen auf. Der Range Rover Sport vor der Haustüre dagegen: ein Altar der sinn­erfüllten Makel­losigkeit, eine Oase distinguierter Wohnlichkeit, ausgestattet mit raffiniertem Home-Entertainment, gekühltem Leder­gestühl und Panorama-Glasdach. Am liebsten möchte man ins Auto umziehen.

Auch die Größe verleitet zu dieser Idee.

Die Mächtigkeit des Sport erzeugt stilles Staunen, wo immer man hinkommt. Der Wortlosigkeit freilich ist Wohlwollen zu entnehmen. Die Maße bringen einen aber auch dazu, sich täglich aufs Neue zu wundern, wie klein Österreich ist, im globalen Vergleich. Ein veritabler Stresstest ist es, den Sport in einer Tiefgarage einzuparken. Per Kamera kann man zwar alle Ecken rund ums Auto einsehen und wird bei der Zentimeterarbeit auch tatkräftig von der akustischen Einparkhilfe unterstützt, die Frage ist aber, ob man die Millimeterarbeit nervlich durchhält.

Range Rover Sport 3,0 SDV6 HSE detail front vorne

Gerade an Systemen wie den Rundum-Kameras kann man schön sehen, wie sich die Parameter in der SUV-Welt verschoben haben. Ursprünglich als moderne Handreichung im Wildnis-Abenteuer gedacht, helfen sie einem heute dabei, beim Einparken die schmucken 20-Zöller, die ein Range Rover Sport in HSE-Ausstattung mitbringt, nicht abzuschrammen. Für Sicherheitsabstand zu Randsteinen bleibt bei einem über zwei Meter breiten Auto kein Spielraum mehr.

Die Namensbeifügung Sport ist ja so zu verstehen:

Range Rover duckt sich hier in aller Größe offensiv zu hochbeiniger Sportwagencharakteristik. Optisch macht das der scharfe Karosserie­schnitt deutlich, mit dem dunklen Dach und den Lufteinlässen auf der Motorhaube als dramaturgische Pointe. Beim Fahren sorgt dann die Regeltechnik dafür, dass sich die Gegensätze auf ein dynamisches Zusammenspiel einigen. Die serienmäßige Luft­federung etwa kann das Fahrzeugniveau um 185 Millimeter verändern, je nachdem ob gerade maximale oder minimale Bodenfreiheit benötigt wird, und der Schwerpunkt sinkt im Bedarfsfall relativ nahe Richtung Asphalt.

Range Rover Sport 3,0 SDV6 HSE lenkrad innnenraum

Wie fährt sich der Top-Diesel?

Wir fuhren den stärkeren der beiden angebotenen ­V6-Diesel, also den mit 292 PS und 600 Nm. Dazu ist einerseits zu sagen, dass er eine würdige Motorisierung für ­einen edlen Lifestyle-Athleten wie den Sport ist und man nicht unbedingt auf den V8-Diesel warten muss, der erst später nachgereicht wird. Der SDV6 hat ausreichend Punch, um auch jene zu unterhalten, die es gewohnt sind, täglich in Trüffelcreme zu baden. Und die Kraftreserven reichen ­locker, um Töchterchens Pferde-Anhänger zum nächsten Turnier zu schleppen oder sich einfach so ein bisschen Ärger mit der heimischen Exekutive einzuhandeln.

Auch sei angemerkt, dass 292 PS als Diesel eine maßvolle Option sind, die andere Sport-SUVs nicht bieten. Porsche, zum Beispiel, schießt mit seiner zweiten Diesel-Cayenne-Ausbaustufe (382 PS) gleich mächtig über das Ziel hinaus. So als gäbe es nach dem ersten zustimmenden Nicken gar ­keine finanziellen und moralischen Einschränkungen mehr.

Range Rover Sport 3,0 SDV6 HSE sitz leder

Akustisch ist der Diesel im Range Rover Sport ganz unauffällig.

Wie überhaupt nichts Unfeines in den Innenraum vordringt. Selbst Fliegen spüren, wie sie die luxuriöse Harmonie aus Klavierlack und Leder stören, sie suchen peinlich berührt das Weite. Alleine die Fernbedienungstasten am Lenkrad, die ein wenig nach Kampfjet-Abschuss-Vorrichtung aussehen, wirken etwas kindisch. Die Achtgang-Automatik wiederum versteht es, die innere Ästhetik auch auf die Moment-Verteilung zu übertragen.

Range Rover Sport 3,0 SDV6 HSE schalthebel mittelkonsole

Natürlich hat das alles seinen Preis. Der SDV6 kostet, wenn man in der zweiten Ausstattungs-Ebene (HSE) auf die meisten Persönlichkeitsübereinstimmungen trifft, 86.500 Euro. Er wäre auch ab knapp über 80.000 Euro zu haben, aber wenn schon der kleinere Evoque in der Hauptsache top ausgestattet bestellt wird, werden beim Sport eher noch mehr nach den besonders guten Dingen greifen. Es zahlt sich zum Beispiel aus, sich das Straßen/Gelände-Paket für 4.813 Euro zu bestellen, weil sich dann die volle Fahrdynamik-Spreizung des Fahrzeugs auskosten lässt. Von wild querbeet bis zur Rennstrecke, falls man das jemals würde machen wollen. Man muss dann nur die richtigen Knöpfe und Tasten betätigen und kann über den Bildschirm (im 4x4i-Programm) live dabei zusehen, wie die Sperren arbeiten, in welche Richtung die ­Räder gerade zeigen und wie sie ein- und ausfedern.

Range Rover Sport 3,0 SDV6 HSE

Es wurde ja einiges an Gewicht eingespart beim Modellwechsel. 2115 Kilo sind immer noch beachtlich für ein Trumm Auto, das keine Elfe ist. Aber 8,5 Liter auf 100 km? Bei der gefühlten Üppigkeit kann man das durchaus so stehen lassen, vor allem, wenn man keine Wohnung mehr abbezahlen muss.

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