Unser Range Rover Evoque Dauertester fahrend vorne links

Dauertest-Zwischenbericht: Land Rover Range Rover Evoque 2,2 SD4 Prestige Automatik

Erkenntnisse nach einem halben Jahr im Range Rover Evoque, zum Beispiel: Wird von außen genauso sympathisch wahrgenommen, wie man sich innen fühlt.

Autorevue Magazin
Veröffentlicht am 10.05.2013

Der Range Rover Evoque begleitet uns seit gut sechs Monaten, und besonders gerne lassen wir uns auf weiten Reisen begleiten: Die Tauglichkeit für eh alles, die man ihm auf den ersten Blick ansieht, scheint der Evoque noch souveräner auszuspielen, je länger die Fahrt dauert. Im Stadtverkehr hingegen fühlt er sich etwas unterfordert, aber nicht unbedingt in der falschen Rolle: Mit seiner Länge passt er gerade noch in die Kompaktklasse (ein BMW X3 ist 28 cm länger), und trotz des grimmigen Frontdesigns wird der Evoque weithin als Sympathieträger begrüßt.

Unser Range Rover Evoque Dauertester stehend hinten rechts

Wir hoffen dann immer, dass wir gut dazupassen, ­wobei uns auch das Automatik-Wählrad hilft: Als Jaguar/Land Rover dieses Wählrad 2007 als Nachfolger des klassischen ­Automatik-Wählhebels bei der Automobil-Evolution einreichte, saß mancher von uns etwas unschlüssig daneben: Einen Kreis statt einer ­Linie musste man nicht zwingend für das Gelbe des Fortschritts halten.

Mittlerweile nehmen wir alles zurück. Das Automatik-Drehrad macht feinsinnige Menschen aus uns. Man kann es nämlich nicht mit der Faust bedienen, so, wie grobstollige Menschen den Suppenlöffel halten; man kann es nur zart zwischen zwei Finger nehmen und bedächtig im Kreis ­führen, noch nie war die Gangwahl so fein ziseliert. Es ermöglicht sozusagen die Erdung im Luftigen, was bei einem Jaguar eh irgendwie systemimmanent ist, bei einem SUV aber den Horizont weit macht: Das Auto steht breit­beinig da, aber drin verschieben wir die Dimensionen mit zwei Fingern, den nicht bis in die Fingerspitzen mit Testosteron Gefluteten von uns gefällt das ausnehmend gut.Unser Range Rover Evoque Dauertester Innenraum

Denn natürlich ist auch der kleinste Range Rover ein Trumm Auto, und der Auftritt ist wuchtiger als die bloßen Ausmaße. So kommen 21-Zoll-Räder stärker zur Geltung als 4,36 m Länge, und die Fenster vom Schießscharten-Designer tragen stärker auf als die 21 cm Bodenfreiheit. Das Design des Evoque ist jedenfalls ein Glücksgriff für die ganze Marke, er wurde ansatzlos das angesagteste Modell von Land Rover, wobei dem Angesagtsein auch der relativ geringere Basispreis, gemessen am Markenumfeld, hilft.

Von einem Sonderangebot kann jedenfalls keine Rede sein: Unser Evoque 2,2 SD4 ­Prestige kommt für 54.000 Euro, und auch wenn die ­Ausstattung dann schon sehr komplett ist (Leder, 380-Watt-Soundsystem, Infotainment mit 8-Zoll-Touchscreen), ahnt man: Es gibt günstigere Gelegenheiten, ein Kompakt-SUV zu fahren.

Die haben dann aber leider kein vollständig beledertes ­Armaturenbrett, so wie der Evoque innen überhaupt ungeheuer edel und britisch auftritt, dabei trotzdem unverschnörkelt zeitlos und technoid. Wer bei den Fenstern zu wenig raussieht, lässt sich die Umgebung von den sechs Außen­kameras zeigen, ansonsten darf am Bildschirm das Navigationssystem navigieren, was es, von kleinen Fehlern abge­sehen, zuverlässig macht.

Überhaupt, das Fahren im Range Rover Evoque:

Mit 190 PS und 420 Nm des 2,2-Liter-Vierzylinders werden auch die 1715 kg leicht, das Aggregat wirkt nie angestrengt, die ­Automatik lässt sich zwar beim Hochbeschleunigen aus Schrittgeschwindigkeit einen Tick zu viel Zeit, um die korrekte Fahrstufe einzulegen, surft dann aber geschmeidig durch die sechs Gänge. Ein Doppelkupplungsgetriebe wäre technisch noch feiner, würde sich aber sehr ähnlich anfühlen.

Klingt also alles nach perfekter Langstreckentauglichkeit, und genauso sitzt man auch: aufrecht oder lümmelnd, je nach Sitzeinstellung, jedenfalls bequem und gut festgehalten, und im Fond hält man es genauso lange aus.

Das liegt auch am Fahrwerk, das trotz umfassender Geländetauglichkeit (mittels Druckknöpfen wird Terrain Response auf den Untergrund unterm Auto eingestimmt) dem Komfort verpflichtet bleibt.

Unser Range Rover Evoque Dauertester – Innenraum Detail

Der Verbrauch hält derzeit bei 8,9 l/100 km, auch mode­rates Reisetempo bringt den Spritkonsum kaum unter acht Liter – fürs Knausern sind also andere Autos zuständig.

Defekte bislang? Ja, ein ­wenig. Eine Halbwelle war ­unwuchtig, dann gab’s noch beim Lenken ein zartes ­Knistern aus dem Fahrwerk, so eine Art ­Lagerfeuer aus Blech. Beim Service wurde, wie bei allen Evoques, eine Schraube nachgerüstet, jetzt herrscht Stille.

Ob die Stille still bleibt und ob nicht vielleicht doch ein paar Machos das Automatik-Wählrad mit der Rohrzange bedienen, werden wir bis zum Dauertest-Abschluss klären, und eine strenge Kostenrechnung gibt’s obendrein.

Den Abschluss-Bericht zum Range Rover Evoque-Dauertest finden Sie in der kommen Autorevue 6/2013! Ab 24. Mai im Kiosk oder Briefkasten Ihres Vertrauens.

Den Einstiegsbericht finden Sie hier und den Abschlussbericht dort.


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