Range Rover Evoque dyn vore
Das Coupé fällt nicht zuletzt wegen der niedrigen Fenster auf.
 

Vorstellung: Land Rover Range Rover Evoque

Klein, leicht, praktisch, schick, sparsam und doch ein Range.

30.04.2011 Autorevue Magazin

So ist unsere Zeit, dass sie alles und jeden über den Tellerrand hinausscheucht. Porsche baut Limousinen, Mercedes Kleinwägen und Range Rover jetzt ein schickes Para-SUV für die jungen, kreativen, erfolgreichen – müssen sie wohl sein, bei 35.000 Euro aufwärts – Stadtbewohner. Genau, Stadtbewohner. Natürlich heißen die jetzt nicht mehr so. Sie ­heißen City Shaper, zumindest die mit Vorbildwirkung.

Der Evoque wird im Vorfeld nicht wie ein Auto kommuniziert, sondern als Event im sozialen Netzwerk, mit Künstlern und eigenen Stories und viel freier Inszenierung, alles chic, young und urban. Dabei vernebelt dann etwas die Tatsache, dass es sich auch beim Evoque nur um ein Auto aus Blech, Gummi, Textil und Glas handelt, das im Auto­geschäft von Autoverkäufern verkauft werden soll.

Sieht aber sehr gut aus und ist sofort als Range Rover erkennbar. Die Gene sind gesund. Die Inspiration stammt vom Freelander, die Umsetzung geschah aber deutlich speediger und vor allem ­extrem muskulös. Augenfällig verengen sich beim dreitürigen Coupé die Fenster nach hinten zu Sehschlitzen, was eher ­stylish als gemütlich ist. Überraschend ist die Kompaktheit. Acht Zentimeter kürzer als ein VW Tiguan und ein BMW X1. Das macht das Auto auf jeden Fall praktikabler als seinen im Schnitt viermal so teuren ganz großen Bruder. Und er verstellt niemandem die Sicht.

Der erste Test mit dem Vorserienmodell lässt natürlich noch keine Schlüsse auf die Verarbeitungsqualität zu, diese wird uns auf jeden Fall als die allerhöchste versprochen und lässt genau genommen jetzt schon kaum was zu wünschen übrig. Wir klettern beim Einsteigen gerade so weit nach oben, dass sich noch ein Stück Erhabenheit ausgeht. Innen alles Range Rover, also Landhausstil, Abteilung cool. Das Lenkrad vielleicht ein bissl bamstig, die Ablage vor der Mittelkonsole haben sie von Volvo, sie ist hier genauso unpraktisch, weil schwer erreichbar. Von Jaguar kommt der Automatikdrehknopf, der beim Starten anschmiegsam in die Hand des Fahrers hineinfährt. Das ist zur Zeit die stimmigste Möglichkeit, auf D zu stellen.

Fünftürer und Coupé sind gleich lang und unterscheiden sich daher auch innen nicht im Platzangebot (das Coupé ist etwas flacher). Dieses ist vorne sehr gut und auch hinten okay (5 cm mehr Kniefreiheit als im Dreier-BMW). Das Coupé sieht cooler aus, aber wenn Sie auch nur einen Hauch Wert auf Komfort legen, vergessen Sie’s: hinten Kellerfeeling.

Was sich anhand der Vor­serie – genau genommen und fairerweise eigentlich: Vorvorvorserie – schon sagen lässt: Die Motoren sind optimal weggedämmt, ebenso die Windgeräusche. Im Grunde werden zwei Motoren angeboten, ein Diesel mit 150 bzw. 190 PS und der Benziner mit 240 PS. Der Diesel mit 150 PS als projektierte Massenmotorisierung verlangt keinen Verzicht. Es gibt ihn im eD4 mit Frontantrieb, dem ersten in der Range-Rover-Geschichte. Mit dem saustarken Benziner ist man schon außergewöhnlich gut gekleidet. Aber andererseits, 46.000 Euro ohne ­Extras sind in dieser Größenklasse dann doch wieder ein wenig saftig.

Ein Modell mit Frontantrieb also, die anderen kommen mit der ganzen Konzernpalette an Geländewissen: ­Terrain Response wie üblich, anzuwählen sind Programme für „Normal“, „Gras, Schotter, Schnee“, „Schlamm“ und „Sand“. Die Bergabfahrhilfe ist ebenso aufpreispflichtig wie das „Adaptive-Dynamics“-­System mit den stufenlos von weich bis hart verstell­baren „MagneRide“-Stoßdämpfern.

Sportliche Dynamik ist hier groß geschrieben. Dass er sich trotzdem fährt wie ein (sehr gut zu fahrendes) SUV, liegt an der Physik, die nicht mit sich diskutieren lässt. Hoher Schwerpunkt eben.

Ein wichtiges Thema für den Evoque ist seine eigene Smartheit, die nicht zuletzt über eine ungewöhnlich große Individualisierbarkeit rüberkommt. Dass es zwölf Lack­farben und drei kontrastierende Dachfarben gibt, mag ja noch angehen, aber 16 unterschiedliche Designer-Interieurs, vier Metall- und zwei Holz­dekore, drei Farbvarianten für den Dachhimmel sind schon vor dem Kauf eine gewisse ­Herausforderung. Nimmt man für ­außen und innen alles frei wählbar Färbige, steht man vor 390.000 (es stimmt: dreihundertneunzigtausend) möglichen Farbkombinationen. ­Anstatt einer hierarchischen Ausstattungspolitik, so heißt es bei Range Rover, haben sie sich für drei Designlinien entschieden (siehe Datenkasten). Die Hierarchie kommt freilich über die Hintertür wieder zurück, denn TV-Empfang, feinstes Leder oder 825 Watt Raumklang aus 17 Lautsprechern wird nur der kriegen, der hoch von der Karriereleiter herunterwinkt.

Immerhin, dass es das alles gibt, und obendrein Dinge wie zeitgesteuerte Klimatisierung, Lenkradheizung und Surround-Kamerasystem, ist doch ein Novum in der Größenordnung des Evoque. Versteht sich, dass offensives Hineinkaufen von Luxus­features das Auto weit aus ­seiner Klasse hinauskatapultiert, der Grundpreis lässt sich wohl verdoppeln, wenn man es ernst meint.

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