Range Rover 5,0 S/C Autobiography dyn vore
Null auf Hundert in 6,2 Sekunden bedeutet, dass man ungefähr so viel Luft vor sich herschiebt,...
 

Testbericht: Land Rover Range Rover 5,0 S/C

Haltung zeigen auf höchstem Niveau, sozusagen.

04.08.2011 Autorevue Magazin

510 PS treiben zweikomma­acht Tonnen an, die wiederum meist weniger als 100 Kilo Mensch bewegen. Bei Bedarf auch in 6,2 Sekunden auf Hundert und 225 km/h schnell. Keine Frage, dies ist ein Fahrzeug von hoher barocker Würde, so überlebensgroß in seiner Maßlosigkeit, dass es unangreifbar wie ein Denkmal aus unbeschwerteren Tagen der Menschheit dasteht. Als Erklärungsmodell bietet sich eine Flucht in die Philosophie an, also wollen wir hier ein wenig schopenhauern:
Der Mensch kann wohl tun, was er will.
Er kann aber nicht wollen, was er will.
Umgelegt auf einen Range Rover bedeutet das: Der Mensch kann durchaus in ­Lebenssituationen geraten, in denen sich ein Range Rover einfach nicht vermeiden lässt.

Versuchen wir also, uns in die Lage eines finanziell eher sehr entspannten Menschen zu versetzen: Schon schrumpft das in jeder Hinsicht gewaltige Automobil zu einem Tiguan mit den Mühen eines höheren Einstiegs – in seinen Kreisen gesellschaftskonform und ­passend bei jeder Gelegenheit. Und so wie bei VW gerne die Highline-Ausstattung geordert wird, kann hier die Wahl nur auf den Autobiography fallen. Denn nichts ist schlimmer, als die Üppigkeit eines 500-PS-SUV zu wählen und dann doch den bitteren Nachgeschmack des Verzichts zu verspüren. Mit dem Kompressor-V8 plus Topausstattung ist man dagegen ganz auf der ­sicheren Seite, leistungs- wie ausstattungsmäßig. Da schon der Basis-Range jeden erdenklichen Luxus von Leder bis Navi bietet, kann eigentlich nur mehr in Sachen Finesse nachgelegt werden: also feineres Leder, edlere ­Beschläge, knöcheltiefe Fußmatten, Highend-Sound, Heimkino für die Kids. Und nur Kleingeister werden nachrechnen, ob das nun wirklich die über 50.000 Euro Aufpreis zum Diesel-­Basismodell wert ist.

Genauso wie nur Nichtbesitzer den Verbrauch diskutieren werden. 16 Liter sind im dezenten Alltagsmodus möglich (der einem aber ohnehin vom Bären-Gemüt des Range nahezu aufgezwungen wird). Mehr geht jederzeit, auch in archaischen Mengen, speziell wenn man einmal an der eigentlich erstaunlichen Leichtfüßigkeit gefallen gefunden hat. Aber wenn man einen ­Supercharged-Besitzer zum Verbrauchsproblem befragt, kriegt man höchstens zur Antwort, wie zeitraubend es sei, ständig Tankstellen ansteuern zu müssen.

Deshalb blieb im Rahmen der Modellpflege beim Benziner alles beim Alten, während der Diesel kräftig überarbeitet wurde. 4,4 statt 3,6 Liter Hubraum bringen mehr Drehmoment (700 Nm, damit wird selbst der Kompressor-Benziner geschlagen) und mehr ­Leistung (nun 313 PS) bei fast 20 Prozent weniger Normverbrauch. Für das kaum wahrnehmbare Reinschlenzen der Gänge sorgt jetzt eine Achtgangautomatik (beim Benziner bleibt es bei sechs Gängen).

Eigentlich ist der Diesel der bessere Range, aber das führt uns wieder in die Nie­derungen der Kontoauszug-Kontrollierer. Und egal wie, das ­Lebensgefühl ist jedenfalls ganz großes Kino, und so ertappt man sich nach einiger Zeit dabei, im ­Internet nach gebrauchten Rangies zu suchen (hey, das geht schon knapp über 20.000 Euronen los!). Was wäre das für ein ­Gewinn fürs Leben. Denn zur serienmäßigen Würde eines Range Rover gehört zum Beispiel, dass man einem Kieberer stets Aug’ in Aug’ begegnet, ohne vorher aussteigen zu müssen. In diesem Auto ist man eben wirklich ganz oben.

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