Weniger Kunststoff-Stoßschutz an der Karosserie und mildere Gesichtszüge durch filigraneres Wabengrill-Design. Plus LED als Zeichen der Zeit.
 

Vorstellung: Land Rover Discovery 4

Es sieht so aus, als wäre nichts Großes passiert. Und doch: Die Zahl ist umgesprungen.

01.10.2009 Autorevue Magazin

Bei Land Rover beherrscht man das millimeterweise Feinmodellieren der klassischen Gestalt und lässt jetzt leise beim Discovery

von 3 auf 4 umspringen. Die filigranere Wabenzeichnung des Kühlergrills und die optische Verschmälerung der Front durch einen größeren Lufteinlass machen sein Auftreten nun weniger herrisch, womit die atmosphärische Kurskorrektur auch schon abgeschlossen wäre.

Drinnen hat eine völlige Abwendung von der sachlichen Arbeitseinstellung hin zu einem nahezu loungemäßigen Lebensgefühl stattgefunden. Man sitzt auf komfortablem Ledergestühl (HSE-Ausstattung!), die Cockpitflächen neigen sich einem entgegenkommend zu, es gibt viel weniger Schalter als früher, und die Mittelkonsole fließt anmutig in die Tiefe des Raums. Man ist im Discovery mittlerweile Lichtjahre von der rigiden Härte der Anfangsjahre entfernt und der Landlord-Attitüde des Range Rover schon sehr nahe.

Der Luxus schiebt jedenfalls einen dicken Polster zwischen das raue Gelände und den Fahrer. Alles ist möglich. Man kann hart an die Grenze gehen, ohne sich weh zu tun. Per optional orderbarem Sperrdifferenzial an der Hinterachse. Oder mit dem neuen Kamerasystem, das über sechs Fischaugen-Linsen die nächste Nähe rund um das Auto ins Blickfeld rückt. Am Touchscreen kann man sich die einzelnen Einstellungen heranzoomen (schau, ein Regenwurm!) und haarscharf zwischen Felswänden durchzirkeln, ohne sich den Lack oder die teuren Leichtmetallfelgen zu zerkratzen. Auch das Rückwärts-Heranfahren an den Pferde-Trailer geht jetzt superleicht, weil eine Art Fadenkreuz auf dem Bildschirm angezeigt wird. Man ahnt ja gar nicht, welche Herausforderungen das Landleben mit sich bringt!

Solcherlei Lebenserleichterung setzt freilich voraus, dass man gut bei Kasse ist: Das Kamerasystem an sich kostet 1.200 Euro Aufpreis. Und dann steht im Kleingedruckten noch, dass es nur bestellbar ist, wenn man das Navigationssystem für weitere mindestens 2.500 Euro angekreuzt hat. Im Preis inbegriffen ist löblicherweise eine Umfeldbeleuchtung, die Licht in die dunklen Schlammkuhlen schickt, sollte einen bei einer Landpartie unverhofft die Dämmerung ereilen.

Wenn man vom neuen Discovery nicht eines der limitierten Experience-Sondermodelle für 43.900 Euro erwischt, zahlt man für den 2,7 TD mit 6-Gang-Handschaltung und Stahlfederung in S-Ausstattung knapp über 50.000 Euro und für den neuen Dreiliter-TD mit Twin-Turbo, der ein aberwitziges Drehmoment von 600 Nm anlegt, mit dem man jede noch so grimmige Steilwand bezwingen kann, beachtliche 62.500 Euro. Für den teureren Diesel spricht: Trotz 55 PS mehr braucht der 3,0 TDV6 gegenüber der vergleichbaren Automatikvariante des 2,7 im Schnitt einen Liter Diesel weniger, Dank an die moderne Motorbauweise.

Um den Discovery zu befähigen, die ganze Kraft in entsprechende Feinarbeit umzusetzen, waren ein paar Veränderungen am Fahrwerk nötig. So wurden etwa die Differenziale neu abgestimmt, größere Bremsen eingebaut und einige Radaufhängungskomponenten verändert. Auch die Traktion in den diversen Geländeprogrammen des Terrain-Response-Systems wurde frisch kalibriert, mit dem Ergebnis, dass der Discovery den Spagat zwischen straffer Straßenlage und dem Hardcore-Geländeeinsatz noch geschmeidiger schafft. Es genügt, eines der leicht verständlichen Symbole über den Drehknopf anzuwählen (Schneeflocken, Felsen, Bäume oder ein Auto, das durch Kurven flitzt), und man bekommt die richtige Allrad- und Getriebeübersetzung gereicht. Zusammen mit Sperrdiff und Bergabfahrhilfe geht dann gefühlt alles, was nicht völlig senkrecht oder schmäler als zwei Meter ist.

Weitere Goodies, die zum neuen Geländeluxus gehören: Hilfe beim Berganfahren und ein schlüsselloses Einsteigen und Starten des Discovery. Unverändert ist auch der Vierer sowohl als Fünf- als auch (gegen Aufpreis) als Siebensitzer erhältlich.

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