Lancia Ypsilon
Ein Lancia ist nicht nur an seiner Kühlermaske als solcher zu erkennen.
 

Testbericht: Lancia Ypsilon Gold 1,2

Und keine Kosenamen! Vom gelungenen Versuch, ein kleines Auto ganz groß erscheinen zu lassen.

22.12.2011 Autorevue Magazin

Lancia ist ohne Zweifel jener Autohersteller, der schon am längsten daran glaubt, dass es einen noblen Kleinwagen geben kann. Bereits 1985 arbeitete man tatkräftig daran, die Verknüpfung von klein und billig aufzulösen. Damals schon ging es darum, die ­Markenprofile von Fiat, Alfa ­Romeo und Lancia zu schärfen: Alfa sollte die sportliche Rolle übernehmen und Lancia in Richtung nobel gedrückt werden. So wurde aus dem sportlichen Flitzer Autobianchi A 112 ein feines Nachfolge­modell, der Lancia Y 10.

Auf technischer Basis des Fiat Panda präsentierte man einen hübschen Kleinwagen mit etwas puffig-plüschiger ­Atmosphäre im Innenraum, ­jedenfalls im Vergleich zu den damals nüchternen Plastik-Blech-Machwerken in dieser Fahrzeugklasse. Auch außen wirkte der Lancia Y weniger popelig, zeichnete sich durch klares, beinah scharf­kantig geradliniges Design aus. Achtbare Erfolge als so genanntes Damenauto waren die Folge. Mit Alcantara-Sitzbezügen setzte man Maßstäbe.

Lancia Ypsilon

Mit dem neuen Lancia ­Ypsilon erfolgt nun ein neuer Anlauf in Richtung feiner ­Kleiner. Die Rahmenbedingungen dafür haben sich mittlerweile entscheidend verbessert. Kleinwagen werden auch von Premiumherstellern ernst genommen, auch wenn diese gerade erst auf der Suche nach Wegen sind, ihre Klein-Ideen schlüssig im Modellprogramm zu platzieren. Lancia hat hier eine gute Ausgangsposition, etwa jahrzehntelange Erfahrung darin, Kleinheit mit Charme zu verknüpfen. Es ist auf jeden Fall eine spezielle Herausforderung, unter dem Kostendruck eines Klein­wagens das große Fahrgefühl zu bieten.

Schauen wir uns also den neuen Y genauer an: Das äußere Erscheinungsbild ist schon einmal schlüssig: eindeutig als Lancia zu erkennen und als hübsch einzuordnen. Die ­Qualitätsanmutung übertrifft tatsächlich den Klassenschnitt klar. Und es sind auch keine Bruchlinien im guten Willen erkennbar, tatsächlich ist ­nirgendwo ein scharfer Grat versteckt, an dem man sich die Finger wundscheuert. Ganz im Gegenteil: Streckenweise hüpft man den anderen wirklich vor, wie ein feiner Kleiner zu sein hat, im Styling wie auch im ­Finish. Auch wenn so mancher noch immer den Sitzbezügen aus der Micro­faser Alcantara nachweint, die durch die Marke Castiglio ersetzt wurde.

Martin Strubreiter, 1,91 Meter lang, beim vergeblichen Versuch, ein üppiges Platzangebot im Fond zu erkennen.

Lancia Ypsilon

Zum „großen“ Fahrgefühl: In der Tat schafft es der Lancia Ypsilon, eine gewisse innere Größe zu suggerieren, ohne dabei die Vorteile des Kleinseins zu opfern. Der bewährte City-Modus der Lenkung, die auf Wunsch extrem leichtgängig wird, stellt dabei die Grundlage des Wohlgefühls dar. Der Vierzylinder-Motor (die meisten Maschinchen dieser Leistungsklasse haben nur mehr drei) läuft ruhig und sehr vibrationsarm und entfaltet vor allem sein Drehmoment schon bei sehr niedrigen Drehzahlen. Wirklich vergnüglich, so durch dichtes ­Gewusel zu schwimmen. Lob der Start-Stopp-Automatik, die dezent arbeitet und fehlerfrei funktioniert.

Und er schafft auch den weiten Spagat bis auf die Autobahn. Durch die lange Übersetzung dreht der 69-PS-Motor bei 130 km/h nur rund 3500 Touren und ist dabei entsprechend leise. Offenbar durch ­seinen geringen Luftwiderstand schafft der Y dieses Tempo sogar auf Dauer, wo andere Saugmotoren dieser Klasse über 4000 Touren drehen ­müssen, um den Wagen in Schwung zu halten.

Wer all diese Annehmlichkeiten des erwachsenen Kleinwagens will, darf natürlich auch preislich keine Wunder erwarten: Zum Basispreis von 12.500 Euro gesellt sich eine bessere Ausstattung (Gold), macht 13.800 Euro, und dazu kommen noch ein paar Extras in unserem Testwagen, was sich auf knapp 17.500 Euro summiert.

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