Lancia Flavia Badge Engineering cabrio Jeep Chrysler Dodge Fiat
Hier stehen knapp fünf Meter Cabriolet.
 

Vorstellung: Lancia Flavia

Der neueste Chrysler mit Lancia-Logo ist in Preis, Größe, Ausstattung und Komfort kaum zu schlagen.

10.09.2012 Autorevue Magazin

Gerade in Weiß ist der Lancia Flavia (die Flavia zu sagen scheint uns für einen geschwindelten Lancia zu viel der Ehrerbietung) eine außergewöhnlich gewinnende Erscheinung. Langgestreckt und von allen Seiten schlank, das eher hohe Gewicht bleibt unsichtbar. ­Insgesamt zurückhaltend, gar nicht aggressiv, freundlich, ­elegant, Eigenschaften, die ­einem Auto ebenso recht anstehen wie einem Menschen.

Lancia als Marke ohne eigene neue Produkte befindet sich in einer Übergangszeit. Man nimmt die Chryslers, ­adaptiert sie geringfügig und ohne großen finanziellen Aufwand und versucht damit, ­Lebenszeichen von sich zu geben. In gegenständlichem Fall das Cabrio des Chrysler 200. Die Limousine wird es als ­Lancia nicht ­geben.

Einen Kollateralschaden gibt es auch: Menschen, die mit dem Begriff Lancia was anfangen können, greifen sich auf den Kopf, seit die Kooperation begonnen hat.

Der strategische Hinter­gedanke ist wohl, jetzt durch­zutauchen, gerade noch davonzukommen und dann endlich mit ein paar eigenen Modellen wieder ein bissl so zu werden wie früher, zum Beispiel mit einem Delta auf Giulia-Basis. Hilfreich wäre es dabei, wenn die Lancia-Leute nicht immer so tun würden, als wären Flavia, Thema und Voyager uritalienischste Autos. Vor allem der sonst so sympathische Lancia- und Chrysler-Boss Saad Chehab schießt diesbezüglich regelmäßig weit übers Ziel und war sich bei der Flavia-Präsentation nicht zu blöde, italienische Filme aus den Fünfzigern als Paten für das Auto heranzunötigen.

Lancia Flavia Badge Engineering cabrio Jeep Chrysler Dodge Fiat

Macht aber nix. Wir wissen das zurechtzubiegen. Also: Der Flavia ist außen so italienisch wie die Detroit Red Wings und innen auf angenehme Weise universal-geschmackvoll, also auch nicht dezidiert italienisch. In Amerika hingegen, wo dieses Auto in jeder Hinsicht herkommt, wusste man große, ­offene Autos immer schon zu gestalten. Und so erfüllt auch der Flavia in fast jeder Hinsicht alle Wünsche, die der ­erwachsene Mensch an ein ­Cabriolet mit vier Sitzen stellen kann. Vier echte Sitze übrigens, man kann auch hinten gut sitzen, wo es freilich etwas zieht.

Handeln wir gleich den einzigen Schwachpunkt des Autos ab, den Motor: Der 2,4-Liter-Vierzylinder ist bekannt aus dem Jeep Compass. Er ist recht leise und harmoniert mit der Sechsgangautomatik gut, solange man dem Gaspedal nicht zu sehr nahetritt. Allerdings wird ein Durchschnittsverbrauch von 9,4 Litern angegeben, und wenn man jetzt noch den Realitätsaufschlag von 20 bis 30 Prozent dazurechnet, kommt man auf etwas, was heute nicht mehr sein sollte. Der ebenfalls 170 PS starke BMW 320i hat nicht nur deutlich bessere Fahrleistungen, sondern auch einen um fast drei Liter niedrigeren Normverbrauch. Fairerweise muss gesagt werden, dass der auch um fast 100 Kilo leichter (und 37 cm kürzer!) ist. Trotzdem: Downsizing, Aufladen und ­andere Methoden moderner Effizienzsteigerung müssen bei Chrysler erst noch wahrgenommen werden.

Abgesehen davon, dass man hier mehr Geld für Benzin ausgibt und mehr CO2 in die Luft bläst als notwendig, ist es im normalen Cabriodasein aber doch so: An einem Motor ist wichtig, dass er da ist.

An einem Cabrio hingegen ist wichtig, dass es schön ist, dass es drinnen nur sehr wenig zieht (ein bissl muss sein, sonst kann man ja gleich einen Passat nehmen), dass das Verdeck guten Schutz bietet und aus Stoff ist (für die Puristen zumindest ist das wichtig) und dass es bei der so notwendigen Entspannung nicht im Weg steht. Alles dies erfüllt der
Flavia bravourös.

Das Fahrwerk ist zwar für europäische Geschmäcker (oder was man dafür hält) etwas gestrafft worden, aber immer noch sehr, sehr komfortabel. Gleiten, cruisen, ein bissl unter der milden Abendsonne umherschweben, das sind so die Sachen. Nichts hier animiert zu ungesunder Hast und noch ungesünderer Raserei. Alles hingegen zu genussreicher Reise, kurz oder lang.

Und jetzt kommt erst das stärkste Argument für den Flavia: Preis und Ausstattung. Für nicht einmal 40.000 Euro kriegt man hier ein Auto, dessen Ausstattungsliste sich liest wie bei teureren Cabrios die Aufzählung der Extras. Leder, Navigation, Entertainment, ­alles vorhanden und alles beste Ware, kein Ramsch. Dazu ein akzeptables Verarbeitungs­niveau, gute Materialqualität, hübsche Gestaltung. Kann man kaufen, sagen wir.

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