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Lada Vesta 1,6 Luxus: Nehmet Notiz!

Nehmet Notiz – nämlich vom größten Lada. Dem Lada Vesta 1,6 Luxus. Der erste, den man in der Blindverkostung nur angenehm herausschmecken würde.

17.05.2018 Online Redaktion

Ein Artikel aus der Autorevue Extra 2018.

Kurze Aufzählung: Touchscreen mit Navi. Höhen- und längsverstellbares Lenkrad. Elektrische Fensterheber. Klimaautomatik. Heizbare Frontscheibe. USB-Anschluss. Tempomat mit Geschwindigkeitsbegrenzer. Elektrisch heiz- und verstellbare Außenspiegel. Sitzheizung vorne. Abstandswarner hinten. CD-Radio für alle. All das für 14.490 Euro.

Gespart wird dort, wo’s nicht wehtut, zum Beispiel bei der Kofferraumauskleidung.

So viel kostet der Vesta in der Ausstattungsstufe Luxus, um 900 Euro steigern lässt sich der Preis durch das automatisierte Schaltgetriebe, um 1.100 Euro vermindern mittels Basisversion. Man bewegt sich also mit dem Kauf eines Lada weiterhin am untersten Ende heimischer Preislisten, auch wenn es sich um den neuesten und größten Lada dreht, und der Vesta ist sicher auch das Auto mit der gleichzeitig kleinsten und exotischsten Aufpreisliste im Land: Über den Ladekantenschoner um einen Hunderter und die Autogasanlage um 2.800 Euro traut sich kein Konkurrent, und wer am einzig vertrauten Aufpreisposten hängenbleibt, der Anhängerkupplung, findet noch keinen Preis daneben. Wird sicher bald kommen. Nicht in die Aufpreisliste kommen wird der Metallic-Lack, weil der ist schon in Serie dabei. Da könnte der Mercedes-AMG GT C auf Seite 48 was lernen, der hat nämlich Aufpreis-Sonderlacke, die so viel kosten wie ein ganzer Lada Granta. Der ist aber auch kleiner als der Vesta mit seinen 4,41 Metern.

Lada Vesta 1,6 16V Luxus
© Bild: Andreas Riedmann

Lada Vesta 1,6 Luxus

Diese Länge verteilt sich auf die Proportionen einer Limousine, wie sie in der Kompakt- und Mittelklasse rar geworden sind und, wenn es sie doch gibt, meistens Preisdrücker-Rollen ausfüllen. Um dort aufzufallen, kann der Lada nicht alleine durch eine schlanke Summe gefallen, sondern durch Ausstattung und seinen Gesamteindruck.

Und der ist, um es gleich gradaus rauszusagen, absolut gelungen. Vorbei die Zeit, als sich Ladas anfühlten wie von Pflichtkonstrukteuren entworfen. Der Vesta biegt mit lockerer Ernsthaftigkeit ums Eck, steht auf einem soliden, polterfreien und alltagstauglich gefedertem Fahrwerk, bietet einen sehr großen Kofferraum samt umlegbaren Rücksitzlehnen, ordentlich viel Platz vorne (hinten zwickt die Kopffreiheit, Tribut an die Coupélinie am Dachende), sein 1,l-Benziner mit zwei obenliegenden Nockenwellen beliefert das Fünfganggetreibe mit 106 PS und die Ohren mit einem Klang, der beim Hochdrehen ein wenig räudig nach alten Fiats klingt, sofern man ihm guten Willens entgegenlauscht. Natürlich ist das Aggregat in keiner Disziplin aus der Zukunft gegriffen, der Vesta selbst auch nicht, aber in der Gegenwart fühlt man sich perfekt verankert: Was günstig ist, schaut ehrlich danach aus, was wichtig ist, fühlt sich vertrauensvoll an, und auf der Russland-geeichten Sitzheizung kann man sich ein Gulasch wärmen.

Lada Vesta 1,6 16V Luxus
© Bild: Andreas Riedmann

Das X-Design bei Lada

Besonders sichtbar ist der Zug zum Design, das X-Thema ist dem Vesta vorne per Chromspangen eingeschrieben, seitlich durch Blechsicken und hinten durch die Form der Heckleuchten, aber da muss man schon genauer hinschauen. Tun übrigens auch Passanten: Noch nie fiel ein Lada so auf.

Für die erste Modellpflege bieten sich die Dekorleisten von Armaturenbrett und Türverkleidungen an, ein freihändig hingeworfenes Marmorimitat aus Plastik. Dass das Navi auch Kyrillisch beherrscht, erfreut uns hingegen mit väterlichem Stolz. Zumindest, seit wir entdeckt haben, dass es auch auf lateinische Schrift umgestellt werden kann.

Lada Vesta 1,6 16V Luxus
© Bild: Andreas Riedmann

Shortcut

Was wir mögen
Dass Lada nach dem Renault-Einstieg völlig ernsthafte Autos baut. Ein SUV kommt auch bald.
Was uns fehlt
Hoffentlich nicht der Sinn fürs einfache, uneitle Leben. Ist der vorhanden, dann fehlt nichts.
Was uns überrascht
Wie gut Lada plötzlich auf Augenhöhe mit anderen Sparefroh-Konkurrenten steht.
Perfekt, wenn …
… die Nachbarn nett (oder wurscht) sind.
Die Konkurrenz
Mitsubishi Attrage, Fiat Tipo, Seat Toledo/Škoda Rapid. Dacia Logan, gäb’s ihn als Limousine.

Daten Lada Vesta 1,6 16V Luxus

Preis  € 14.490,– (NoVA 10 %)
Basispreis € 13.390,– (1,6 16V)
Steuer jährlich € 386,88
Motor, Antrieb 4-Zylinder-Benziner (1596 ccm) 5-Gang-Getriebe, Frontantrieb.
Leistung/Drehmoment 78 kW (106 PS)/5800/min, 148 Nm/4200/min.
Fahrleistungen 0–100 km/h 11,8 sec, Spitze 180 km/h, Normverbrauch/CO2 8,0/5,0/6,1 l/100 km/138 g/km.
Testverbrauch 8,4 l/100 km.
Dimensionen 5 Sitze, L/B/H 4410/1764/1497 mm, Tank 55 l, Kofferraum 480 l. Räder 195/55 R 16.
Gewichte Leergewicht 1270 kg, Zuladung 400 kg, Anhängelast 900 kg.
Sicherheit EuroNCAP nicht getestet.
Ausstattung Klimaautomatik, Metallic-Lack, Multimediasystem mit 7”-­Touchscreen, Navigation, Rückfahrkamera, Bluetooth-Freisprech­einrichtung, Multifunktionslenkrad, Parksensoren hinten, Sitzheizung vorne, Außenspiegel el. verstell- und heizbar, Fahrersitz höhenverstellbar, Tempomat mit Geschwindigkeitsbegrenzer, Alufelgen, Licht- und Regensensor, Scheibenheizung vorne, Colorglas, Nebelscheinwerfer, Zen­tralverriegelung mit Fernbedienung, CD-Radio, geteilt umlegbare Rücksitzbank, elektrische Fensterheber.
Extras Ladekantenschutzfolie € 100,–, Autogasanlage € 2.800,–.

Lada Vesta 1,6 16V Luxus
© Bild: Andreas Riedmann

Vergleichbar

Fiat Tipo Limousine
Preise € 14.090,– bis 20.390,–
Motoren Benziner mit 95/110 und Diesel mit 95/120 PS.
Kompakt-Fiat, der in der Türkei für eher niedrigpreisige Märkte gefertigt wird, aber erwachsen und solide vorfährt. Kostet mit 95-PS-Benziner bei sehr ähnlicher Ausstattung wie der Lada um drei Tausender mehr.

Seat Toledo
Preise € 16.690,–/19.190,–
Motoren 1,0 TSI mit 95 PS, 1,6 TDI mit 115 PS.
Baugleich mit dem Škoda Rapid, als Produkt des VW-Konzerns in allen Facetten gut berechenbar. Auch was die lange Aufpreisliste betrifft: Wer eifrig ankreuzt, lässt den ­Lada-Preis weit hinter sich.

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