Kia Sportage stat vorne
Hui! Einen großen Sprung zwischen zwei Modellgeneration erleben wir hier.
 

Testbericht: KIA Sportage

Kann beinahe alles, und das ziemlich gut.

04.11.2010 Autorevue Magazin

Wenn man so möchte, ist der Sportage der Albtraum eines jeden Autotesters, der gerne kritisiert. Weil er kaum Angriffspunkte bietet, über die man sich mokieren kann. Weil er auf bemerkenswertem Standard angekommen ist.

Er ist chic. Geradezu erschreckend, wenn man auf der Straße einem Vorgänger­modell begegnet. Es wirkt, als hätte man gleich eine ganze Modellgeneration übersprungen. Zu verdanken ist das Kias Chefdesigner Peter Schreyer, der seine Linien früher bei Audi und VW gezogen hat. So hat der Sportage besonders an der Front ein selbstbewusstes Auftreten, ohne aber penetrant zu wirken. Und diese Sozialverträglichkeit ist in der vieldiskutierten SUV-Liga bestimmt kein Nachteil. Dasselbe gilt für den Innenraum: Überall finden sich frische, moderne Akzente fernab der Biederkeit, ohne dass die Ergonomie darunter leiden würde. Da werden keine Rätsel aufgegeben, alles lässt sich intuitiv ­bedienen (wenn man die seitlich an den Armaturen versteckten Schalter des Bordcomputers endlich gefunden hat). Und denkt man an Kias Plastikwüsten der frühen Jahre, ist man jetzt, was die Materialwahl angeht, definitiv auf der Höhe der Zeit.

Auch was die Praktikabilität betrifft, kann man dem Sportage keinen Vorwurf machen. Die Rücksitzbank ist flink ­umlegbar, es bleibt ein (fast) ebener Laderaum mit höherer Ladekante. Was man aber so bei allen SUVs vorfindet. Wer gerne höher sitzt, muss sein Gepäck halt höher wuchten. Nettes Detail am Rande: Im Kofferraumboden wohnt ein vollwertiges Ersatzrad, was ­jeder, der schon einmal mit Pickzeug und Kompressor zu tun hatte, besonders zu schätzen weiß.

Wir hatten gewissermaßen den maximalen Diesel-Sportage zur Verfügung, was Leistung und Ausstattung angeht. Motorseitig heißt das 136 PS, die den Sportage dank 373 Nm Drehmoment (nur bei Automatik, sonst 320 Nm) auch recht ordentlich beschleunigen. Lediglich auf der Autobahn wird die Beschleunigung dann milde, könnte noch ein wenig mehr Leistung vertragen. Für den Plattformbruder Hyundai iX35 stellt ein 184-PS-Diesel die Spitze des Programms dar, man darf also hoffen, dass ­dieser Motor auch bei Kia bald die Palette abrundet. Lauf­kultur und Geräusch gehen in Ordnung, der Verbrauch ist vom Einsatz abhängig, grundsätzlich brav, aber keine Sen­sation. Die Sechsgangautomatik schaltet kaum merkbar, erfüllt ihren Job unauffällig. Ebenso der Allradantrieb, dessen europäisches Gen von Magna zugeliefert wird. Kein Verspannen beim Einparken, kein Zupfen in der Lenkung, nur die volle Traktion.

„Active Pro“ heißt bei Kia traditionell die Vollausstattung. Es gibt nur drei aufpreispflichtige Posten: Metallic-Lackierung, Navigationssystem und ein Panorama-Schiebedach; ansonsten ist von Keyless-Go über Xenon bis zur Klimaautomatik alles an Bord. So relativieren sich die eingeforderten 34.690 Euro doch recht rasch zu einem fairen Deal.

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