Kia Rio Exterieur Dynamaisch Seite Front
Ab sofort wird nichts Geringeres als der VW-Konzern ins Visier genommen.
 

Vorstellung: KIA Rio

Nächste Episode der koreanischen Erfolgsstory – der Kia Roi als Polo-Schläger.

27.08.2011 Autorevue Magazin

Kaum etwas ist derzeit so spannend wie ein neues Produkt aus dem Hyundai/Kia-Konzern, selbst wenn es in der nicht gerade prickelnden Kleinwagen-Klasse stattfindet. Denn Kia befindet sich weltweit in einem unglaublichen Aufwind, in den letzten fünf Jahren haben sich die Verkaufszahlen verdoppelt. Der endgültige Adelsschlag kam kürzlich von VW-Chef Martin Winterkorn höchstselbst, als er die Koreaner als „gefährlichsten Wettbewerber“ bezeichnete. So, das lassen wir uns jetzt noch mal auf der Zunge zergehen: VW strebt bekanntlich nach der Weltherrschaft im Auto­geschäft, und als größte Hürde vor diesem Ziel wird nicht General Motors, nicht Ford, nicht Toyota gesehen, sondern der kleinere Hyundai-Konzern.

Kia Rio Interieur

Und tatsächlich: In Hunger und Ehrgeiz bleiben sich Wolfsburger und Koreaner nichts schuldig, und Winterkorn hat erkannt, dass in der ­großen, weiten Welt da draußen tech­nische Exzellenz und zu viel ­europäisches Gedankengut durchaus auch hinderlich sein können. So sind die Koreaner am wichtigen US-Markt an VW vorbeigezogen, als würden die am Pannenstreifen parken.

Das beste Beispiel in Sachen Erfolgseffizienz liefert Kia: Zuerst waren sie einfach nur preiswert, dann schwangen sie sich zu einer beachtlichen Qualität hoch, jetzt kommen sie auch noch fesch daher. Womit wir beim Rio wären.

Schon dem Vorgänger war technisch kaum was vorzuwerfen, aber wie sah der gleich noch mal aus? Eben. Es ging also darum, Akzente zu setzen, was Design-Chef Peter Schreyer durchaus gelang. Vorne geht es mit großzügigen Lufteinlässen und dem hantelförmigen KIA-Grill los, auch die keil­förmige Seitenlinie sorgt für ordentlich Dynamik, das Heck geht als smartes Seat-Zitat durch. Alles zusammen ist der Rio einen Tick länger und breiter, aber flacher als ein Polo und ein durchaus fesches Ding.

Technisch ist Downsizing angesagt, schließlich hatte man den Ehrgeiz, die besten Verbrauchswerte der Klasse zu bieten. Dies gelingt tatsächlich mit einem 1,1-Liter-Dreizylinder-Diesel mit 70 PS, der in einer Magerstufe (plus Leichtlaufreifen, minus Klimaanlage) auf einen theoretischen Normverbrauch von 3,2 Liter (85 g/km) kommt. Theoretisch auch deshalb, weil diese Version nicht in Österreich angeboten wird, der ordentlich ausgestattete, gut fahrbare 70-PS-Diesel kommt auf 99 g/km.

Dass es auch noch einen zweiten Diesel (1,4-Liter-Vierzylinder mit 90 PS) geben wird, zeigt, wie wichtig Kia den europäischen Markt nimmt. Zumindest in Österreich werden in dieser Klasse trotzdem lieber kleine Benziner gekauft – das rüttelt und kostet weniger. Hier steht ein 1,25-l-Vierzylinder in zwei Leistungsstufen zur Wahl: 70 und 85 PS. Den Motor kennen wir bereits aus dem Picanto, hier tut er sich sichtlich schwerer, wirkt ein wenig zäh und will gedreht werden, bleibt dafür aber ­akustisch ­relativ unauffällig.

Beim Rest der Technik setzte sich der asiatische Pragma­tismus durch. Das Fahrwerk wurde mit wenigen Anpassungen vom Vorgänger übernommen. Der Komfort ist innerhalb der Klasse sehr in Ordnung, die Lenkung dagegen ein wenig schwammig, generell spürt man, dass die Vermittlung eines Fahrerlebnisses nicht ganz oben auf der Agenda stand.

Kia Rio Interieur

Dank des um sieben Zentimeter gewachsenen Radstandes liegt das Platzangebot über dem Klassenmittel. Man sitzt auch ganz wunderbar, nicht zu weich und doch bequem, der Grenzbereich des Wohlbefindens liegt vorne wie hinten bei etwa Einsneunzig – erst bei Größergewachsenen werden die Knie mit Mittelkonsole bzw. Vordersitzen kollidieren.

Erfreuliches auch bei Ausstattung und Verarbeitungsqualität: Schon die Kampfpreis-Version Hot (ein etwas zynischer Hinweis auf die ­fehlende Klimaanlage) bietet Essenzielles wie ESP, Zentral­verriegelung, CD-Radio plus USB-Anschluss und sechs ­Airbags, die Topversion xR schwingt sich mit Ledersitzen, beheizbarem Lenkrad, Schiebedach und Einparkhilfe gar in Luxusklasse-Dimen­sio­nen. Einziges Extra neben der ­Metallic-Lackierung wird ein Großbild-Navi mit integrierter Rückfahrkamera sein.

In Sachen Qualitätseindruck punktet der Rio mit ­klaren Linien und wertigen Kunststoffen (nur ans Klimapaneel haben sich Reste von ­Billigplastik verirrt). Alles wirkt solide verschraubt, nur die in Schlaglöchern polternde Hinterachse und die recht hohl klingenden Türen lassen den Renditewillen ahnen.

Doch einiges von der nicht restlos überzeugenden Tiefenschärfe der Qualitätsanmutung wird der Preis wettmachen: Der Einstieg bleibt unter 11.000 Euro. Dort, wo ein Polo beginnt, wird der Rio schon mitten im prallen Leben stehen. Und zwar ab September, der Dreitürer folgt Anfang 2012.

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