Kia Optima Active Pro 1,7 CRDi Test
Kia streckt sich deutlich nach oben.
 

Testbericht: KIA Optima 1,7 CRDi

Kia zeigt, dass Limousinen nicht zwangsweise langweilig aussehen müssen.

01.03.2012 Autorevue Magazin

Tatort Westautobahn: Es ist ja nichts Ungewöhnliches, dass man gelegentlich von deutschen Premiums mit recht ­ordentlichem Geschwindigkeitsüberschuss vernascht wird. Neu war allerdings, dass sich der Fahrer während des Vorgangs voll einbremste, sich ­zurückfallen ließ, nur um ­erneut auszuschwenken, kurz auf gleicher Höhe innezuhalten, um dann mit ziemlich konsterniertem Gesichts­ausdruck zu verschwinden. Es sollte nicht das einzige Mal bleiben.

Womit wir genau beim ­Thema wären: Gewöhnt euch daran, dass man sich nach ­einem Kia umdreht. Vergessen sind die schwülstigen Opirus (Opiri? Opirusse?), Chefdesigner Peter Schreyer führt die Marke mit Nachdruck aus der Verwech­selbarkeit – wir erwarten mit Spannung den neuen cee’d, der in der humorfreien Zone der Kompakten landen wird. Wie viel Design­witz wird sich in dieser Liga wohl ausgehen?

Doch jetzt zum ­Kia Optima, mit 4,85 Metern eine klassische Mittelklasselimousine, ­deren Erscheinungsbild als durchwegs attraktiv einzu­stufen ist. Die schlechte Nachricht vorweg: Eine Kombi­variante wie beim engen technischen Verwandten Hyundai i40 wird es vorerst nicht geben, da diese außerhalb Europas quasi keine Rolle spielt. Wer nicht jeden Tag Sperrgut mit sich führt, wird aber auch mit der Limousine seine Freude haben, denn der Kofferraum ist riesig. Die Rücklehnen lassen sich umlegen, die Öffnung zwischen Koffer- und Innenraum ist aber doch arg klein, also eher Marke „Schi-Durchreiche“. Zur Not wandert das Zeug in den Fondfußraum, der ob seiner verschwenderischen Größe an den Skoda Superb erinnert.

Das Interieur des Kia Optima spiegelt den Esprit des Äußeren wider, ­keine Spur von Fadesse.

Das Armaturenbrett ist appetitlich angerichtet und dem Fahrer zugewandt, auch die Anzahl der Bedienelemente wurde ­clever reduziert. Knöpfe, die man nicht oft benötigt, sind entweder links neben dem Lenkrad angeordnet oder finden sich als Befehl im zentralen Touchscreen wieder. An dieser Stelle sei noch großes Lob für die in der Mittelkon­sole perfekt positionierten USB-und AUX-Schnittstellen angebracht, was jeder nachvollziehen kann, der seinen USB-Stick schon einmal vom Fahrersitz aus in den Untiefen eines Handschuhfaches an­stecken wollte.

Insgesamt ist deutlich fühlbar, wie sehr Kia sich nach oben streckt.

Die Verarbeitung ist toll, nur sehr vereinzelt taucht Kunststoff der billigen Machart auf. Einzig das Zusammenspiel zwischen dem Armaturendisplay und dem Navi­bildschirm hätte noch ein wenig mehr Zuwendung vertragen – Ford kann das beispielsweise sehr gut, Audi ebenso.

Vom Antrieb her gibt es kaum Anlass zur Kritik. Klar kann man festhalten, dass eine 6-Gang-Wandlerautomatik nicht mehr den letzten Stand der Dinge darstellt – bei völlig ruckfreien Schaltvorgängen und einem soliden Verbrauch von 6,3 Litern dürfte das jedoch zur Belanglosigkeit verkommen. Der Turbodiesel steht trotz verhältnismäßig kleinem Hubraum gut im Saft und hat eigentlich nie Mühe, mit dem Gewicht des Optima fertig zu werden. Logisch aber auch, dass 136 PS keinen Sportler aus ihm machen.

Dabei wäre das Fahrwerk durchaus talentiert. Die Lenkung ist präzise, Federn und Dämpfer sind (trotz des Handicaps der 18-Zöller) angenehm komfortabel abgestimmt, ohne jemals schwammig zu wirken.

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