Kia ceed test Fahrbericht Front
Der cee’d erfindet die Kompaktklasse nicht neu, hat aber einen zackigen und eigenständigen Auftritt.
 

Vorstellung: KIA Ceed

Es darf nichts Geringeres verkündet werden als der Lückenschluss zwischen Südkorea und Deutschland.

13.06.2012 Online Redaktion

Die Farbpalette sagt eigentlich schon alles: Den ersten Kia cee’d gab’s noch in Goldgelb und Pastellblau, jetzt ist Schluss mit diesen modischen Exzessen. Schwarz, Grau, Blaugrau, Braun, Beige, Silber, Weiß und pro forma noch ein Rot und ein Blau. Alles sehr seriös. Ernsthaftigkeit ist das Gebot der Stunde – VW macht es vor, Opel macht mit und Kia jetzt eben auch. Die Beschaulichkeit des Vorgängers? Die kleinen Sitze des Konzernbruders Hyundai i30? Vergessen.

Das Design wird man wahrscheinlich auch in zehn Jahren noch fesch finden, die vorderen Sitzflächen reichen tatsächlich bis in die Kniekehle und sind bequem für alle ­Staturen. Die Kopffreiheit im Fond ist auch mit Panorama­dach noch ausreichend. Trotz ansteigender Seitenlinie haben die Hintensitzenden einen ­guten Ausblick, man fühlt sich nicht eingebunkert. Das Armaturenbrett ist dem Fahrer zugewandt, nicht overdesigned. Die Bedienelemente hat man logisch verteilt, was umso wichtiger ist, da die Knöpfe immer zahlreicher werden.

Womit wir bei einer Kernkompetenz der neuen cee’d sind: den Assistenz-Gimmicks. Der Kia parkt selbst ein, das Lenkrad ist beheizt, und ein Spurhalteassistent zeigt mit dezentem Klingeln und anschaulicher Grafik, dass man gleich in den Gegenverkehr rauscht (oder mal wieder nicht geblinkt hat). Das Navigationssystem kommt mit Sprachsteuerung und hochauflösender Rückfahrkamera, die Xenon-Scheinwerfer mit Kurvenlicht, und das ESP greift ins Lenkrad, wenn der Fahrer zu zaghaft umrührt.

Vom i30 hat der cee’d die verstellbare Servolenkung übernommen, die auf „Normal“, „Sport“ (sehr fest) oder „Comfort“ (fein zum Einparken) getrimmt werden kann. Blöderweise wirkt sie in allen Modi recht synthetisch, zum Kurvenmeister Ford Focus bleibt da noch ein spürbarer Abstand, zumindest auf Landstraßen. Das Fahrwerk ist straff, aber nicht unkomfortabel. In seinem Element ist der cee’d auf der Autobahn, auch wegen der exzellenten Geräuschdämmung. Der 1,6-Liter-Diesel, beispielsweise, ist kaum hörbar, Vibrationen werden gänzlich unterdrückt.

Erstmals bei Kia kommt ein Doppelkupplungsgetriebe zum Einsatz, optional in Kombination mit dem stärkeren Benziner. Die Gangwechsel gehen unbemerkt vonstatten, angenehm sanft hat man das Anfahren hinbekommen. Bei ­reschem Gaseinsatz werden die Gänge richtig ausgedreht. Der mit der Doppelkupplung gereichte 1,6-Liter-Motor ist ­direkteingespritzt und auch ohne Turbolader recht lebendig, interessanterweise wirkt er lauter als die Dieselvariante.

In Summe hat Kia mit dem cee’d zu den deutschen Platzmeistern aufgeschlossen. Er ist ruhiger als ein Astra, auf der Rückbank bequemer als ein Golf und im Auftritt weniger aufdringlich als ein Focus. Und er wirkt verbindlicher und gemütlicher als ein i30. Argumente, die notwendig sind, denn Kia spielt nicht mehr den Billigheimer. Mit einem Einstiegspreis von 16.790 Euro ist der Kia cee’d eine Handbreit teurer als der i30, ausstattungsbereinigt liegt er mit dem ewigen Sondermodell Golf Rabbit gleichauf. Im Vergleich zu den Listenausführungen ist der Koreaner aber immer noch deutlich günstiger, besonders in Vollausstattung: viel mehr als 30.000 Euro kann man gar nicht ausgeben für einen cee’d.

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