Jeep Grand Cherokee Interieur
 

Testbericht: Jeep Grand Cherokee

Wir treffen einen ausgewachsenen Grizzly. In Amerika nennen sie ihn „Mid Size“.

05.09.2011 Online Redaktion

Alle schauen sie. Die Jugendlichen auf dem Parkplatz, Passanten und ihre Hunderln, und natürlich die Ökofuzzis. Für die ist der Grand Cherokee das blechgewordene Böse: zweikommazwei Tonnen, ­souveräner Blick, Benzin­motor. Immerhin nicht der Achtender, aber das steht nirgends drauf.

Der Jeep Grand Cherokee fordert Respekt, nicht nur von den Passanten, auch vom Fahrer. Man spürt Gewicht und Größe, ein umsichtiger Fahrstil sei angeraten. Bei dichtem Verkehr ist man gut beschäftigt damit, die nähere Umgebung im Blick zu halten, denn die toten Winkel sind groß, trotz der Spiegel, die dimensioniert sind wie Cornflakes-Schachteln. Es ist kein Problem, einen Kleinwagen außerhalb des Sichtfeldes hinter die Stoßstange zu stellen.

Aber es wäre kein amerikanisches Auto, wenn nicht alles inkludiert wäre, was der Grundfläche ihren Schrecken nimmt. Die Einparkhilfe steht immer auf Habt-Acht und alarmiert den Fahrer auch, wenn sich ein Motorradler frech vordrängelt. Und die Heckkamera macht zusammen mit der smoothen Lenkung das Einparken einfach wie mit einem Golf.

Dazu kommt die Komfortriege von Klimaautomatik über Navigationssystem bis hin zu elektrisch verstellbarem Gestühl. Der Fahrersitz schiebt sich beim Abschalten des Motors nach hinten, um auch ­grö­ßeren Bauchumfängen entspanntes Aussteigen zu ermöglichen. Sogar das elektrisch verstellbare Lenkrad zieht sich zurück, vielen Dank.

Jeep Grand Cherokee Interieur

Das Fahren ist sehr amerikanisch, also komfortabel, entspannt, aber doch potent. Dass die Automatik nur fünf Gänge zur Verfügung hat, fällt erst beim Kick-Down negativ auf. Man spürt, wie zwei Halbleiter in der Elektronik die Köpfe zusammenstecken und sich fragen, was der Typ am Gaspedal jetzt eigentlich will, ehe sie zwei Gänge zurückschalten und den Motor damit aus dem Stand-by-Betrieb holen. Die Ver­brauchs­­anzeige geht auf Anschlag.

Das ist eine jener Situationen, in denen man vom Motor auch was hört. Im Normalfall ist der Jeep nämlich leise wie ein Elektroauto. Es genügt schon eine zarte Cello-Interpretation von Schumanns „Mondnacht“, um sämtliche Verbrennungs­geräusche zu tilgen.

Von der Umgebung bekommt man akustisch ohnehin nix mit, die Scheiben sind zudem abgedunkelt, man fühlt sich abgekapselt vom Rest der Welt und bewegt sich in einem eigenen, lederweichen Universum. Wenn die Amerikaner im Automobilbau etwas können, dann ist es diese serienmäßige Cruising-Fähigkeit.

Ach ja, einen Testverbrauch gibt es auch, aber der interessiert in dieser üppigen Fahrzeugkategorie wahrscheinlich eh niemanden. Die Ziffer sei hier trotzdem vermerkt, der Vollständigkeit halber und ohne Kommentar: 16,5.

Danke, dass es solche Autos noch gibt.

Mit unserem Autopreisrechner alle Preise für Neu- und Gebrauchtwagen gratis berechnen!
Mehr zum Thema