Jaguar XKR-S Cabrio Test
Wir lernten, dass eine F-18 bei etwa 250 abhebt. Da legt der Jaguar noch was drauf und blieb trotzdem auf der Startbahn.
 

Vorstellung: Jaguar XKR-S Cabrio

Von Null auf fast 300 und wieder auf Null in weniger als drei Kilometern. Von Christian Kornherr

26.03.2012 Autorevue Magazin

Wären wir noch in den goldenen Siebzigern, dann hätte man die drängenden Fragen nach der Leistungsfähigkeit des Jaguar XKR-S Cabriolet wohl mit britischem Understatement beantwortet: ausreichend.

Aber heute will ja jeder alles ganz genau wissen. Also: Wir fuhren im Jaguar XKR-S Cabriolet 283,6 km/h, ungefähr. Bei einem zweiten Versuch wären die im Prospekt versprochenen vollen 300 locker drinnen gewesen. Der ging sich aber leider nicht aus, weil dann wohl die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten gefährdet gewesen wäre. Das 0-300-0-Abenteuer fand nämlich auf der kurzzeitig gesperrten Startbahn der Naval Air Facility El Centro statt, u. a. Übungs­gelände für Flugzeugträger­landungen der U.S. Navy und winter home of the fabulous U.S. Navy Flight Demonstration Squadron, auch The Blue Angels genannt.

Jaguar XKR-S Cabrio Test

Wir fassen also zusammen, für alle, die es einmal brauchen werden: Das Jaguar XKR-S Cabriolet beschleunigt in 4,4 Sekunden auf Hundert, und auf 2897 Metern Startbahn gehen sich Null auf 300 auf Null aus, wenn man sich die Sache straff einteilt und halbwegs gute Nerven mitbringt. Das ist in seiner Gesamtheit besser als eine F/A-18 Hornet, und zwar auch offen und ohne Schleudersitz. Das beeindruckt sogar Marine-Flieger.

Im täglichen Umgang werden andere Zahlen wichtiger sein. Die eine lautet 18, die ­andere 11,2. Es dauert bloß 18 Sekunden, bis der Himmel freigelegt ist. Bei aufgestelltem Windschott wird man bis 200 km/h nahezu gespenstische Windstille erleben, und selbst in der Gegend des Topspeed bleibt die Frisur – so vorhanden – weitgehend intakt. Man muss beim Gespräch dann vielleicht seine Stimme ein wenig erheben, aber nach unseren Erfahrungen wird normal über 250 km/h eh nimmer so viel geredet im Auto.

Jaguar XKR-S Cabrio Test

Kommen wir nun zu 11,2: Das zeigt der Bordcomputer nach etwa 150 Kilometern bei ungestörten Tempomat 130 – also ein durchaus realistischer Verbrauchswert, mit dem man durch den Alltag kommen könnte, wenn man die 550 PS eher selten zur Arbeit aufruft. Natürlich ist auch jeder nur denkbare Wert darüber möglich, wenn man den Kompressor-V8 regelmäßig entsaftet – was dem XKR-S-Eigner motivationstechnisch allerdings kaum gelingen wird. Denn das Wesen dieses Supersportlers liegt eindeutig im Konjunktiv: Man könnte, ist aber über die Lebensphase hinaus, wo man jedem alles beweisen muss.

Wirklich interessant sind eigentlich nur gelegentliche Kurzsprints, um den wahrlich hammerfetten Sound abzurufen. Das Auspuffsystem ist nicht nur für einen Gutteil der Leistungssteigerung gegenüber dem XKR verantwortlich, es liefert auch die eigentliche ­Legitimation der scharfen Version – ca. acht Prozent mehr Leistung (= 40 PS) und der beim Cabriolet noch seltsamer wirkende Heckspoiler werden es ja wohl nicht sein. Der Soundtrack lässt den XKR-S jedenfalls in jedem Fahr­zustand präsenter und wacher wirken, er bricht sich aber trotzdem nicht grölend und rülpsend wie ein Italo-Hooligan seine Bahn, sondern bleibt immer auf der dezenten Seite. Sehr angenehm insgesamt.

Jaguar XKR-S Cabrio Test

Ähnliches gilt für das subtil modifizierte Fahrwerk: Ein bissl tiefer, ein bissl härter, weniger Wankneigung in den Kurven, Feinarbeit am aktiven Differenzial und der dynamischen Stabilitätskontrolle. Nichts Weltbewegendes also, und tatsächlich hält uns der XKR-S weit entfernt von den Härten des Lebens am Planeten Supersport. Man beschränkte sich auf eine für Jaguar ungewohnt direkte Ansprache von Lenkung und Fahrwerk. Die britischen Ingenieure können also auch Deutsch, wenn sie sich nur ein wenig Mühe geben. Alles wirkt so schlüssig und rund, dass eigentlich nur die Frage bleibt: Warum fahren sich – zumindest in Europa – nicht alle Jaguars so?

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