Vorstellung: Jaguar XFR und XKR

Tierisches aus Coventry: Ein 510-PS-Kompressor-V8 für die vehemente Upper-Class.

01.04.2009 Autorevue Magazin

Kurzer Überblick angesichts des Jubiläums:

Vor genau einem Jahr verkaufte Ford seine britischen Edel-Divisionen Jaguar und Land Rover für 2,3 Milliarden Dollar an die indische Tata-Gruppe. Atmosphärisch hatte das Königreich daran durchaus zu knabbern – die Wiener Phil harmoniker an ein ungarisches Czárdás-Label zu verhökern, würde hierzulande auch nicht gerade gut ankommen. Jaguar scheint der Wechsel jedoch ganz gut zu tun: 2008 bescherte der Marke ein Absatzplus von acht Prozent (bei nicht genannten Ertragszahlen). Entwicklung, Design, Strategie, kurzum die Zukunft der Marke, werden weiterhin in Whitley, Coventry, bestimmt, was dem Modell-Portfolio folgenden Ausblick beschert: Der mit Ex-Besitzer Ford technisch eng verzahnte X-Type wird vorerst weitergebaut, im Herbst kommt mit dem XJ-Nachfolger die erste Novität seit der Übernahme, bis dahin verpasst sich Jaguar einen veritablen Image-Boost mittels einer V8-Kompressor-Wumme mit 510 PS.

Die kommt als R-Version der Limousine XF sowie XK Coupé und Cabrio zugute, Erstere spielt als XFR und dank sehenswerter Vitaldaten (0–100 km/h in 4,9 Sec, 625 Nm) ab sofort in der Liga eines BMW M5 (4,7 Sec, 520 Nm) oder des gerade auslaufenden Mercedes E 63 AMG (4,5 Sec, 630 Nm). 94 PS Leistungssteigerung gegenüber dem Vorgänger mit 4,2 l Hubraum sind naturgemäß kein kleiner Engine-Swap: Neuer Hochdruck-Gussblock, eine Kurbelwelle mit acht Gegenwichten, Leichtbaukolben sowie ein effizienterer Kompressor mit neu gestaltetem Lufteinlass sind die wesentlichen Merkmale des 5-Liter-Benzindirekteinspritzers. Eine komplette Eigenentwicklung, übrigens – und die ist eine von grandiosem Charakter: Bereits ab 2500 Touren fällt das Drehmomentmax über die Kurbelwelle her und lässt bis 5500 REVs nicht locker, was dem XFR im Vergleich zum M5-Hochorgler oder zur Brachial-Attitüde eines E63 AMG einen harmonisch-energetischen Antritt beschert. Eine nachjustierte 6-Gang-Automatik von ZF ist aufgerufen, die Kraft auseinanderzudividieren. In der Normal-Stufe macht sie den XFR zu einem gravitätischen Day-to-day-Car, „Sport“ lässt die Drehzahlnadel fliegen, wer in die Schaltpaddles greift, findet direkten, verzögerungsfreien Kraftschluss. Sinnbefreit hochgezwirbelter Driftkönig ist der XFR dennoch keiner.

Ein neues, elektronisch gesteuertes Hinterachsdifferenzial baut effizient mechanischen Grip auf und besorgt der Doping-Limousine auch aus engen Kurven heraus satisfaktionsfähige Traktion. (Wenngleich die 1,9 Tonnen Gewicht doch etwas am Handling nagen.) Wer’s übertreibt, hat ein prompt, aber verständnisvoll eingreifendes ESP zur Seite, wer’s braucht, aktiviert „TracDSC“ und darf das Heck kontrolliert in Szene setzen. Verschärftes Crescendo aus der Auspuff-Sektion inklusive.
Egal in welcher Agilitäts-Stufe: Komfort bleibt im XFR immer der Souverän. Zwar sind die Kennlinien der adaptiven Dämpfer gen Sport programmiert, unwürdige Härte wird dennoch nicht in Richtung des 16-fach elektrisch verstellbaren Fahrersitzes gesendet. Hier bleibt der Jaguar trotz diverser Alu-Applikationen ganz bei sich, nämlich edel, rauledertapeziert, gediegen. Ähnliches gilt für XKR Coupé und Cabrio. Beide profitieren ebenfalls von adaptiven Dämpfern, aktivem Differenzial und markanterer R-Optik. Dass der 5,0-l-V8 dank des kürzeren Radstandes etwas spitzer, agiler über die XKs hereinfällt, sei als kleiner Vorteil vermerkt, dass es im Cabrio dank Stoffdach in exakt 18 Sekunden Frühling wird, ebenso.

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