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Ionity: Deutschland, einig Stromerland

Daimler, BMW, Audi, Porsche und Ford haben gemeinsam „Ionity“ gegründet um bis 2020 insgesamt 400 Schnellladestationen zu bauen. Die ersten 100 sollen schon 2018 stehen.

Online Redaktion
Veröffentlicht am 06.11.2017

Europa hat seine nächste Wiedervereinigung: Daimler, BMW, Audi, Porsche und Ford haben gemeinsam „Ionity“ gegründet. Das Fantasiewort klingt nicht zufällig nach „Unity“, also Einheit. Unter diesem Label sollen bis 2020 insgesamt 400 Schnellladestationen mit jeweils mehreren Ladepunkte aufgestellt werden.

Aus Unity wird Ionity

Der Zeitplan liest sich ambitioniert, angesichts der Wirtschaftspower die dahinter steckt aber nicht unrealistisch. Noch heuer sollen die ersten zwanzig Stationen aufgestellt werden. Anfang 2018 will Ionity bereits 50 Mitarbeiter beschäftigen, die in ihrem ersten Jahr bereits mehr als 100 Schnellladestationen aufgebaut haben sollen. Derzeit ist vorgesehen, die Ladestellen an den zentralen Verkehrsadern von Norwegen, Deutschland und Österreich zu errichten.

© Bild: Ionity
Ein Konsortium, das an der Ladeinfrastruktur arbeitet.

Die Planungen sehen vor, dass zwischen den Ladestationen ein Abstand von rund 120 Kilometern liegen soll. Damit Fahrer die Autobahn nicht verlassen müssen, gibt es Partnerschaften mit Tank & Rast, Circle K und OMV. Die nächste Generation der Elektrofahrzeuge soll dank moderner Akkutechnologie rund 500 Kilometer Reichweite bieten. Pikant an den Plänen ist, dass an den geplanten Stationen Tesla-Modelle theoretisch nicht geladen werden können.

Doppelt so schnell wie Tesla

Daimler, BMW, Audi, Porsche und Ford haben sich auf den Standard CCS (Combined Charging System) geeinigt. Diese Schnellladestationen sollen mit bis zu 350 kW laden können. Tesla-Stationen können „lediglich“ 145 kW abgeben. In der Praxis existieren allerdings entsprechende Adapter, die es Tesla-Fahrern erlauben, ihre Modelle an CCS-Stationen zu laden. Interessant ist allerdings, dass diese Ladeleistung im Moment noch gar nicht benötigt wird. Die Elektroautos von VW, Opel und BMW können lediglich 40 bzw. 50 kW aufnehmen. Die Mercedes EQ Modelle sollen bis zu 150 kW verkraften.

© Bild: Justin Sullivan / Getty Images Staff

Ionity setzt vor allem sehr etablierte Anbieter in der Elektromobilität unter Druck. Renault und Nissan, aber auch Peugeot und Citroën setzen auf den Chademo-Standard, da dieser in Japan stark verbreitet ist (dort bieten auch VW und BMW ihre Elektroautos mit Chademo-Standard an). Diese Hersteller müssten jetzt auf CCS umrüsten, einen Adapter anbieten oder sich gleich dem Konsortium anschließen.

Das Lade-Mosaik

An Ionity sind alle Unternehmen zu jeweils einem Viertel beteiligt. Sitz ist in München, wo auch die besagten 50 Angestellten arbeiten werden. Zur Höhe der Investitionen schwiegen sich Daimler, BMW, Ford und VW (inklusive der Tochtergesellschaften Audi und Porsche) aus. Allerdings wird die Summe auf einen hohen dreistelligen Millionenbetrag geschätzt. Die deutsche Bundesregierung hat außerdem eine Subvention von 300 Millionen Euro für den Ausbau der Ladeinfrastruktur bereitgestellt – freilich für alle Maßnahmen, nicht nur für Ionity.

Denn Das Konsortium ist nur ein Stein des Infrastruktur-Mosaiks. Für das Jahr 2020 werden 7.100 Schnellladestationen und 70.000 Normalladepunkten benötigt, rechnet die „Nationale Plattform Elektromobilität“ vor. Da eine Normalladestation üblicherweise zwei Ladepunkte hat, müssen zusätzlich zu den 7.100 Schnellladestationen 35.000 Normalladestationen errichtet sein. Derzeit gibt es – ohne die Bemühungen von Ionity – 11.000 Ladepunkte. Daimler und BMW sind zusätzlich noch an einem Projekt der amerikanischen Firma ChargePoint beteiligt. Neben den Autoherstellern arbeiten auch die Energieanbieter EnBW (Deutschland), Engie (Frankreich) und Innogy (RWE-Tocher, Deutschland) an entsprechenden Stationen.


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