Infiniti Q50 2.2d Diesel in rot, seitlich
Infiniti will auf dem europäischen Markt mitspielen
 

Testbericht: Infiniti Q50 2.2d

Mit weltmeisterlicher Unterstützung

20.10.2013 Press Inform

Mit dem Infiniti Q50 will sich Infiniti auch in Europa endlich von dem Nischen-Dasein lösen. Die Mittelklasse Limousine wurde eigens für den europäischen Markt entwickelt. Doch gerade in diesem Segment ist die Luft für nicht-teutonische Autos besonders dünn.

Infiniti Q50, eine Revolution?

Besucht man die Infiniti Q50-Seite im Internet, stößt man auf Atemberaubendes. Der Slogan lautet „Eine Revolution, an der Sie beteiligt waren.“ Warum hier das Präteritum gewählt wurde, bleibt wohl immer das Geheimnis der Marketing-Strategen. Nichtsdestotrotz ist die Aussage selbst im superlativ-reichen Automobil-Geschäft eine Ansage: Manche waren vielleicht bei der friedlichen Revolution im Herbst 1989 dabei, die zur Öffnung der Mauer führte. Aber ein Auto? Wir werden sehen. Immerhin ist der Q50 der erste Infiniti, der für den europäischen Markt entwickelt wurde.

Infiniti Q50 2.2d Diesel, innen

Innen ist alles ganz in Ordnung

Mehr Evolution

Beim Anblick der 4,79 Meter langen Mittelklasse-Limousine werden zumindest keine revolutionären Gedanken befeuert, eher schon evolutionäre. Wenn auch durchaus ansehnliche. Das Design orientiert sich an der schicken Sportwagen-Studie Essence Concept und ist gleichzeitig eine gelungene Weiterentwicklung des ziemlich barocken Vorgängers G37. Eine gelungene Optik ist auch nötig, denn anders als in den USA führt Nissans-Premium-Tochter in Deutschland ein Nischen-Dasein.

Weltmeisterliche Unterstützung

Von den 3,08 Millionen PKWs, die in Deutschland im letzten Jahr neu zugelassen wurden, entfielen auf Infiniti gerade einmal 733 Stück. Dass die japanische Premium-Marke Gas geben will, sieht man an jedem Formel-1-Wochenende, wenn das Markenlogo prominent auf Sebastian Vettels Renn-Overall prangt. Die Unterstützung ist also schon mal weltmeisterlich. Jetzt muss nur noch das Fahrzeug dieses Versprechen einlösen.

Infiniti Q50 2.2d Diesel in rot, von vorne

Die Revolution bleibt dann doch eher aus

Fahrprogramme

Technisch bietet der Q50 einiges. Darunter die adaptive DAS-Lenkung (Direct Adaptive Steering), bei der die Lenkwelle durch ein Kabel ersetzt wird, das die Steuerbefehle überträgt. Bei der Einstellung der Lenkung hilft der Fahrerlebnis-Schalter in der Mittelkonsole: Mit ihm wählt man eines von mehreren Programmen, das auch Auswirkungen auf die Gasannahme und die Schaltung hat. Die Spannbreite reicht von Sport über Standard bis hin zu Schnee.

Individuelle Vorlieben

Wem das nicht genügt, kann sich die Steuerung mit bis zu 96 Einstellungen auch selbst konfigurieren und das Resultat unter „Individual“ abspeichern. In der Praxis wählt man ein Fahrprogramm und kommt damit sehr klar. Beim Diesel ist „Sport“ die beste Wahl. Dann ist die Lenkung ziemlich direkt und so lässt sich der 1,75 Tonnen schwere Diesel-Infiniti in kurvenreichen Strecken gut dirigieren. Ein bisschen fehlt allerdings die Rückmeldung bezüglich des Fahrbahnbelags. Wer es etwas komfortabler will, nimmt einfach “Standard“. Das passt bei der Autobahn ganz gut.

Infiniti Q50 2.2d Diesel in rot, von der Seite

Technisch überzeugt der Infiniti Q50

Fly-by-Wire-Steuerung

Durch den Heckantrieb geht der Infiniti Q50 auch ganz flott durch die Kurven und verschont den Fahrer mit Lenkeinflüssen. Das ist ein großes Plus der neuartigen Fly-by-Wire-Steuerung. Selbst bei schlechten Straßen bleibt die Lenkung stabil. Ist das Heck zu vorwitzig, greift das ESP ein.

Unterschiede zum Hybrid-Modell

Beim Hybrid-Modell mit 3,5-Liter-V6-Motor und Allradantrieb schaut die Sache auch aufgrund der Batterie schon ein klein wenig anders aus. Einer Untersteuer-Neigung folgt bei Lastwechselreaktionen ein Schwenk des Hinterteils, der von der Stabilitätskontrolle sofort unterbunden wird.

Infiniti Q50 Hybrid, in silber

Unterschiede gibt es bei Hybrid-Vatiante bei der Stabilitätskontrolle

Die Motorleistung

Zurück zum Selbstzünder. Der macht nämlich im Zusammenspiel mit der Siebengang-Automatik eine gute Figur, auch wenn er bei niedrigen Drehzahlen präsenter ist, als bei Autobahn-Tempo. Dort ist der Q50 im Innenraum recht leise und der Motor wird von den Windgeräuschen übertönt. Die Ruhe liegt vermutlich auch an dem guten cW-Wert von 0,26. Mit 6,8 l/100 km ist der Spritverbrauch durchaus im Rahmen, obwohl er deutlich über dem angegebenen Wert von 4,4 l/100 km liegt. Zumal der Diesel nicht mit seinen 170-PS-Reizen geizt: In 8,7 Sekunden ist die 100-km/h-Marke erreicht und die Tacho-Nadel hört erst bei 231 km/h auf, sich im Uhrzeigersinn zu bewegen. Um aus den Kurven herauszukommen, hilft ein Drehmoment von 400 Newtonmetern.

Und Innen

Die Sitzposition vorne ist relativ hoch. Das hilft zwar bei der Übersicht, aber ab einer Größe von 1,93 Metern wird es um den Kopf herum eng. Das Cockpit mit dem Touch-Navi-Screen, dem Touch-Pad und den Apps macht erfolgreich einen auf Tablet-PC. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit kommt man damit sehr schnell klar. Das Interieur ist japanisch nüchtern mit unterschäumten Flächen und ein paar Holzapplikationen. Alles ganz in Ordnung.

Infiniti Q50 2.2d Diesel in rot, von vorne

Punkten kann der Q50 mit der Fly-by-Wire-Steuerung

Was nicht so gefällt

Nur die Druckknöpfe links und rechts des Navigationssystems könnten ein bisschen hochwertiger sein. Hinten ist ausreichend Platz. Etwas mehr dürfte es bei einem 4,79-Meter-Auto schon sein. Das Gleiche gilt für den Kofferraum. Der fasst beim Diesel 500 Liter, hat aber eine hohe Ladekante und ist so verwinkelt, dass es mit großem Gepäck eng werden könnte. Beim Hybrid-Modell sind es noch einmal 100 Liter weniger.

Der Preis

Bleibt zum Schluss nur noch der Preis. Das Diesel-Einstiegsmodell mit manueller Sechsgangschaltung kostet 34.350 Euro. Für die Automatik-Version legt man noch 2.190 Euro drauf. Will man den Infiniti Q50 mit einigen Extras wie LED-Licht oder den klassenüblichen Assistenzsystemen vollpacken, knackt sich der Endpreis schnell die 40.000-Euro-Marke. Angesichts des Gebotenen immer noch akzeptabel. Kann also durchaus sein, dass Infiniti bei der nächsten Zulassungs-Jahresbilanz deutlich besser abschneidet.

Vielen Dank an die Kollegen von press-inform.de

Mit unserem Autopreisrechner alle Preise für Neu- und Gebrauchtwagen gratis berechnen!
Mehr zum Thema