Infiniti M30d Exterieur Dynamisch Front
Lebensaufbesserung in einer 5-Meter-Limousine mit Vollausstattung.
 

Testbericht: Infiniti M30

Lange angekündigte Option zur Lebensaufbesserung: Das riecht nach Überraschung.

28.03.2011 Autorevue Magazin

Mit dem namensgebenden ­Unendlichkeitsanspruch hätte man Witze machen können, was die ewigen Ankündigungen des Marktstarts von ­Nissans Premiummarke in Westeuropa anlangt. Keiner kennt das Logo, das am Kühler dieser Limousine mit dem ­Modell-Namen M prangt. Auch wenn man Infiniti dazusagt, tut sich assoziativ in den Zuhörerhirnen kaum ­etwas. Erst ein längerer Exkurs führt zum ersehnten Kopf­nicken.

Das verhältnismäßig mutig modellierte Äußere, das die Moderne im Anleihe-Prinzip zitiert, tut aber schon ihre Wirkung. Auf knapp fünf ­Meter Länge verhilft sie dem M zu genau der optischen Präsenz, die man sich als Besitzer eines Autos wie diesem auch wünschen wird. Und die Fragen bleiben ja ohnehin nicht aus. Zweifellos gehobene Preisklasse, knapp 67.000 Euro, das wollen die meisten als Erstes wissen, da ist aber schon alles dabei, vom Leder über Navi über die Bose-Anlage über die ganzen feinen Assistenzsysteme, die auf Fahrvolk im toten ­Winkel und unachtsames Ausscheren aus der Spur aufmerksam machen (nur ­unter anderem).

Das Gespräch kann dabei beliebig verlängert werden, für den Fall, dass man einen Fünfer- oder E-Klasse-Fahrer blass werden lassen will. Weil das Navigationssystem sämt­liche Michelin-Guides aus­wendig kann (leider wird für Österreich keiner mehr ­herausgegeben, wir spielen da nicht mehr mit am großen Gourmet-Sterne-Parkett), es weiters eine Festplatte mit 10 GB Speicherplatz gibt ­(Musik, Musik, Musik!) und man DVDs abspielen kann, die Rückfahrkamera einem das Einparken erleichtert (so das Kameraauge nicht ­winterlich verdreckt ist) und man – apropos Winter – sogar
das Lenkrad beheizen kann.

Und alles spielt sich im Rahmen der GT-Premium-Ausstattung ab. Der M fühlt sich auch von innen heraus bedeutsam an. Gravitätisch in der Bewegung. Wiegt immerhin an die 1,9 Tonnen. Das üppige Können ist dabei allgegenwärtig. Die vielen Tasten und Knöpfe, die per Stufe in der Mittelkonsole an den Fahrer nachgerade herangetragen werden. Auch: Wurzelholz, Weißesche in unserem Fall, im Zusammenspiel mit Silberstaubfarbe, eine leichte Aura von automobilem Spätbarock verbreitend. Überhaupt deutlich viel Materialqualität. Und dabei: so leise! Der 3-Liter-Diesel (ein V6 mit 238 PS) ist akustisch praktisch ganz abwesend, was dem Fahrtwind eine fast ungebührliche Präsenz beschert.

Das Fahrwerk hat eine sportliche Note, ist straff ge­federt, ein wenig ungeschmeidig um Umgang mit harten Schlägen. Die Allradlenkung verkürzt im Fahrmodus „Sport“ („Normal“ und „Comfort“ gibt’s auch) die Länge des heckgetriebenen M um ein ­gutes Stück und macht ihn im Kurvenlauf deutlich agiler. Auch die Lenkung ist angenehm direkt, und die 7-Gang-Automatik reagiert aufmerksam.

Von stringenter Sportlichkeit im westeuropäischen Sinn kann beim M dann aber doch nicht wirklich die Rede sein. Die Betonung liegt eher auf dem klassischen Limousinen­bekenntnis, das angenehme Platzverhältnissen im Fond ­bereithält und auch beim Kofferraum nicht am klassenüblichen Maß vorbeizielt. Sich von atmosphärischen Zusatz­leistungen wie einer von der Klimaanlage gereinigten und künstlich auf Waldduft getrimmten Atemluft (ah, ein Hauch von Ozon!) einen Podestplatz zu versprechen, wäre auch vermessen. Das ist ein netter Gag (den man aber nicht wirklich braucht). Gegen die deutschen Luxus-Korps wird man damit wenig ausrichten.

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