Infiniti M 35h Exterieur dynamisch Front
Starthilfe: ein souverän wirkendes Hybrid-Konzept.
 

Vorstellung: Infiniti M

Eine neue Marke versteht sich als japanischer BMW.

07.10.2010 Autorevue Magazin

Heutzutage gehört einiges Herz dazu, eine Luxusmarke in Europa zu etablieren, noch dazu eine japanische Luxusmarke, findet doch Lexus bei uns selbst nach über 15 Jahren noch immer hart an der Wahrnehmungsgrenze statt. Also: Wer ist Infiniti, und was wollen die überhaupt?

In den Achtzigerjahren ­etablierten die drei großen ­Japaner Luxusmarken auf dem amerikanischen Markt, um den Rendite-Rahm besser abschöpfen zu können. Toyota machte mit Lexus den Anfang, es folgten Acura (Honda) und eben Infiniti als Nissan-Ableger.

Aus heutiger Sicht verdient die erste Generation ohne ­Ausnahme eine Freikarte ins Gruselkabinett der Automobilgeschichte. Den Anfang machten mit Chromzierrat und Holz­imitat-Applikationen aufgewertete Nissan-Modelle, die man sich vorher nicht außerhalb Japans verkaufen getraut hatte. Auf dermaßen aufge­dönerte Massenware warteten nicht einmal die Amerikaner, um die Jahrtausendwende stand die junge Marke vor dem Aus.

Aber Lexus fuhr auf dem US-Markt inzwischen fantastische Renditen ein, also wagte man einen letzten Rettungsversuch. Nissan-Chef Carlos Ghosn, um große Worte nie verlegen, kreierte das Bild vom japanischen BMW, und mit hohem Entwicklungsaufwand ging es tatsächlich Richtung Sonnenaufgang: Alle folgenden Modelle erhielten eine ­betont dynamische Fahrwerk-Charakteristik (Vorsicht, wir reden hier in US-Wahrnehmung), beim Design kamen die Infinitis nun schärfer geschnitten und deutlich offensiver daher als Lexus. Den endgültigen Durchbruch brachte der 2003 vorgestellte FX, ein atemberaubendes Ding damals. War es doch das erste Mal, dass so was wie sexy SUV-­Design gelang, das Thema der coupéhaften Dachlinie nahm der FX vier Jahre vor dem X6 vorweg. Der Infiniti-Erfolg der nächsten Jahre trug jedenfalls ordentlich zur schnellen Gesundung Nissans bei.

In Sachen Europa-Start wurde lange gezaudert, zuerst bediente man logischerweise die erfolgversprechenden Märkte wie Osteuropa oder Großbritannien. Aber jetzt, wo endlich die Dieselversionen lieferbar sein werden (V6 mit 238 PS, bekannt aus diversen Renault-Modellen), wird es auch bei uns ernst. Vorläufig noch mittels eines Showrooms an der Wiener Ringstraße, Anfang 2011 soll dann der erste Händlerbetrieb im südlichen Wiener Speckgürtel fertig sein, und dort will man mit der Marke schließlich hin, mitten ins pralle Leben.

Den Anfang macht bewährte Ware, nämlich das G-Modell, entweder als Komfort­variante des Nissan Z-Coupés oder als Limousine zu haben (siehe Test Seite 57). Für Letztere gilt: mehr Leistung, mehr Länge, mehr Luxus für nur knapp ­weniger Geld als bei einem vergleichbaren Dreier-BMW.
Die M-Reihe, das frischeste Modell von Infiniti, parkt in den Abmessungen zwischen Fünfer und Siebener ein, der Preis von 54.800 Euro für den 320-PS-V6 klingt nicht gerade nach einem Hollodero-Schnäppchen, aber wer schon einmal einen Fünfer fertig konfiguriert hat, ahnt, dass sich am Ende wohl doch einiges sparen lässt.

Und das Ding kann sich durchaus sehen lassen: Die neue Design-Linie schwelgt in Muskeln, Sicken und Kanten. Der Infiniti-Designer spricht von einer Raubkatze im Sprung, ganz so weit würden wir vielleicht nicht gehen. Aber immerhin zeigt der M deutlich mehr Premium-Flagge als ­Lexus, und das ist gut so. Weil wenn man schon einen Exoten fährt, dann will man doch ­wenigstens auffallen, oder?

Für den Innenraum gilt Ähnliches: Das gesamte Cockpit macht die große Welle, vom Armaturenbrett bis zur Ledernaht. Auch hier wieder ein Zwischenruf vom Designer: Bei den Gang-Shift-Hebeln am Lenkrad ließ man sich von grünem Spargel inspirieren – das wollen wir jetzt ein wenig wirken lassen.

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