Infiniti EX30d dyn vorne
 

Testbericht: Infiniti EX30

Zeigt, was wir nicht vermissten, weil wir nicht wussten, dass es das gibt.

16.12.2010 Online Redaktion

Sie tropft ins Straßenbild. Fließt langsam, aber stetig in den Verkehr. Die Marke Infiniti. Bislang nur ein vager Schatten in den Köpfen potenzieller Kunden. Doch bald wird man sagen: „Den Namen kenne ich doch.“ Die sportliche Coupé-Silhouette, die das gesamte Portfolio zeichnet, wird sich in die Köpfe geschlichen haben. Und irgendwann, wenn der Mutterkonzern Nissan richtig viel Geld ins Marketing investiert hat, wird jeder das Logo kennen und nicht mehr denken: „He, bei dem Toyota-­Emblem ist ja die untere Hälfte abgesplittert.“ Und dann geht es los.

Im besten Fall mit dem EX30d. Infiniti selbst attestiert sich sportliche Ambitionen. Wegen der Optik, des heck­lastigen Allradantriebs, der umfangreichen Ausstattung und der potenten Motoren. Die letzten beiden Punkte sind kein Wunder – bei so geringen Stückzahlen (2010 sollen in ganz Europa 5000 Stück verkauft werden) geht sich rechnerisch kein weitgefächertes Motoren- und Zubehörprogramm wie bei der deutschen Premiumkonkurrenz aus. Konkurrenz, gutes Stichwort. Denn eigentlich steht der EX30d recht einsam auf weiter Flur. Stellt er doch eine optisch aufreizend gute Mischung aus tiefergelegtem SUV, Coupé und Kombi dar. In keines dieser Segmente passt er wirklich rein. Uneigentlich und humorlos sind die direkten Gegner deutsche Premiumkombis. ­Allen voran BMW und Audi – wegen des sportlichen Touchs. Schlecht für Infiniti, neben ­denen wirkt der Laderaum des EX30d GT nämlich geradezu winzig.

Dafür wird Smartes geboten. Per Knopf im Kofferraum lässt sich die Rückbank umlegen. Und auch wieder aufstellen. Letzteres geht aber auch per Hebelchen in der Mittelkonsole. Vom Fahrersitz aus also, ganz ohne auszusteigen. Wie kam man bisher nur ohne dieses Gimmick aus?

Und diese Kunst beherrscht Infiniti. Dieses überraschende Element. Außen die kecke Form, innen das omnipräsente Gefühl, anders zu sein. Das geht los bei der Analoguhr und hört bei der Oldschool-Optik der Holzapplikationen auf. So könnte ein Auto aussehen, hätte man Manufaktum nach ihren Ideen gefragt.

Obwohl die vielleicht zu schlicht wären. Infiniti heißt auch: Ausstattung bis zum Gehtundwillnichtmehr. Intelligente Geschwindigkeitsregelung, Abstandswarner, Spurhalteassistent. Letzterer reguliert per ESP-Eingriff sogar sanft die Lenkung. Piepst aber vorher. Der Abstandswarner auch. Im Stadtverkehr kann einem diese Fürsorglichkeit schnell den Nerv ziehen – egal, beides deaktivierbar. Das dank solider und erprobter Nissan-Technik auch einfach und ­intuitiv.
Das Thema Dynamik ist bei Infiniti so eine Sache. 238 PS, 550 Newtonmeter und Allradantrieb komprimieren die ­Realität bis zur Unkenntlichkeit. Gelassenheit durch Power. Die geschwindigkeitsabhängige Lenkung hinkt diesen Ansprüchen aber hinterher. Das können die Deutschen direkter und präziser. Rückmeldung von der Straße? Gleich null. Ist bei einem Dieselkombi aber auch nicht kriegsentscheidend.

Prinzipiell ist der Infiniti als Hecktriebler unterwegs. Der Allrad arbeitet nur an allen vier Rädern, wenn Bedarf entsteht. Ob Bedarf besteht, entscheidet die Elektronik. Das alles jenseits der Wahrnehmung und sehr komfortabel. Amerikanisches Schaukeln? Fehlanzeige. So klappt’s auch in Europa.

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