Autos sollen die Tankrechnung in Zukunft gleich selber zahlen

Geht es nach IBM und Visa, soll man bald mit einer Vielzahl vernetzter Maschinen und Geräte bezahlen können – beispielsweise mit dem Auto.

17.02.2017 APA

IBM und Visa planen eine Revolution im Bezahlwesen. Künftig soll das Einkaufen und Geldausgeben mit einer Vielzahl vernetzter Geräte und Maschinen möglich sein – ob Auto, Armbanduhr, Kühlschrank oder Turnschuh. Die zwei US-Konzerne machten ihr Vorhaben am Donnerstag bei der offiziellen Eröffnung des neuen IBM “Watson”-Forschungszentrums in München publik.

Autos sollen Tankrechnung selbst bezahlen

Unternehmen, die IBM-Technik zur Vernetzung von Geräten und Computern nutzen, sollen auch die Visa-Bezahltechnologie einbauen können. Nach Vorstellung der zwei Unternehmen könnten Autos künftig an der Tankstelle auch gleich die Rechnung bezahlen. Ein Turnschuh mit digitalem Sensor und verschlissener Sohle könnte seinen Besitzer daran erinnern, sich ein neues Modell zuzulegen.

Vernetzung ist alles

Der Hintergrund: IBM konkurriert mit Google, General Electric und anderen Wettbewerbern um die technologische Spitze bei der Vernetzung von Maschinen und Internet. IBM-Vizeforschungschef John Kelly schätzte bei der Konferenz vor etwa 1.000 Zuhörern, dass es bis 2020 30 Milliarden vernetzte Geräte und Maschinen auf der Welt geben wird, die Daten senden und empfangen können. Bisher sind es nach übereinstimmenden Schätzungen noch unter zehn Milliarden.

Internet der Dinge

Schlagwort für diese vernetzten Maschinen ist das Internet of Things (IoT, Internet der Dinge). “Der Großteil der Daten wird bisher aber wenig oder gar nicht genutzt”, sagte IBM-Vizeforschungschef Kelly. Im Münchner Watson-Forschungszentrum sollen künftig Daten intelligent ausgewertet und Lösungen für das Internet der Dinge entwickelt werden. IBM konzentriert dort seine bisher international verteilten weltweiten Forschungsaktivitäten im IoT-Bereich. In dem Zentrum sollen im Endausbau 1.000 IT-Spezialisten arbeiten. IBM-Kunden wie BMW schicken eigene Ingenieure in gemeinsame Entwicklungsteams.

“An einem Wendepunkt angekommen”

“Wir sind an einem Wendepunkt angekommen”, sagte Harriet Green, die Chefin des “Watson”-Geschäftsbereichs. Entsprechend der ehrgeizigen Pläne hatte IBM zu der Eröffnungsfeier Manager mehrerer hundert Unternehmen eingeladen, darunter etliche Multis. “Hier sind 22 Unternehmen mit 6,5 Millionen Mitarbeitern und 1,3 Billionen Dollar Umsatz vertreten”, sagte Green.

“Unendliche Möglichkeiten”

Eine enge Kooperation mit IBM kündigte am Donnerstag auch Bosch an. Ein häufig genanntes Beispiel für das Internet der Dinge ist die Gebäudetechnik. Über die Verbindung mit dem Internet könne etwa die Fußbodenheizung Zugang zur Wettervorhersage haben und sich bei steigenden Temperaturen automatisch herunterregeln, sagte Rainer Kallenbach, Chef der Bosch Software-Entwicklung. “Die Möglichkeiten sind unendlich.”

Französische Bahn beispielhaft

Ein weiteres Beispiel liefert die französische Bahn SNCF: Das Staatsunternehmen rüstet Züge und 30.000 Kilometer Gleise mit Sensoren aus, die Daten für die Wartung senden. Das ermöglicht den Ingenieuren in den Reparaturwerkstätten, frühzeitig Probleme zu erkennen und Ersatzteile zu bestellen, noch bevor ein Defekt auftritt. “Die Wartungszyklen sind schneller und kürzer als in der Vergangenheit”, sagte SNCF-Technikchef Raphael Viard bei der Veranstaltung.

Mehr zum Thema
pixel