Hyundai Veloster stat vore
Voilà: le Veloster. Das erschwingliche, neidhaltige Coupé.
 

Testbericht: Hyundai Veloster

Das erschwingliche, neidhaltige Coupé ist zurück.

07.10.2011 Autorevue Magazin

Veloster? Heißt alles und nichts, aber solange uns auch nichts Besseres einfällt als dem Advanster-Autonamen-Brandster 3.0, gibt es nichts zu motzen. Denn das Auto hält, was der Name verspricht: Ein Ding zur Zeit, cool, aber mit Attitüde, lebensfroh, technisch sauber und ein bisschen frech mit Mayo.

Hyundai hat von (Tochterkonzern) Kia gelernt; plötzlich argwöhnt auch Koreaner Nummer 1, dass im Design eine ­gewisse Marktmacht stecken könnte. Denn siehe da: Aus den Ellbogenablagefenstern der Cupras, der Leons, der ­Propolos und der Flache-Sitzkissen-Dönerbomber flappen die Kappenschirme rechtwinkelig weg, eh klar. Doch selbst nachhaltig geförderte Kinder und deren pädagogisch korrekte Väter verzappeln sich beim Weiße-Zebrastreifen-Hüpfen, sobald der Veloster sein schönböses Hexagon-Haupt in ­Betrachtungsnähe schiebt.

Hier werden alte Instinkte neu erweckt, es geht um das zügige Vornedabeisein, um Performance im Showbereich, Cruising Downtown, Racing Upstate und was das Leben noch hergibt an neuen Abenteuern im Längsbereich.

Der Motor ist kein Hau­drauf, stimmt, aber 140 PS ­waren einst der Hammer, und es nahen die Tage, da wir in gewisser Weise erleichtert sind, wenn wir nicht ständig mit 260 PS plus dealen müssen, sondern staunen, was sich aus relativ umgänglichen 140 PS an den Vorderrädern alles ­machen lässt. Zumal sie nach modernsten Richtlinien elektronisch kontrolliert werden, von ESP abwärts. Allerdings klingt der brave 1600er ein wenig angestrengt, schließlich erreicht er sein bestes Drehmoment erst knapp vor 5000 Touren. (Aber keine Sorge. Der 175- PS-Benzinturbo folgt im kommenden Jahr.)

Sonst imponiert der Veloster in allen Situationen; er ist ­wendig und alert, frei von ­Verkorkstheiten und a good sports, wie man sagt. Dass das Fahrwerk manche Querrille akustisch durchreicht, stört hier wenig. Das Entwicklungszentrum Rüsselsheim hat den europäischen Ansprüchen verlässlich zugearbeitet.

Damit könnte man schon zufrieden sein, und tatsächlich könnte die Tür Nummer drei des originellen Raumkonzeptes vernachlässigt werden, wäre sie nicht so unglaublich praktisch für den kleinen Einkauf. Alles, was stört, wird per rechtsseitiger Hintertür auf den Rücksitz geschlenzt, nur beim persönlichen Einsteigen muss man behutsam sein, denn der Platz ist begrenzt. Dennoch – dass die Hemmschwelle einer Klappvordersitzlehne wegfällt, schafft ein ganz neues Fondgefühl. Nur genauen Beobachtern fällt dann noch auf, dass die gesamte B-Säule rechts weiter vorn ist als links. Wir haben es also mit dem total asymmetrischen Auto zu tun.

Das größere Gepäck findet unter der Heckklappe Platz, die sich so weit nach vorn zieht, dass per Icon vor Kopfschlägen gewarnt wird, sollte der Fondpassagierkopf zu hoch aufragen. Tatsächlich fühlt man sich in diesem Bereich ziemlich beengt, auch wenn Seitenfenster (rechts absenkbar) und Heckfenster lichtvoll einwirken. Dazu hilft es, wenn das Panorama-Schiebedach als Option gewählt wurde, mit Solid Sky-Abdeckung gegen allzu viel Helligkeit.

Die Fahrersitzposition ist trotz Höhenverstellmecha­nismus erfreulich tief wie möglich, da ist der Ellbogen-Anstellwinkel wirklich spek­takulär. Die Kopfstütze ragt entsprechend extremer Sitz­lehnenneigung weit nach vor; eine seltene, hier sehr ­geschätzte Freude. Das Lenkrad lässt sich weit ins Fahrzeug ­hineinziehen; ein Gurtreicher sorgt für angewandte Lässigkeit bei den Startvorbereitungen. Schön, wie das Kniepad der Mittelkonsole entgegenkommt, praktisch sind Ablagen, No-Nonsense-Cupholder und eine tiefe Mittelkonsole. Die gesamte Transformer-­Grafik der gut bedienbaren Konsolenvertikale zielt hinab auf den Startknopf; wer sich eine Rückfahrkamera geleistet hat, sieht die Welt mit neuen Augen. Ideal beim Rückwärts-Rausschieben aus dem Schrägparkplatz. Man sieht die ganze Straße hinauf.

Das knopfbestückte Lenkrad könnte von Jenson Button stammen; die Lenkung ist leichtgängig, aber präzise ­(genau wie Sechsganggetriebe und Kupplung), der Retourgang wird per angehobenem Schalthebelhals eingelegt. Die Handbremse wirkt mit massiver Zugkraft auf die Hinter­räder (der Antrieb allerdings, wie das im Prospekt übrigens an keiner Stelle außer dem Kleingedruckten vermerkt wird, auf die Vorderräder).

Der Verbrauch liegt im 8-Liter-Bereich, also eher 8,9-Liter-Bereich. Ob daran auch die Farbe Schuld trägt? Mag sein, dass man im psychologisch dezenteren Sleek-Silver sparsamer unterwegs ist. ­Weitere vorstellbare Farben: Vitamin C, Green Apple, Blue ­Ocean, Veloster Red, Phantom Black, Clear Blue und Sonic Silver. White Crystal (Weiß) wollen wir uns lieber gar nicht vorstellen. Ein weißes Coupé? Undenkbar. Es geht schließlich um nichts weniger als unseren linken Ellbogen!

Mit unserem Autopreisrechner alle Preise für Neu- und Gebrauchtwagen gratis berechnen!
Mehr zum Thema