„Ein Koreaner mit europäischem Pass. Design und Abstimmung kommen aus Rüsselsheim.“
 

Dauertest-Einstieg: Hyundai i30 1,6 CRDi Premium

VW-Boss Winterkorn brachte das Qualitätsniveau des Hyundai i30 in Rage – wir wollen herausfinden, ob nach einem Jahr noch immer nix scheppert.

12.04.2014 Autorevue Magazin

Der i30 stellt Hyundais ­Beitrag zur Kompaktklasse dar – also dort, wo sich alle automobilen Bedürfnisse in Form des ewigen Golf manifestieren. Dieser gilt als Maßstab in der Klasse, allerdings gehört er nicht gerade zu den Fröhlichen, Frechen, Bunten – er ­sediert manche sogar regelrecht mit seiner teutonischen Korrektheit.

Kein Pseudo-Sportler, ein Komfort-Souverän.

Der Hyundai i30 biegt frisch durchgestylt ums Eck

Man kann durchaus behaupten, dass das Design den Nerv der Zeit trifft. Logisch, dass sich nach so viel Vorschusslorbeer Passanten nach dem i30 umdrehen – ­einleuchtend auch, weil der Koreaner eigentlich ein Europäer ist. Das Design und die letzte Abstimmung stammen aus dem Entwicklungszentrum in Rüsselsheim, gebaut wird er im tschechischen Nosovice.

Man wird den Verdacht nicht los, dass auch die Qualitätskontrollen auf strengem Niveau gehalten werden. Die Türen fallen satt ins Schloss, das Interieur ist wirklich solide zusammengesetzt. Da gibt’s keine Fuge, die nicht passt – und wenn was scheppert, dann sind es garantiert die Schlüssel, die man in einer der vielen ­Ablagen rund um die Mittelkonsole vergessen hat.

Die Bedienung klappt auch ohne Studium der Anleitung.

Die Bedienung klappt auch ohne Studium der Anleitung.

Der Schwung des Äußeren setzt sich im Innenraum fort, ohne irgendwie lästig zu sein.

Alle Bedienelemente sitzen dort, wo man sie intuitiv er­tasten würde. Auch haptisch gibt es keine Blöße. Nur die Oberseite des Armaturenbretts wirkt erstaunlicherweise härter, als sie in Wirklichkeit ist – da ist zumindest optisch noch ein wenig Spielraum zum Golf. Den hat der Hyundai dafür anderswo schon überholt: Während beim VW zwischen Tacho und Drehzahlmesser noch ein schnödes Monochrom-Pixeldisplay seinen Dienst verrichtet, sitzt dort beim i30 ein hochauflösendes Farbdisplay.

Das fein  ziselierte Mitteldisplay heißt SuperVision und kostet 290 Euro extra.

Das fein ziselierte Mitteldisplay heißt SuperVision und kostet 290 Euro extra.

Es ist die Summe vieler Kleinigkeiten, die den Hyundai i30 so sympathisch rüberkommen lässt:

Die USB- und AUX-Schnittstellen liegen griff­günstig in der Mittelkonsole, darunter gibt es zwei Fächer, in denen man den MP3-Player verstauen kann. Nicht wie bei vielen anderen versteckt im Handschuhfach und somit vom Fahrersitz unerreichbar. Es gibt gleich zwei 12V-Steckdosen vorne – da hat jemand an den Kunden gedacht und nicht vor lauter Design an ihm vorbeikonstruiert.

Die Anzahl der Ablagen rund um den Fahrer ist schlicht ­fantastisch.

Die Anzahl der Ablagen rund um den Fahrer ist schlicht ­fantastisch.

Auch beim Platzangebot gibt es keine Klagen:

Vorne wirklich luftig, hinten lang­streckentauglich, sofern man nicht das Panorama-Schiebedach geordert hat. Der Kofferraum ist gar einen Deut größer als der des Golf, hat clevere Staufächer und lässt sich durch ­Planieren der Rücksitze erweitern.

Das Fahren?

Wir haben uns für den 128-PS-Diesel entschieden, der momentan die Spitze der Dieselmodellpalette darstellt. Beim Kaltstart knuspert es ein wenig, doch recht rasch zeigt sich der Motor von seiner besten Seite. Das Laufgeräusch ist unauffällig diesel, versteckt sich bald hinter den Fahrgeräuschen. Beim Anfahren merkt man dezent, dass die Leistung aus nur 1600 Kubik generiert wird – ein schwererer Gasfuß wird nach dem zweiten Wegfahren automatisch zur Gewohnheit. Über Land und auf der Autobahn gibt es keinen Tadel, wem der Durchzug zu milde scheint, der greift zur leichtgängigen Sechsgang-Schaltung und ­bügelt den ­Leistungsbedarf mit Drehzahl.

Beim Verbrauch haben wir uns vorerst bei 6,2 Liter ein­gependelt, was doch ein deut­liches Stück von der Werks­angabe entfernt ist. Allerdings erwarten wir fühlbare Besserung nach dem Einfahren, denn wir haben erst gute 500 Kilometer auf dem Tacho.

Die Rückbank ist planierbar – die Rückseite der Lehnen ist allerdings nicht aus Nadelfilz, sondern aus Plastik.

Die Rückbank ist planierbar – die Rückseite der Lehnen ist allerdings nicht aus Nadelfilz, sondern aus Plastik.

 

Kein Pseudo-Sportler, ein Komfort-Souverän

Kilometer, auf denen der Hyundai einen sehr erwach­senen Eindruck hinterlassen hat: Er versucht erst gar nicht, sportlich zu wirken, sondern liegt satt auf der Straße, bügelt Unebenheiten souverän und komfortabel weg. Auch das ist ein freundlicher Zug, Pseudo-Sportler gibt es schon ­genug.

Die in drei Stufen verstellbare Servolenkung ist ein ­netter Gag – wer sie einmal durchprobiert hat, wird garantiert in der „Normal“-Position die optimale Lenkkraft-Unterstützung finden. Das würde einen Knopf auf dem dezent überfrachteten Lenkrad sparen.

Aber gut: Wir wollten die Premium-Ausstattung – da sind die Bluetooth-Freisprechanlage, der Tempomat und die Lenkradfernbedienung ­dabei –, und das will auch bedient werden. Und ehrlich: Man kann das nach kurzer Zeit blind.

Hyundai i30 Dauertest-Zwischenbericht.
Hyundai i30 Dauertest-Abschluss.

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