Hyundai Genesis Coupé 3,8 V6 GDI drift
 

Testbericht: Hyundai Genesis Coupé 3,8 V6 GDI

Vertreter einer vom Aussterben bedrohten Rasse. Also zuschlagen, solange es so was noch gibt!

10.09.2013 Autorevue Magazin

Ehrlichkeit ist der erste Begriff, der einem zum Genesis Coupé einfällt. Hier gibt’s keine Klappen im Auspuff oder Resonatorschläuche im Ansaugtrakt – was hier röhrt, röhrt auf natürliche Weise. Keine elektronisch verstellbaren Gaspedal-, Servolenkungs- und Dämpferkennlinien. Keine Fahrerlebnisschalter oder sonstiger elektronischer Schmus.

Es ist, was es ist. Und es macht Spaß.

Das Genesis Coupé wurde hierzulande vor drei Jahren eingeführt, im Sinne der emotionalen Aufladung der Marke mit Wohlwollen angenommen, aber letztendlich doch ein bisserl gescholten. Die amerikanischen Wurzeln – drüben gibt es auch eine heckgetriebene Limousine – machten sich durch Pomade im Fahrwerk und ein liebloses Interieur ­bemerkbar. Das alles soll das jüngste Facelift beheben. Und man muss zugeben, dass das Äußere dramatisch an Schärfe gewonnen hat. Die Front kommt tief geduckt mit gierig aufgerissenem Maul daher, eine Art Seeteufel mit Kennzeichen im Maul, sodass man die Pseudo-Lufteinlässe auf der Motorhaube gern verzeiht.

Hyundai Genesis Coupé 3,8 V6 GDI regler

ZEIG’S MIR Von links nach rechts: Drosselklappe, Drehmoment und ­Öltemperatur. Fast wie damals.

Einsteigen, losfahren.

Okay: Die serienmäßigen Ledersitze fühlen sich gut an, und man merkt dem Armaturenbrett auch die Überarbeitung an. Dennoch erfüllt der Innenraum nicht die Erwartungen, die das Äußere schürt. Das Ganze gipfelt im Lenkrad vom Typ i30 der ersten Generation. Deutlich sympathischer wird es nach dem Starten: Der 3,8-Liter-V6 meldet sich mit sonorer Stimme, das erste Anfahren kann bei Unachtsamkeit schnell peinlich werden: Die Kupplung schließt nicht, sie schnappt zu. Schon auf den ersten Metern lässt sich die gewonnene Härte in den Dämpfern fühlen. Dubios ist die nur hauchzart servounterstützte Lenkung: Auch die Rückstellkräfte werden gebremst, was beim ersten Gegenpendler für ziemliches Staunen (und große Augen) beim Fahrer sorgt. Womit wir beim Punkt wären: Das ESP ist humorlos wie eine rohrstaberlbewaffnete Volksschuldirektorin – und wird ob des Fahrspaßes nach dem Starten ins Off geknipst. Der Genesis ist ein Querfahr-Tool reinen Wassers. Fahrwerksseitig toll ausbalanciert, hinten serienmäßig Torsen-gesperrt, mit fein dosierbarem Schub des großvolumigen V6. Der jetzt – dank Umstellung auf Direkteinspritzung – auch an der Tankstelle keine Schande mehr macht.

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