Hyundai Genesis Coupé Exterieur Front Dynamisch
Augen zu und rein.
 

Testbericht: Hyundai Genesis

Hyundai bringt mit dem Genesis Coupé den Tiburon, wie er hätte sein sollen.

23.05.2011 Online Redaktion

Der Spanier ist schuld. Gäbe es dessen Sprache nicht, wäre Mitsubishi mit dem Namen „Pajero“ nie in Erklärungsnot geraten. Hyundai indes scheiterte nicht an den Vokabeln, sondern an Selbstüberschätzung. Tiburon heißt bei den Südländern „Hai“, und dieses Tier als Vorbild für ein Ehrliches-Arbeiter-Coupé mit Frontantrieb zu nehmen, das schon von außen nach Plastik riecht, ist sehr optimistisch. Der VW Fox heißt ja auch nicht VW Wolfpack.

Bei Hyundai arbeitet man aber seit Jahren erfolgreich ­daran, Absatzzahlen und ­Modellqualität an das vorhandene Selbstbewusstsein anzupassen. Und siehe da, das neue Sportcoupé hätte den Namen Hai verdient. Heißt jetzt aber ­Genesis. Macht nichts. Nicht die Band von Phil Collins ist übrigens gemeint, sondern die Schöpfung von Gott. Am Anfang schuf er Himmel, Erde und Heckantrieb.

Dazu gibt es Hubraum. 3,8 Liter verteilt auf sechs Zylinder. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Dreikommaachtliter. In einem ­Koreaner. Ein Pfiff mehr, und Hyundai hätte die magische Grenze zum 4-Liter-Motor gesprengt. Der europäische Kunde hat diesen Hubraum-Exzess den USA zu verdanken – hier debütierte das Coupé schon 2009, wurde in Deutschland überarbeitet und jetzt nach ­Europa gebracht. In limitierter Stückzahl. Der Sechs­zylinder wird in diesem Jahr vierzigmal nach Österreich geliefert.

Das allerdings mit Automatikgetriebe. Der hier getestete Schalter kann bestellt werden (und ist auch um 1.500 Euro günstiger), wird dann aber aus Deutschland geholt – so die Teutonen einen übrig haben.

Das bleibt zu hoffen. Denn das Schaltgetriebe kann einem wegen der hohen Widerstände im Alltag gehörig den Nerv ziehen, ist aber unter Puristen die einzig gültige Wahl. Die Kupplung lässt nur einen winzigen Bereich zu, in dem sparsam Gas gegeben werden kann. Sonst stirbt der Motor ab, oder die Reifen quietschen wie eine Feuersirene. Je nach Gasfuß. Der zweite Gang will sofort nachgeschossen werden. Alternative: Taxler-Automatik – anfahren in der zweiten Stufe, alsbald in die fünfte.

Abseits des Alltags, in der kurvigen Freizeit, ist das etwas anderes. Sechs Gänge, die schnell und hart rauf und runtergewatscht werden.

Das Fahrwerk spielt da mit. Wer nach mehr Härte schreit, ist ein Angeber oder meint es tatsächlich bitterernst. Klar, hie und da gibt es Seitenneigung im Ganzen, was der Sportsitz im Einzelnen nicht ausgleichen kann. Es ist halt ein Amerikaner. Die Neigungsgruppe Schlagloch kommt trotzdem voll auf ihre Kosten.

Dank Sperrdifferen­zial an der Hinterachse wird die Kraft an einzelnen Rädern nicht sinnlos weggebremst, sondern souverän verteilt. Das fährt sich satt und handfest. Und trinkfreudig. Zwölf ­Liter oder ein wenig drunter werden fällig, wenn man sich zügelt, was wir aber nicht taten. Dafür ist der Sound zu fett und zu wuchtig, wenn man ihn befeuert. Zwei dicke Endrohre für das böse Grollen aus Fernost, das wir so noch nicht kannten. Hyundai bespaßt sich.

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