Honda CR-V 2,2 idtec Diesel Testbericht SUV
Schlichtes hat auch Charme.
 

Testbericht: Honda CR-V 2,2 IDTEC 4WD

Honda zählte lange Zeit zur technischen Avantgarde. Heute wird eher das gute Mittelmaß gefeiert.

25.03.2013 Autorevue Magazin

Denken wir an die Heydays von Auto-Honda, denken wir an den Supersportwagen NS-X oder den überzeugenden, ­leider zu früh eingestellten Honda S 2000 Roadster. Heute hat die Marke viel von ihrer Spannkraft verloren; in den neunziger Jahren waren die richtig modern und hatten Dinge im Portfolio, die jetzt erst richtig modern sind: Zero-Emission, Fahrerassistenz­systeme, Brennstoffzelle. Heute tanzt Asimo, der knieweiche Honda-Roboter, und schenkt Orangensaft aus. Button und Barrichello fuhren von 2006 bis 2008 reichlich erfolglos für das Honda-F1-Team. Danach kaufte es Ross Brawn um einen Dollar und wurde Marken­weltmeister 2009. (Technische Beratung: Alexander Wurz.) Mercedes übernahm das Team ab 2010 um einen nicht kolportierten Betrag. Der Rest ist Schumi und Rosberg. Finan­ziell geht es dem Konzern nicht schlecht, doch der überraschende Einbruch des ­China-Geschäftes sorgte für notwendige Revision des ­Geschäftsjahresberichtes um ein Fünftel.

So, nach diesem Extempore zur Gesamtlage wollen wir noch festhalten, dass man mit dem Honda CR-V einst (1996) ganz vorne mit dabei im SUV-Erfinden war. Seit 2001 gibt es „Real Time 4WD“, also automatisch zuschaltbaren Allradantrieb als Traktionshilfe.

Heute, in der vierten Generation, haben wir es mit einem ausgereiften, im Innenraum ein wenig nachzüglerisch wirkenden Familien-Nützling zu tun, dessen 2,2-Liter-Diesel 150 PS liefert und den 1800 kg schweren Wagen tapfer in gut zehn Sekunden auf hundert stemmt. Dabei tut er sich schwer, die vorgegebenen Verbrauchswerte einzuhalten – in der Stadt ­kamen wir gerade unter die 10-Liter-Marke, überland kann man sich langsam auf neun ­Liter einpendeln. Dabei hat der grüne Drossel-Knopf nicht ­besonders viel Relevanz. Das Symbol leuchtet munter weiter, auch wenn man die obligate Fünfgang-Automatik auf S ­gestellt hat. Dort lässt man sie besser, wenn man einige Lastwägen zu überholen hat.

Sonst folgt der Honda CR-V zu zwei Dritteln seiner Namensvorgabe: Comfortable Run­about Vehicle. Das Runabout müsste man streichen, denn damit werden seit jeher leichte Motorbuggies bezeichnet. ­Recreation wäre ein passender Gegenvorschlag. Als neue Familienattraktion fungiert die elektrische Auf-Zu-Heckklappe, dahinter herrscht viel Platz und ein ­vorbildlich sauber und funk­tional gelungenes 60:40- Sitzklappsystem, das sich auf ­rekordverdächtige 1669 Liter Laderaum wegfalten lässt.

Hinter dem Lenkrad wird Komfort bis in lichte Ausstattungshöhen, also bis hin zum Riesenpanoramadach geboten. Beispiele nachzahlbarer Verführungen: Abstands-Tempomat mit Notbremsfunktion, Kollisionswarnsystem CMBS, Spurführungs-Assistent, Rückfahrkamera, schlüsselloser ­Zugang, Bi-Xenon-Licht oder das Honda SD Navigations­system für 34 Länder plus iPhone- und Tablet-Anschluss. Neu im Allradsystem ist eine elektrisch (statt wie bisher ­mechanisch) angetriebene ­Hydraulikpumpe, die schneller auf die Verhältnisse ­reagiert.

Sonst basiert die vierte ­Generation des Honda CR-V weitgehend auf der dritten. Offensichtlich hatte man auch optisch Mühe, sich abzusetzen. Mit den gerade montierten Winterreifen ist das Fahrzeug relativ laut. Auffallend ist die gute Heizung; an den elek­trisch verstellbaren Sitzen (hier in Lederbezug) stört, dass sie schon in Grundstellung ­relativ hoch sind. Vom Fahrwerk darf man keine sportlichen Leistungen erwarten; das ABS setzt bei scharfer Bremsung relativ früh ein. Die adaptive elektrische Servolenkung registriert Instabilitäten auf glatter Fahrbahn und gibt korrigierende Lenkimpulse. Man würde dem Auto ein flotteres, enger gestuftes Sechsgang-­Automatikgetriebe wünschen, um es etwas spritziger zu machen.

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