Honda Accord dyn links
Eine zurvorkommende Mittelklasselimousine
 

Testbericht: Honda Accord

Aufmerksame Technik statt statusmäßigem Eindruckschinden.

28.08.2011 Autorevue Magazin

Wenn einer bemerkt, was der andere übersieht, ist es doch eine feine Geste, rechtzeitig etwas zu sagen. Zum Beispiel: Dein Schuhband ist offen. Oder: Draußen ist es heute kalt. Gegebenenfalls auch: Bitte ­anschnallen! Sagt der Accord. (Das mit dem Anschnallen, nicht das mit dem Schuhband.) Und es ist gut gemeint. Man muss ja heute an so vieles denken. Deshalb das Piepsen, das darauf aufmerksam macht, dass der Zündschlüssel noch steckt oder beim Einparken ein Hindernis schon sehr nahe ist oder man eben nicht angeschnallt ist (die Frauenstimme ertönt erst in zweiter Instanz). Aber jetzt bloß nicht durch­einanderkommen. Da ertönt auch ein Piepsen, wenn man eine Fahrbahnlinie kreuzt, ohne zu blinken. Und wenn man unangemessen knapp auf einen Vordermann aufläuft. Das sind dann LKAS (Spur­halte-Assistent) und ACC ­(intelligenter Tempomat), die sich melden. Letzteres schreibt auch „Bremsen!“ aufs Display. Der Fernlicht-Automat (HHS) sagt dafür gar nichts, sondern dreht einfach bloß das Licht auf. Dafür besonderen Dank.

Es ist aber weniger, WAS der Accord alles kann. Sondern zu WELCHEN BEDINGUNGEN. Dort, wo die deutschen Pre­mium-Produzenten preislich einen lässigen ersten Fuß­abdruck setzen, ist dieser sportlich-ausgereifte Mittelklasse-Japaner schon zur vollen Blüte seiner Fähigkeiten aufgelaufen. Knapp 38.000 Euro kostet der 180-PS-Diesel, den wir fuhren, in der Non-plus-ultra-Ausstattung „Type S“: Kraftvoll elastischer Motor mit faustdickem Überhol-­Potenzial und schöner Lauf­ruhe auf der Langstrecke. Mit 7,4 Liter auf 100 bunten Kilometern auch verbrauchs­mäßig durchaus in Ordnung, wobei einem lediglich kleine grüne Pfeile überraschend zurückhaltend Schaltempfehlungen nahegelegt haben.

Der Auftritt fällt in seiner stilistisch kühlen Neutralität, die von den zarten Facelift-­Retuschen atmosphärisch nicht nachhaltig in Unruhe versetzt wird, angenehm entspannt aus. Als aktiv lebens­orientierter Mensch wird man aber eher zum Kombi als zur Limousine greifen. Nicht nur aus Platzgründen, denn der Kofferraum des Stufenhecks liegt mit 406 Litern mehr oder weniger im Klassenrahmen (die Sitze sind umlegbar, dann sind es 660 Liter). Die persönliche Fürsorgequalität lässt sich per Laderaum besser demonstrieren. Warm anziehen sollen sich auch mal die anderen.

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