Harald Gehmachers Karmann Ghia: Absolut unperfaked

Innenliegender Außenspiegel, Heizgebläse-Turbo, Ofenlack-Finish. Harald Gehmachers VW Coupé ist beseelt vom Witz der Reduktion und voll erfreulicher Unebenheit

Autorevue Magazin
Veröffentlicht am 19.08.2017

Ein Artikel aus der Autorevue vom Jänner 2000.

Wir gleiten vom Zubringer herab geschmeidig in die Autobahn wie aus der Hand eines geübten Keglers. Leise Schwingungen pumpen aus den Reifenflanken. Die benzingeschwängerte Luft hier drin riecht wie zündfähig am Krach dieses dämmungslosen Resonanzgehäuses. Tacho 140 bestürmt alle Sinne. Der Pilot steuert so konzentriert, dass ihm manche Sätze zu Boden fallen wie Beilagscheiben. Er hat einen Auftrag. Er steuert ein Auto, das Moden und Gezeiten verschmäht. An seinem ofensilbernen Pinsellack prallen Eitelkeiten ab wie Sternspritzer. Die robbenglatte Schnauze durchbricht das Eis der Konventionen, das tiefgesunkene Fahrwerk neutralisiert hochgezogene Augenbrauen, sein negativer Radsturz zielt auf Lebensbejahung ab. Anders als alles, was ich kenne, streben sämtliche Veränderungen an diesem Fahrzeug auf eine ehrenhafte, unperfekte Absolutheit zu.

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