Halbjahresbilanz bei Ford: Ambitioniert gegen Brexit-Depression

Der Brexit beschert Ford Europa Verluste und das Modellprogramm surft die aktuellen Trends nicht ab. Der Marke steht ein schweres Jahr ins Haus.

01.08.2018 Online Redaktion

Es ist nicht so, dass es Ford Europa wirklich schlecht ginge. 2016 erzielte das Unternehmen einen Gewinn von 1,2 Milliarden Dollar. Bei der Präsentation dieser Zahlen Anfang 2017 feierte die Marke gerade das siebte Quartal in Folge mit Gewinn. Anfang 2018 war die Stimmung gedrückter. Zwar gab es wieder einen Jahresgewinn – rund 234 Millionen – doch schon damals hatte der Brexit dem Unternehmen die Bilanz verhagelt.

Der Brexit kostet Ford viel Geld

Nach der Brexit-Wahl gab das britische Pfund stark nach und Ford musste die schwache Währung in Dollar umrechnen. Schwups – weg waren rund 600 Millionen Dollar. Auf diese Höhe hat Gunnar Herrmann, der Deutschland-Chef von Ford, den Schaden beziffert. Wirklich besser wurde es im ersten Halbjahr nicht. Ford Europa machte gar einen Verlust von 73 Millionen Dollar und glaubt auch nicht an eine Trendwende in der zweiten Jahreshälfte.

Ford Mustang 2018 Test Fahrbericht
© Bild: Ford

Vor allem hofft das Unternehmen auf eine rasche Lösung im Brexit-Streit. Das Unternehmen fertigt alle Dieselmotoren in England, montiert sie aber in Deutschland in die Autos. Sollten Zölle oder ein erheblicher Verwaltungsmehraufwand auf Ford zukommen, müsste das Unternehmen seinen Produktionsprozess neu ordnen.

Erschwerend kommt hinzu, dass der britische Automarkt seit der Brexit-Entscheidung stark rückläufig ist. Ein Trend der erwartet wurde, schließlich hatte das Land in den vergangenen Jahren stets Rekord-Zulassungszahlen vermeldet. Aktuell liegt der britische Neuwagenmarkt 6,3 Prozent unter den Vorjahreszahlen. Über das ganze Jahr 2018 betrachtet wird ein Rückgang um 4,7 Prozent erwartet.

Unprofitable Modelle

Doch es ist nicht nur der Brexit allein, der Ford zu schaffen zu macht. So erklärte Bob Shanks, der Finanzvorstand, gegenüber der Automotive News Europe, dass die breite Masse der Modellpalette unprofitabel sei. Geld verdienen würden Transit, Kuga, Ranger, Edge und Mustang. Bei Mondeo, C-Max, S-Max und Galaxy würde die Marke draufzahlen. Für Fiesta und Focus, die Stückzahlbringer, gelten aufgrund der Skaleneffekte andere Maßstäbe.

© Bild: Andreas Riedmann

Ford möchte deswegen auch in Europa verstärkt auf SUV aller Größenklassen setzen. Ein Strategie, die auch mit den Elektrifizierungsplänen der Marke zusammen hängt. Schließlich hat Ford bereits ein Elektro-SUV für 2020 angekündigt. Ein SUV im C-Segment mit einer Länge von 4,50 Metern. Dazu soll es ab 2019 ein Kompakt-SUV geben, dass etwa auf einem Größenniveau mit dem Mazda CX-3 sein soll.

Autonomes Fahren

Zusätzlich hat Ford mit dem Tochterunternehmen „Ford Autonomous Vehicles LLC“ in die Zukunft investiert. Bis 2023 will Ford rund vier Milliarden Dollar in die Erforschung selbstfahrender Autos stecken.

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