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Und plötzlich passte die eine Neuzeit in die andere.
 

Geely übernimmt Lotus: Wir feiern Untergang

Geely übernimmt Lotus und will der Marke Gewinne entlocken. Machen sie es wie bei Volvo, also so, dass der Charakter der Marke erhalten bleibt, köpfen wir die Champagner-Flaschen. Ein Kommentar.

05.12.2017 Online Redaktion

Lotus hat ein ziemliches Tohuwabohu hinter sich, das mit dem ersten Gewinn seit zwanzig Jahren und der Übernahme durch Geely beendet werden konnte. Aufatmen in England also – die turbulenten Jahre scheinen vorbei. Die begannen 1996, als Lotus von Proton übernommen wurde. 2009 wurde Dany Bahar als Lotus-Chef installierte. Er wollte die Marke mit hochtrabenden Plänen auf Vordermann bringen. Im Hintergrund übernahm der malaysische Konzern DRB-HICOM (immerhin 60.000 Angestellt) die Marke Proton. Im gleichen Jahr musste Dany Bahar gehen.

Die Choasjahre scheinen vorbei

Was Geely mit Lotus vorhat, erinnert auf den ersten Blick ein wenig an die Pläne von Bahar. Der präsentierte einen ambitionierten Fünf-Jahres-Plan, heuerte Promis wie Mickey Rourke für Präsentationen an und wollte sich fortan mit den Top-Marken der Branche messen. Das ging schief. Nach internen Untersuchungen, in denen es um extravagante Ausgaben ging, musste Bahar den Autobauer verlassen. Der verklagte erst Lotus, dann verklagte Lotus ihn, dann gab es eine außergerichtliche Einigung. So viel zu den turbulenten Zeiten.

Lotus Esprit James Bond
© Bild: Lotus Cars

Lotus ist wieder da.

Anschließend besann sich Lotus auf seine alten Stärken. Das Unternehmen baute leichte und sportliche Autos und schaffte es im Geschäftsjahr 2016 wieder in die Gewinnzone.

Davon unbeeindruckt: DRB-HICOM. Die suchten seit einer Weile einen Partner, der die Mehrheit an Proton und damit an Lotus übernehmen würde. Geely hat zugeschlagen und sich 49 Prozent an Proton und 51 Prozent an Lotus gesichert. Der Vollständigkeit halber: Die restlichen 49 Prozent gehören Etika, einer Autofirma, die ebenfalls zu HICOM gehört. Angeblich soll Lotus für 100 Millionen Pfund verkauft worden sein.

Das plant Geely mit Lotus

Wer die Pläne von Geely zum ersten Mal liest, wird sich mit Bauchschmerzen an Dany Bahar erinnert fühlen: „Wir wollen Lotus wieder zu einem der Top-Performer im Segment der Luxus-Sportler machen. Lotus stand einmal auf einer Ebene mit Ferrari und Porsche, da müssen wir auch wieder hin.“

© Bild: Lotus

Lotus Elise Sprint.

Allein: diese Aussage dürfte ein Missverständnis sein. Ferrari und Porsche bauen Luxusschlitten. Lotus nicht. Ferrari und Porsche sind teuer. Lotus nicht. Wollte Geely die Marke Lotus wirklich zu einem Porsche-Konkurrenten machen, müsste das Modellprogramm komplett umgekrempelt werden. Soll dazu noch Ferrari gejagt werden, hätte man auch gleich eine neue Marke gründen können.

Markenbewusstsein der Chinesen

Geely hat Volvo gerettet, in dem sie die Schweden in Ruhe haben arbeiten lassen. Dazu kamen Geldspritzen zur richtigen Zeit und an der richtige Stelle und Unterstützung beim Vertrieb. Bei Lotus wird, das ist unsere Einschätzung, nicht anders sein. Geely will Geld verdienen und das schnell. Das bedeutet in erster Linie, dass die Produktion günstiger werden muss und Synergien entwickelt werden.

Das könnte heißen, dass Lotus in naher Zukunft vielleicht in China produzieren wird. Vielleicht für alle Märkte, vielleicht nur für den asiatischen. Denn der dürfte jetzt mit aller Macht und allen Kontakten aufgebohrt werden.

Geely London Taxi
© Bild: Geely

Das London Taxi von Geely.

Ein Elektroauto von Lotus

Dazu dürfte Lotus ziemlich bald ein Elektroauto auf den Markt bringen. Die Engländer haben ihrerseits reichlich Erfahrung mit dieser Technik, dienten sie doch jahrelang der Marke Tesla als Starthilfe. Eine Vergangenheit, die Geely wahrscheinlich gerne wiederbeleben wird. Geely selbst ist sehr umtriebig was diese Technologie betrifft. Der chinesischen Marke gehört unter anderem die „London Taxi Company“ (LTC), die bereits in einem neuen Werk (Kostenpunkt: 300 Millionen Pfund) die nächste, rein elektrische Generation des Taxis fertigt. Außerdem wurde die Marke „Lynk & Co“ gegründet, die unter anderem rein elektrische Fahrzeuge anbieten soll.

Natürlich besteht auch die Gefahr, dass sich Lotus tatsächlich stark an Porsche orientieren wird. Das würde bedeuten: reichlich Viertürer und SUV mit Volvo-Genen. Auf der Suche nach Synergien dürfte ein Lotus-SUV (neben einem Elektroflitzer) das wahrscheinlichste sein. Geely, seid zärtlich, es wäre das erste SUV der Engländer.

Wer war Dany Bahar?

Dass Geely Lotus übernommen hat, ist eine gute Nachricht. Für die Angestellten sowieso, aber auch für die Zukunft der Marke. Denn Geely weiß, wie wertvoll eine Marke sein kann. Aus Lotus wird außerdem ein ebenso ernstzunehmender wie sexy Player in Sachen Elektromobilität werden. Wer war nochmal Dany Bahar?

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