Dauertest-Zwischenbericht: Ford Tourneo Custom 2,2 TDCi L2

Seit der Tourneo Custom unseren Fuhrpark ­bereichert, sind nicht nur die Aufgaben gewachsen.

Veröffentlicht am 03.04.2014

Die Einfahrt in die Garage fühlt sich mit dem Tourneo custom nach einem halben Jahr immer noch an, als wollten wir einen Tennisball durch einen Gartenschlauch treiben, und auch der Radioempfang ist wegen der garagenbedingt permanent ­ab­montierten ­Antenne übel. ­Womit alle schlechten Erfahrungen mit dem Tourneo ­Custom abgehandelt wären.

Was machen wir überhaupt mit so einem Laster?

Martin Strubreiter hat beim Einstiegsbericht die Frage ­gestellt, ob es denn clever sei, täglich 6,3 Kubikmeter Raum mitzuschleppen. Mittlerweile können wir diese mit reinem Gewissen beantworten: Ja. Und zwar eindeutig. Fragen, ob dieses oder jenes jetzt ins Auto passt, stellen sich nicht mehr – man lädt einfach ein und ist erstaunt ob des Platzes, der noch frei bleibt. Auch sind wir uns nicht ganz sicher, ob wir unser Leben ­verändert ­haben – oder ob uns der ­Custom neue Freunde ­beschert hat. Man glaubt gar nicht, wie viele Leute einen plötzlich brauchen, wenn ­einem ein Bus zur Verfügung steht. Auch ­unsere letzten Skeptiker in der Redaktion („Was machen wir überhaupt mit so einem Laster?“) sind mittlerweile überzeugt – was man klar an der Auslastung des Autos merkt. Nie ist er im Haus, wenn man ihn braucht.

ford tourneo custom l2 tdci hinten seite heck
Wer noch mehr mitnehmen will, benutzt die grobschlächtige Anhängekupplung.

Vom Fahrgefühl

Ein bisserl Umstellung ist allerdings vonnöten, wenn man sich für ein Auto dieser Liga entscheidet. Man steigt nicht ein, man steigt auf – und blickt herrschaftlich auf SUVs jeder Größenordnung herunter. Das Fahren per se ist kinderleicht, auch atmosphärisch fühlt man sich mehr in einem Van als in einem verblechten Kastenwagen. Die ­Armaturen sind ganz in Fords Design­sprache gestaltet, dank Vollausstattung (Leder, Navi, Rückfahrkamera etc.) wird ­einem kaum etwas abgehen. Dass es nur eine manuelle ­Klimaanlage und keine -automatik gibt, ist auf die Nutzfahrzeug-Wurzeln zurückzuführen. Geschaltet wird manuell, knackig und mit kurzen Wegen – dennoch hätten wir uns eine Automatik gewünscht (die es aber auch nicht gibt). Was weniger an der Güte des Getriebes liegt, sondern an der Charakteristik des Motors: Der 2,2-Liter steht in Sachen Drehmoment und Leistung gut im Saft, verfügt allerdings über eine spürbare Anfahrschwäche, die über einen schweren Gasfuß beim Wegfahren kompensiert werden will. Das und die extrakurz übersetzte Erste verlangen ein bissl Übung, um die Passagiere nicht zu Wackel­dackeln zu degradieren.

ford tourneo custom l2 tdci schiebetür sitze hinten
BUSINESS CLASS Die Beinfreiheit in zweiter und dritter Reihe würden wir uns auch in Flugzeugen wünschen.

Tourneo Custom in der Stadt

Auch, dass hinter dem Fahrer noch gefühlt fünf Meter Auto nachgeschleppt werden, verlangt etwas Gewöhnung. In der Stadt funktioniert das überraschend gut: Riesengroße Außenspiegel (mit extra Totwinkelspiegel) schaffen Überblick nach hinten – wenn diese nicht reichen, tritt die Rückfahrkamera in Aktion. Beim Einparken sollte man genug Abstand zum Hintermann lassen, da sich sonst die Heckklappe – Marke Hangartor – nicht öffnen lässt.

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GIGANTOMEGA Die Mutter aller Heckklappen. Hangartore erröten beim Vorbeifahren schamvoll.

Überland schlägt dann die große Stunde des Tourneo. Der Diesel knuspert leise vor sich hin, Passagiere werden mit Platz und Ablagen sonder Zahl verwöhnt – überhaupt wird das Fahrwerk bei Beladung homogener, komfortabler. Muss wohl so sein, bei 840 Kilo Zuladung.

Verschleißerscheinungen? Der Rüttelmotor des Spur­halte­assistenten hat sich verabschiedet – abgegangen ist er uns bis zur Garantie-Reparatur jedoch nie.


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