Ford Galaxy Dauertest dynamisch links
Ein gutes Autojahr geht zu Ende. Zur Krönung fuhr Christian Kornherr umsonst nach Frankreich.
 

Dauertest-Abschluss: Ford Galaxy 2,0 TDCi Titanium

Die Abschlussprüfung eines nahezu fehlerfreien Jahres: 2500 sinnlose Kilometer, um ein Auto wirklich kennenzulernen.

16.06.2013 Autorevue Magazin

Der Grenzbereich. Unendliche Weiten des menschlichen Versagens. Mal ist man zu schnell (in der Kurve), mal zu langsam (an der Bremse). Mal überschätzt man sich, mal verschätzt man sich (und steht dann vor der Frage, ob man nun den neuen Lesesessel oder besser doch den übellaunig dahinpubertierenden Nachwuchs bei Ikea zurücklässt). Mal ist man einfach nur zu patschert, zu unaufmerksam, zu gut drauf.

Vom perfekten Auto verlangen wir in solchen Situationen nicht mehr und nicht weniger als Beistand und Vergebung. Denn wie schon gesagt: Der Grenzbereich kann in vielerlei Aggregatzuständen auftreten, im vorliegenden Fall war es persönliche Blödheit.

Nichts anderes ist es nämlich, wenn man während eines England-Trips erst kurz vor Mitternacht in Calais draufkommt, dass der Pass zu Hause auf dem Schreibtisch liegengeblieben ist. Also umdrehen und wieder nach Hause, machte am Ende des Tages 2552 ­Kilometer in weniger als 24 Stunden – quasi die ultimative Grenzbereichserfahrung in ­Sachen Reiseauto.

Ford Galaxy Dauertest Detail

Und tatsächlich: Der ­Galaxy stand uns bei und ­vergab, zeigte sich als idealer Partner in dieser langen Nacht. Der Beistand fand zum Beispiel in Form der wirklich exzellenten Licht­anlage statt. 1170 Euro Aufpreis für die ­adaptiven Bi-­Xenon-Scheinwerfer mit statischem Abbiegelicht klingen nach viel Geld, sind dann aber doch jeden Euro wert, weil sie ein ausgesprochen helles und randscharfes Sichtfeld liefern – besser können das auch Luxus­limousinen nicht.

Resümee des Ford Galaxy Dauertest: So soll ein Reiseauto sein.

Gleiches gilt für die in der Titanium-Ausstattung enthaltenen Sitze. In dieser Klasse sind uns durchaus Fahrzeuge bekannt, mit denen man am Ende einer solchen Gewalttour am besten geradewegs die ­orthopädische Station des ­heimatlichen Landeskrankenhauses ansteuert. Im Galaxy zwickten die Bandscheiben nach 20 Stunden noch nicht, auch verursachten die Kopfstützen keine Genickstarre – die ist neuerdings ja hoch­modern, weil die neuen Crashvorschriften eine Sitzposition erfordern, die zu wenig Bewegungsfreiheit für die Schulter-Halspartie lässt.

Ford Galaxy Dauertest Detail

Auch die Kombination aus Verbrauch und Tankinhalt gilt es an dieser Stelle zu würdigen. Bei der Hinfahrt, als wir es noch nicht so eilig hatten, gingen sich fast 1000 Kilometer mit dem 70-Liter-Tank aus. Bei der zornbedingt doch etwas forcierteren Rückreise war auch mal nach 600 Kilometern Schluss – Tribut an die gewaltige Stirnfläche und 1,7 Tonnen Leergewicht. Die lange Nacht auf der leergefegten deutschen Autobahn war übrigens das einzige Mal, dass wir den neuen 2,2-Liter-Diesel mit 200 PS vermissten. Ansonsten darf der 163-PS-Zweiliter als schöne Kombination aus  Beschleunigungsdrang und Sparsamkeit gesehen werden. Schwere Empfehlung jedenfalls, die ­höhere Leistung (es gibt den gleichen Motor auch mit 140 PS) entspannt den Umgang mit dem ohnehin sehr kultivierten Aggregat nochmals, und der Aufpreis bleibt mit 800 Euro im Bereich von ­Chiptuning. (Und wer in der 115-PS-Sparversion sitzt, hat entweder sich selber oder den Fuhrparkleiter zum Feind.)

Im Schnitt über 50.000 Kilometer errechnet sich ein Verbrauch von 8,1 Liter, was für ein Auto dieser Dimension mehr als nur okay ist – gemessen an Gewicht, Stirnfläche und auch an den teils hemmungslosen nächtlichen Deutschlandtouren.

Platz gibt es ohne Ende: 2,3 Kubikmeter oder sieben Personen.

Empfehlung auch für das Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe, was anderes als eine Automatik wollen wir uns in einem Auto dieser Gemütlichkeitsklasse gar nicht mehr vorstellen. Was uns gleich zum wahren Kern des Galaxy führt: Gut, es lassen sich sieben Leute oder auch 2,3 Kubikmeter Ladegut transportieren (beides ist tatsächlich vorgekommen), und mit Komplizierterem als dem Flat-Fold-System (alle hinteren Sitze verschwinden mittels einfachem Handling im Fahrzeugboden) wollen wir eigentlich nicht mehr konfrontiert werden. Die wirkliche Qualität lag jedoch in den ganz normalen Alltagsfähigkeiten: Die Übersicht der ­hohen Sitzposition, die völlig ermüdungsfreien Sitze, ein Fahrwerk, das vollen Komfort bietet und trotzdem noch Platz lässt für eine wilde Viertelstunde auf der Landstraße.

Ford Galaxy Dauertest Detail

So, jetzt sind wir schon fast am Ende, und noch immer war nicht von Fehlern oder Unpässlichkeiten die Rede. Ganz einfach, weil es hier nur ganz wenig zu berichten gibt. Das seltsame Eigenleben des Intervallwischers fiel mit dem besseren Wetter weniger auf. Das an sich treffsichere Navi hätte sich einen größeren Bildschirm verdient (den es ohnehin gibt). Die Bedenkzeiten des Doppelkupplungsgetriebes wurden zwar gegen Testende hin spürbar länger und der Kraftschluss zackiger, einen Grund zur Beanstandung fanden aber weder die Werkstatt noch der ÖAMTC. Gegen Ende versagte ein Sensor des Fensterhebers auf der Fahrerseite den Dienst, und das war es dann auch schon.

Dementsprechend sah auch der Abschlusstest des ÖAMTC aus: Außer ein paar Kratzern rundum keine besonderen Vorkommnisse, der Wertverlust bleibt im Klassenschnitt. Kurz: Es war ein gutes Jahr.

Hier finden Sie den Einstiegsbericht zum Ford Galaxy Dauertest.

Hier finden Sie den Zwischenbericht zum Ford Galaxy Dauertest.

 

 

Mit unserem Autopreisrechner alle Preise für Neu- und Gebrauchtwagen gratis berechnen!