Ford Galaxy Dauertest dynamisch vorne rechts
Wir beginnen ein geräumiges Jahr.
 

Dauertest-Einstieg: Ford Galaxy 2,0 TDCi

Wir beginnen ein geräumiges Jahr mit erweiterter Transportabilität, hoher Fernfahrtneigung und nicht weniger als fünf Staufächern in der Dachkonsole.

10.06.2013 Autorevue Magazin

2005 hat sich der Ford Galaxy aus dem Familienverband mit ­Sharan und Alhambra gelöst, nun erfuhr er auf und unter dem Blech eine teilweise doch merkliche Überarbeitung und darf sich solchermaßen erfrischt und gestärkt einer ­genauen Unterdielupenahme durch die Autorevue erfreuen.

Ford Galaxy Testbericht

Die Außenüberarbeitung beschränkte sich auf ein wenig Chrom und sanft ergrimmte Heckleuchten. Innen allerdings wurde der bislang stärkste ­Diesel (2,2 Liter mit 175 PS) durch einen etwas weniger starken ersetzt: Zwei Liter Hubraum, 163 PS, 340 Nm maximales Drehmoment statt 400.

Das senkt die Fahrleistungen kaum, den Verbrauch dafür umso deutlicher: Fast ein Liter weniger im Schnitt jetzt. So was nennen wir kultiviert, und im Dienste der ­feinen Kultur steht auch das bei Ford Powershift genannte Doppelkupplungsgetriebe, welches man sich dieserhalb dringend leisten sollte (3.000 Euro Aufpreis).

Nun gut, wir taten genau das, ließen noch ein bissl was für die oberste Ausstattungs­linie Titanium dazulegen, will heißen: Bordcomputer, ge­bürstetes Alu, Sportsitze etc., und hießen die Verantwortlichen, bei den Aufpreisextras nicht unbedingt zu sparen, denn das wäre unserer Ansicht nach am falschen Fleck gewesen, daher: Anhängevorrichtung mit einschwenkbarem ­Kugelkopf (931 Euro), verschiebbare Dachträger (149 Euro), elektronische Handbremse (248 Euro), ­elektrische Ausstellfenster hinten (198 Euro), Totwinkelwarnsystem (694 Euro), Business­paket ­Medium (1.734 Euro, Navigation, Parkpilot) sowie X Plus Paket (3.765 Euro, Panoramaglasdach, Bi-Xenonscheinwerfer, Leder/Alcantara-Sitze).

Der Grundpreis von 42.700 Euro steigt damit zwar gleich einmal um einen runden Zehner, andererseits müssen wir ja viel ausprobieren – nicht alles davon ist lebensnotwendig. Man kann in einen Galaxy auch schon um knapp 35.000 Euro einsteigen (115-PS-Diesel), und kriegt dafür ein Auto, in dem es im Grunde an nichts fehlt. Und sowieso ist der Ford Galaxy vorsteuerabzugsberechtigt.

Die Qualitätsanmutung beim Galaxy ist 1A

Der Auftritt ist in jedem Falle gebügelt. Qualitätsanmutung 1A. So schick, so gediegen ist das Unterwegssein mit einem Van geworden.

Zweiliterdiesel und Power­shift gehen gut im Team. Der Motor bleibt in praktisch allen Lebenslagen akustisch und auch sonst entspannt, zumal auch auf schneller Autobahnfahrt, was mit der fein windschlüpfig modellierten Karosserie korrespondiert. Das Doppelkupplungsgetriebe schaltet grundsätzlich kaum merkbar, legt aber beim Wegbeschleunigen aus dem Stand die übliche Gedenk-Halbesekunde ein – das ist bei dieser Getriebeart noch systemimmanent.

Gerade im direkten Vergleich mit schon länger am Markt befindlichen Mitbewerbern zeigen sich die eklatanten Fortschritte, die Vans puncto Fahrwerk gemacht ­haben. Der Galaxy schluckt kleine Unebenheiten fast ­genießerisch weg, ist insgesamt eher weich gehalten, aber gerade nicht so, dass man beim Fahren extra drauf aufpassen müsste. Trotz des hohen Aufbaus fährt sich das Auto hochkultiviert und im Wesentlichen wie ein Pkw. So was liest man ja schon seit Jahren – mit jedem Mal wird es noch ein wenig wahrer.

Direkte Lenkung, akkurates Reagieren auf Bremsbefehle, nie das Gefühl, einen großen, schweren Rucksack mit sich herumzutragen. Die Antriebskräfte auf der Vorderachse sind nach wie vor im Lenkrad spürbar. Da stellt sich die ­Frage, ob nicht ein Allradler ein gutes Angebot sein könnte, schon wegen der Ganzjahrestauglichkeit, und sei’s nur fürs Einparken im Schnee.

Knackig sind die Sitze, gerade nicht calvinistisch. Das soll gesund sein. Unangenehm ist es keinesfalls. Dass es in der Titanium-Version regelrecht Sportsitze sind, ist schon okay. Man kann, ohne dass die ­Situation auch nur annähernd außer Kontrolle gerät, so fahren, dass man über den Seitenhalt froh ist.

Im Falle eines Druckverlustes fallen Bücher von der Decke

Der Ford Galaxy ist aus Prinzip ein Siebensitzer. Die beiden hintersten Einzelsitze sind ­allerdings im Normalfall so zusammengeklappt, dass sie kaum Platz wegnehmen und eine ebene Ladefläche übrig­lassen. Das Entklappen erfordert ein gewisses Maß an Verständnis für die Logik von in sich bewegten Systemen. Das hat man sich aber schon beim ersten Mal erarbeitet. Verglichen mit der völlig in­diskutablen Mühe bei der Entnahme ganzer Sitze, wie andernorts durchaus üblich, ist es sowieso ein Kinderspiel.

Man sitzt in Reihe zwei fast so gut wie auf den Vorder­sitzen, Platz ist ausreichend. Reihe drei ist für Erwachsene naturgemäß beengt, Kinder können dort aber auch längere Fahrten gut überstehen (nicht zuletzt wegen der maximalen Ent­fernung zu den Aufsichts­personen).

Der Ford Galaxy ist für Fahrten ins Ferne geradezu angelegt. So war denn unserer noch keine drei Tage im Haus, peilte der Kollege Seidel schon den Nürburgring damit an, der geradezu unendlich weit von Wien entfernt ist. Dem Vernehmen nach hat er sogar im Auto übernachtet. Von Beschwerden wurde nichts bekannt.

Es finden sich im Ford Galaxy klassenüblich viele Ablagen, den Vogel schießen aber die fünf Gepäckfächer im Dachhimmel ab. Sie sind ab dem Ausstattungsniveau Ghia ­serienmäßig, verdauen auch mittelgroße Bücher, insgesamt also eine kleine Reisebibliothek, und verleihen dem Innenraum des Autos was Flugzeugkabinenhaftes. Verschlechtert sich draußen die Luftqualität, fallen Sauerstoffmasken aus der ­Decke. Oder Bücher.

Hier finden Sie den Zwischenbericht zum Ford Galaxy Dauertest.

Hier finden Sie den Abschlussbericht zum Ford Galaxy Dauertest.

Mit unserem Autopreisrechner alle Preise für Neu- und Gebrauchtwagen gratis berechnen!