Ford Focus ST
Laut wird er nur, wenn’s wirklich schnell geht.
 

Testbericht: Ford Focus ST

Ein Fünftürer mit 250 PS an der Vorderachse – ja, da gibt’s ordentlich etwas zu erleben, Kinder!

26.11.2012 Autorevue Magazin

250 PS an der Vorderachse sind keine Einladung zum Kaffeekränzchen. Eher eine zum Wildschweinbraten, was aber eine nachgerade feinsinnige Veranstaltung sein kann, wie uns Ford mit dem neuen ST vortanzt. Der alte Fünfzylinder-Motor hat einem Zweiliter-Vierzylinder mit Direkteinspritzung und Turbo Platz gemacht, was der Fahrdynamik aber zuträglich ist. Der Turbo setzt früh und harmonisch ein, baut schon bei 2000 Touren das volle Drehmoment von 360 Nm auf und lässt es bis 4500 nicht wieder weniger werden.

In diesen Höhen ist das ­Arbeiten jeweils am Schönsten:

Da ist eine Menge Fett, das man in jede Ecke schmieren kann, und man gibt dabei eine ziemlich gute Figur ab, weil die elektronische Differenzialsperre und die über Drehmoment gesteuerte Gierwinkel-Regelung die Linie schön zu halten helfen. Wer echt die ganz harte Melodie spielen will, schaltet das ESP eine Stufe zurück, oder – im geschützten Bereich – vielleicht ganz aus. Da kann man dann eine ziemliche Hetz haben als Duo Mensch-Maschine, und kein Blatt Papier passt dazwischen.

Das Maß an Leichtgängigkeit und Präzision ist am Ford Focus ST besonders auffallend. Der Schalthebel schlüpft ohne Mühe von Gang zu Gang, das straffe Fahrwerk verarbeitet Seitenkräfte wie Fahrbahn­beanspruchungen in ehrlicher Zwiesprache mit dem Fahrer, und die elektrohydraulische Lenkung übermittelt ein präzises Bild von Stand und Befindlichkeit der Räder. Alles scharf, ohne aber weh zu tun.

Ford Focus ST

Die Lenkung ist gesamtheitlich ein Hammer.

Sie ist direkt, auch bei niedrigen Geschwindigkeiten, und sehr direkt beim höherer Geschwindigkeit. Effiziente Millimeterarbeit, von Nervosität keine Spur. Wenn sich die breiten Vorderräder mit aller Macht in den Asphalt hängen und die Maschine gegen das Trägheits­moment der Masse anfeuert, bleibt eines aus, womit man eigentlich gerechnet hat: Da ist kaum ein Zerren und Aus-der-Spur-Laufen, was der elektronischen Drehmomentverteilung zu verdanken ist, die der ganzen Kraft kultiviert auf die Straße verhilft.

Außerdem ist die Inszenierung zwischen Vollstrecker-Glaubwürdigkeit und alltagskompatibler Zurückhaltung bezaubernd. Den größeren Spoiler und die dunklen Scheiben hinten muss man sich ­extra bestellen und reizt damit auch die Vorstadt-Jugend nicht zu lächerlichen Gas-Stoß-­Duellen an der Kreuzung. Überhaupt beugt sich der Focus ST als Fünftürer anmutig der Vernunft, gut brauchbarer Kofferraum mit 277 bis 1148 Litern inklusive. Und die Kinder in der Straße können ruhig ­weiterschlafen, wenn man einmal etwas später von der Party heimkommt. Vierzylinder eben, der große Auspuff schaut nur böse. Der für den RS entwickelte „Sound-Symposer“ wurde nun auch in den ST eingebaut, das Kriegsgeheul aber setzt erst im Wettkampf-­Modus auf der Bergstraße ein.

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