Ford Focus RS500 Exterieur statisch front seite
Den Kollegen auf der Autobahn wird Angst und Bange.
 

Testbericht: Ford Focus RS500

Die Kunst, ein guter Gewinner zu sein.

23.09.2010 Online Redaktion

Zwei Siege hat man errungen, noch bevor man bei seinem neuen Ford Focus RS 500 den Startknopf drückt. Das ist durchaus eine Meldung wert. Da wäre einmal der Triumph über sich selbst. Eine tiefe ­innere Überzeugung, mit diesem Auto nicht lächerlich auszusehen, fußend auf einem Selbstvertrauen, das sich nur aus einem erfolgreichen Lebenslauf speisen kann. Damit wird der Ford Focus RS500 zum Ausdruck dafür, erwachsen und um die Erkenntnis reicher zu sein, dass man tatsächlich gar nicht danach beurteilt wird, was man liest, hört oder fährt, solange man dies alles nur mit Freude tut.

Den zweiten Sieg hat man im Verkaufsraum von Ford eingefahren. Besitzt man nämlich tatsächlich einen Focus RS 500, gehört man zu jenen 32 aus­erwählten Österreichern, die das auf 500 Stück limitierte Sondermodell ergattert haben. Ob Sie zu den Gewinnern ­gehören, lässt sich mit einem Griff in die Hosentasche überprüfen. Erfingern Sie dort einen passenden Schlüssel, dann ja. Wenn nicht, Pech gehabt, das Gerät ist ausverkauft. Oder anders: Dies ist ein Bericht über ein Auto, das Sie haben könnten, wenn Sie es schon ­gekauft hätten. RS 500, das Auto, für das der Konjunktiv erfunden wurde.

Ford Focus RS500: Großer Run auf die limitierte Edition

In der Schweiz war der Andrang so groß, dass man die Kaufverträge per Gewinnspiel verloste. Die Kaufverträge wohlgemerkt, nicht das Auto. Die 49.900 Euro, die dieser ­Focus in Österreich kostet, werden trotzdem noch fällig.

Dieser Test beginnt vor dem Auto. Eine Vorgehens­weise, die dem Ganzen die Ungeduld und Hektik raubt, weil man endlich einsteigen und losfahren will, dies aber gerade deshalb nicht tut. Das verleiht dem Vorgang mehr Würde. Demütig betrachten wir die schwarzen 19-Zoll-Felgen und die roten Bremssättel, die hinter den Streben hervorlugen wie Tigeraugen aus einem Dschungelgebüsch. Wir würdigen den Spoiler. Bewundern das Doppelendrohr – ein bedrohliches Ende links, eines rechts. Nicht diese platzsparenden Kompromisse, die sich ­nebeneinanderkauern.

„Die Farbe!“, schreit es in uns. Ja. Mattschwarz. Foliert. Ein Trend, den es am Leben zu erhalten gilt. Würde er doch die viel zitierte Banalisierung des Außergewöhnlichen stoppen. Also die Dreistigkeit von Ingenieuren, Freudentränen erzeugende Leistung unter ein urfades Blechkleid zu stopfen. Unter der Folie ist der Focus übrigens Pantherschwarz­metallic lackiert. Das ist nicht unnötig, das ist Detailliebe. Weil in den Türrahmen oder an der Innenseite des Tank­deckels eben doch die Karosserie durchblitzt.

Beim Einsteigen ignoriert man die rot belederten Recaro-Sportsitze erst einmal. Der Blick fällt auf die Plakette in der Mittelkonsole. Die sagt ­einem, welchen der 500 Stück man hat. Nummer zehn ist es. Wie erhaben. Wie besonders. Dann erst kommt die Erkenntnis, wie bequem Sportsitze sein können. Sonst: nichts Neues. Aber was erwartet man? Limitiert ein Hersteller ein Auto, bleibt nicht viel Spielraum für technische Umwälzungen. Die würden sich nicht rechnen. Zumal der Ford Focus RS500 als Verabschiedung der aktuellen Focus-RS-Modell­generation verstanden wird. Die läuft im September nämlich aus.

Final Edition: 350 PS, bevor der Nachfolger kommt

Zum Abschied wird der bewährte 2,5-Liter-Fünfzylinder durch einen größeren Ladeluftkühler, höhere Verdichtung und einen modifizierten Luftfilter von 305 PS auf 350 aufgeblasen, die, ebenfalls bewährt, an die Vorderachse geschickt werden.

Aus sportlicher Sicht ist das, mit Verlaub, goschert. Die 32 Kunden, weiß das Ford-Marketing zu referieren, sind zwischen 40 und 45 Jahre alt, sportlich ambitioniert und besitzen bereits ähnliche Autos (Mitsubishi Lancer Evolution, Subaru Impreza WRX STI). Nur, in welcher Rennklasse kann man mit 2,5 Liter Hubraum, 350 PS und Vorderradantrieb starten? Genau: in keiner. Die Autos über zwei Liter brauchen Allradantrieb, die Fronttriebler haben weniger PS. Aber dafür kann Ford nichts, Kritik beendet.
Das Problem der Lenkungseinflüsse hat man beim Focus RS (und damit auch beim RS 500) erstaunlich gut unter Kontrolle. Das McPherson-­Federbein wurde um ein so genanntes RevoKnuckle erweitert. Der Achsschenkel, der sonst nur aus einer Komponente besteht, ist hier zweiteilig. Ein Teil fixiert Federbein und Querlenker, das andere rotiert um die Achse des RevoKnuckles und absorbiert so die Kräfte, die vom Rad kommen.

In den Situationen, in denen es drauf ankommt, also schnellen Kurvenkombinationen, funktioniert es mit an Hexerei grenzender Perfektion. Im Alltag, beispielsweise an Ampeln, an denen man aus dem Stand abbiegt, kommt die Technik an ihre Grenzen. Was freilich auch daran liegt, dass man die Kraft anfangs unterschätzt und zu ambitioniert losfährt.

Klar holpert das Fahrwerk, natürlich kennt man bald jede Unebenheit in der Nachbarschaft mit Vornamen, aber das Fahrwerk ist auf Labor­bedingungen, vulgo Renn­strecke, ausgelegt, da darf man nicht zimperlich sein. Und so schlimm ist es nicht – Ford hat eine Art Kompromiss auf sehr sportlichem Niveau gefunden.
Der RS 500 schiebt geringfügig über die Vorderachse. Untersteuern ist eben leichter zu kontrollieren als Übersteuern. In schnellen Kurven­kombinationen schaukelt sich das Auto nicht auf, und dank mechanischem Sperrdifferenzial gibt es praktisch kein Durchdrehen der Räder, jeder Gasstoß wird mit Vortrieb ­beantwortet. Dazu kommt eine direkte Lenkung. Mit nur etwas mehr als einer Umdrehung ist man bereits am maximalen Einschlag.

Der Alltag gestaltet sich unprätentiös. Kofferraum gibt es, ein durchschnittlich trainiertes Bein kuppelt sich durch jeden Stopp-and-go-Verkehr, und die Rückfahrkamera hat einen Extrabalken, mit dem man ­abschätzen kann, wann man die Felge gegen einen Bordstein setzt. Allein die Klima­anlage ist an sonnigen Tagen mit der Folierung und den ­Ledersitzen überfordert.

Und weil man das jetzt alles weiß, lässt man andere erwachsen und vernünftig sein. Die können das sicher besser.
„Hups, ich bin von der Kupplung gerutscht.“
„Ich dachte es wird bald rot.“
„50? Nein, nein, hier sind bestimmt 60 erlaubt.“
Keine Ausrede ist einem zu blöd. Aber sollen die doch denken, was sie wollen. 

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