Ford Focus Exterieur Dynamisch Front
Für alle, die Rosarot mögen, tut sich ein neues Wohlfühl-Universum auf.
 

Vorstellung: Ford Focus

Ein Weltauto wird erwachsener und öffnet die elektronische Wundertüte.

28.02.2011 Autorevue Magazin

Die Ford Motor Company hat kein so aufregendes Krisenbewältigungsdrama hinter sich wie etwa General Motors, vom Börsentod bis zur Wiederauferstehung. Die Schwierigkeiten wurden früher erkannt, beherzter angepackt und schließlich aus eigener Kraft bewältigt – ein altmodisches Finanzmodell, das heutzutage schon fast ein bissl verschroben wirkt.

Ein Teil der weiteren wirtschaftlichen Gesundung soll aus der Strategie „One Ford“ kommen, im Grunde natürlich ein Sparprogramm. Ein komplett in Deutschland entwickelter Kompakter soll in Zukunft für die ganze Welt passen, das senkt die Kosten von Entwicklung, Einkauf, ­Logistik und weiß der Teufel sonst noch wo. Und warum eigentlich nicht: Die Globalisierung des Geschmacks funktioniert ja schließlich auch bei Red Bull, Facebook und iPhone prächtig. Vor allem soll der Focus aber den US-Markt ­knacken, der sich ja stets als weitgehend Kleinwagen-­resistent erwiesen hat. So gesehen ist dies wohl der wichtigste Ford der letzten Jahrzehnte, nicht mehr, nicht weniger.

Wie sich das anfühlt? Unspektakulär selbstverständlich, wie auch sonst? Der globale Geschmack ist nun mal kein besonders origineller. Am deutlichsten wird das beim Fahrwerk: Während uns die erste Focus-Generation rückblickend betrachtet mit geradezu schneidender Schärfe über physikalische Befindlichkeiten informiert hat und damit in Sachen Feedback lange stilbildend im Segment war, kommt der Neue nun noch ­einen Tick weicher und indifferenter daher als der Focus II. Dass wir uns nicht falsch verstehen: Das muss für die Kundschaft noch lange kein Nachteil sein. Gerade in der Kompaktklasse will ja nicht jeder auf jedem Meter mit Fahr­erlebnis belästigt werden.

Also: Der Gesamteindruck des Fahrens ist nicht unbedingt spaßiger geworden, ­dafür aber ein gutes Stück ­erwachsener. Im Alltagsrollen kann man dem Focus kaum was vorwerfen, ein rundes Ding mit hohem Abrollkomfort und hübscher Handlichkeit, weniger akzentuiert als die Vorgänger, dafür gefühlsmäßig noch näher als bisher dran an Astra und Golf. Wie nah, wird der erste Vergleichstest zeigen.

Wesentlich beteiligt am ­positiven Gesamteindruck ist sicherlich die hohe Qualitäts­anmutung, da fehlt nun echt nicht mehr viel zu den Premiummarken. Gleiches Lob für Sitze und Raumangebot: die Platzverhältnisse sind okay, vorne wie hinten – und das, obwohl bei Ford offenbar die Wachstumsphase der Kompaktklasse abgeschlossen wurde. Während der Astra beim letzten Modellwechsel fast zwanzig Zentimeter in die Länge ging, hielt der Focus seine Maße in allen Dimensionen (2 cm länger, 1,6 cm schmaler, 1,6 cm flacher). Gut so, denn irgendwann hat das ja nichts mehr mit kompakt zu tun.

Weniger Freude machte die Bedienung. Der Ersteindruck war ein wenig verschistelt, speziell beim übervoll ausgestatteten Testwagen wirkte die Mittelkonsole wie eine steirische Knopferlharmonika, da durfte man sich als Nicht-Musikant durchaus ein wenig überfordert fühlen.

Detail am Rande: Unser Testwagen irritierte ein wenig mit einer rosafarbenen Innenbeleuchtung. Die Erleichterung war groß, als man uns versicherte, dass es auch ­Buben- bzw. Hetero-Varianten gibt. Das ­optionale LED-­Innenleuchtsystem kann nämlich auf sieben verschiedene Lichtstimmungen programmiert werden.

Ansonsten gibt sich auch der Focus dem großen Klassen-Trend hin: Elektronische Assistenten, wohin man schaut (oder eben nicht schaut) – für den toten Winkel und das Einparken, Müdigkeitskontrolle, adaptiver Tempomat inklusive automatisches Notbremsen bis 30 km/h, Fernlichtmanagement sowie Spurhalte-Assi (inkl. sanftem Gegenlenken, das aber overruled werden kann). Die elektronische Belegschaft ist vollzählig zum Schutz und Komfort der Insassen angetreten, und auch wenn uns noch immer nicht die Euphorie angesichts dieser Hilfestellungen gepackt hat, gilt doch die alte Regel vom Umgang mit Hausmitteln: „Wenn’s scho nix hilft, dann schadet’s auch nix.“ Ford befindet sich jedenfalls voll im Hauptstrom der Autoentwicklung, die sich mit ihren immerneuen elektronischen Segnungen offenbar deutlich der Generation iPhone zuwendet.

Das elektronische Zeitalter schlägt auch bei der Technik voll durch: Eine elektrische Servolenkung (– 3 Prozent) und ein gesteuerter Kühllufteinlass (bis zu – 2 Prozent) sollen beim Spritsparen helfen, weiters verfügen die meisten Varianten über Start-Stopp, Leichtlaufreifen und andere Öko-Helferlein. Torque Vectoring Control gibt’s bei allen Modellen. Der Name führt ein wenig in die Irre, weil hier keine zusätzliche Kraftverteilung stattfindet, dagegen wird ESP auch zum Abbremsen von durchdrehenden Rädern eingesetzt– hilfreich auf rutschiger Fahrbahn wird es allemal sein.

Beim Antrieb gibt es wenig Neues zu berichten, hier kommt nun auch der Focus in den ­Genuss der aktuellen ­Aggregate-Generation von den fürs Dieselland Österreich eher ­weniger relevanten EcoBoost-Benzinern (1,6-Liter-Turbos mit 150 bzw. 182 PS) bis zum PowerShift-Doppelkupplungsgetriebe (für alle Zweiliter-Diesel). An der Auswahl sollte es jedenfalls nicht scheitern: Die Benziner reichen von 105 bis 182 PS, die Diesel von 95 bis 163 PS. Dazu werden drei Ausstattungsvarianten ­gereicht (Ambiente, Trend, Titanium), alles auch mit dem Kombi ­Traveller kombinierbar.

Ganz wichtig auch: der Preis. Der Focus galt stets als Auto, das einen guten Deal ­versprach. Und dabei sollte es auch bleiben: Zumindest die Einstiegspreise bleiben unverändert.

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