Zeitmaschine Ford Edsel 1958 Exterieur
Ohne Heckflossen, aber mit einem Grilldesign, das Frauen­rechtlerinnen empörte.
 

Flossen ab!

Alles war perfekt geplant, dann ging alles schief. Der Edsel – Fords größter Flop.

24.02.2011 Autorevue Magazin

54 Jahre haben ihn rehabilitiert, die Fehler milde geschliffen von einer Zeit, die nie die seine war. Heute biegt der Edsel als Straßenkreuzer seiner Tage ums Eck, hinten schlicht (keine Heckflossen!), vorne mit einem Kühlergrill, den Frauenrechts-Gruppierungen verbieten wollten – und das Edselfahren gleich mit, dazu später. Er fährt sich auch wie ein Straßenkreuzer seiner Tage, also wuchtig, mit guss­eisernem Drehmoment. Mit Chrompolieren kann man ein verregnetes Wochenende retten, das spart dann Benzinkosten.

Wobei: Heute hakt man die Treibstoffkosten (18 bis 20 l/100 km) ohnedies als ­Investment für Denkmalpflege in aller Würde ab, statt sie kleinlich breitzutreten. Denn der Edsel wurde vergessen, sein Name aber hat überlebt. Noch bis tief in die 70er Jahre verlieh beispielsweise IBM den Edsel-Award an den unfähigsten Mitarbeiter, er musste einen Edsel-Grill als Narrenkappe an seine Bürotür schrauben.

Geplant war alles anders, nämlich als Erfolg: In den frühen 50ern schafften Aufsteiger selten den übergroßen Sprung von Ford zur Konzernmarke Mercury. Eine mittelpreisige Marke musste also her, davor aber eine Werbekampagne wie noch nie: Das neue Auto wurde als radikal einzigartig angepriesen, erste Sujets zeigten den Wagen verhüllt oder sehr unscharf, um die Neugier wurln zu lassen. Den Namen sollte die Agentur Foote, Cone & Belding finden, statt eines Vorschlages lieferte sie allerdings 6000 Entwürfe ab.

Die parallel beauftragte Dichterin Marianne Moore lieferte weniger Vorschläge, ließ aber offen, welche Substanzen zu Namen wie Utopian Turtletop, Pastelogram oder Moongoose Civique geführt hatten. Also griff Ford zum Namen Edsel, Vorname des jung verstorbenen Sohnes von Henry Ford I., obwohl Marktanalysen ergaben, dass der Name eher an leere Batterien (dead cell) oder Traktoren ­(Edson) erinnerte und Henry Ford II. den Namen seines ­Vaters nicht auf Radkappen rotieren sehen wollte.

Edsel wurde als völlig eigenständige Firma geführt, bekam paradoxerweise aber keine eigene Fabrik: Edsels wurden in Ford- und Mercury-Werken gefertigt, und damit die Karosserien auf die Ford- und Mercury-Fahrgestelle passten, waren sie unterschiedlich lang und auch verschieden breit, was die Ersatzteilsuche heute (Rücklichtgläser mit wenigen Millimetern Unterschied!) auch nicht leichter macht. Die Arbeiter verachteten die Edsels als Fremdkörper, auch gab es ­Probleme mit Zulieferern. So waren die ersten Vorführwagen unkomplett, in glücklichen ­Fällen lagen die fehlenden Teile mit Einbauanleitung für die Händler im Kofferraum.

Und sie waren mies verarbeitet, an den Fahrtwind verlorene Logos zählten zu den marginalen ­Fehlern, die störanfälligen ­Automatik-Drucktasten in der Lenkradnabe, durch Planetensätze waagrecht gehalten, waren auch noch leichter wegzustecken als der „Horse-­Collar-Grill“: Er wurde als vaginös empfunden, kein solides Verkaufsargument in den prüden USA. Emanzipierte Frauen schieden als Kundinnen aus, Verbote des Edselfahrens gingen nicht durch, das Image war aber ruiniert. Zusätzlich kam 1958 eine Rezes­sion, Autos verloren als Statussymbol an Gewicht, dafür stieg der Verkauf von Motorbooten. Es gab auch ein Gewinnspiel für Edsel-­Käufer, aber der erste Preis, ein lebendes Pony, galoppierte zart an den Wünschen durchschnittlicher US-Bürger vorbei. Umstritten war das Edsel-Projekt sogar firmenintern: Ford-Manager Robert McNamara, später US-Verteidigungs­minister und Präsident der Weltbank, torpedierte die neue Marke, bevor das erste Auto gefertigt wurde – und der ­Verlauf des Debakels spielte ihm in die Hände.

Für 1959 wurde der Edsel noch glatter gebürstet, nur der vaginaähnliche Grill blieb. Längst feilte Ford am dezenten Ausstieg aus dem Desaster, aber für Dezenz war’s zu spät. Sie wurde noch für den 1960er-Edsel geprobt, ein nur an Grill, Heck, Interieur und Logos geänderter Ford Galaxie, vom Modellprogramm blieb ein karger Rest, vom Wiedererkennungswert ohne den verhängnisvollen Grill überhaupt nichts. Noch im November 1959 wurde der Edsel eingestellt, Gebrauchte waren fortan Narrenkappen. Dennoch wurde schon 1967 der Edsel-Club gegründet, er soll den 50er des Autos vor vier Jahren klar freudiger gefeiert haben als Ford.

Überlebenshilfe. Da Ford Ersatzteile von Händlern zurückkaufte und vernichtete, gibt’s heute kaum New-Old-Stock-­Ware und auch keinen spezialisierten Edsel-Händler. Ohne Kontakte zum Edsel-Club (www.edsel.com) wird’s schwierig, aber die Liste der dort zum Verkauf ­stehenden Edsels ist durchaus lang.

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