Abarth Grande Punto dyn rechts
Große Show: schwarze Felgen, rote Bremssättel.
 

Testbericht: Fiat Abarth Grande Punto

Klein und gefährlich, so gibt es das Wappentier vor.

06.12.2011 Autorevue Magazin

Jeder sagt zu ihm Fiat. Fiat Abarth. Man kriegt diesen Zusammenklang nicht per Marketingbeschluss aus den Köpfen der Menschen. Dazu ist der Grande Punto als reiner Fiat auch noch zahlenmäßig eine ziemliche Macht, es drängelt also eine Menge neugieriges Familien-Fußvolk am Rande des Scheinwerferkegels, wenn man irgendwo mit einem Grande Punto Abarth aufkreuzt.

Zuerst kommt bei der ­Abarth-Version des Punto auf jeden Fall die Show. Er ist ein echter Kopfverdreher, wie er so auftritt ganz in Weiß mit roten Spiegeln und Streifen, mit ­abgedunkelten Scheiben und ­bösen schwarzen 17-Zoll-Sportfelgen, hinter denen ­aufreizend rote Brembo-Bremssättel hervorleuchten. Unweigerlich machst du mit so einem Auto auch mehr Auf­hebens um dein eigenes Erscheinungsbild, neigst plötzlich zu offenem Hemdkragen, Sonnenbrille und sockenlos getragenen Schuhen. Weil wenn sich ein Auto stylemäßig so ins Zeug legt, sollte sich auch der Rest perfekt in die Gefühlslücke schmiegen, die sich nach jener Anmut sehnt, mit der die Italiener einem ­Gegenstand im Ruhezustand den Siegerlorbeer umhängen.

Arg weit vom normalen Punto entfernt sich der Abarth freilich nicht. Wohl begegnest du überall dem giftigen Tier: Skorpione am Kühler, am Heck, an den Radnaben, am Lenkrad, bleibst aber vom Grundgefühl in der Nähe des Ursprungs. Es ist wie das, was sie früher mit den Pferden ­gemacht haben. Ein bisschen Arsen, und aus der braven Lotte wurde Black King. Ein klein wenig Gift bringt es offensichtlich. Beim Abarth-Punto wird es über einen neuen Turbo­lader (mit starrer Geometrie) in die Blutbahn gepresst. Der 1,4-Liter-Turbo, der beim zivilen Punto 120 PS leistet, wurde derart auf 155 PS aufgeziegelt, was ein anerkanntes Maß ­darstellt in der Jungspund-­Abteilung und für genügend innere Erregung sorgt, ohne echt gefährlich zu sein.

Per Sport-Taste lässt sich auf die Drehmomentspitze von 210 Nm übrigens noch ein Schäuferl drauflegen. 230 Nm stehen dann an, und zwar schon 2000 Touren früher, also bei 3000. Wie das kommt, ist lustig. Das Auto hat ein bissl Mühe, mit den lospreschenden Vorderrädern mitzuhalten.

Es gibt einiges zu tun, um die Fuhre auf Schiene zu halten, weil die breiten Siebzehnzöller jeder Spur nachrennen, die sie am Asphalt zu finden glauben. ­Unfug im Anflug, das passt durchaus ins Abarth-Bild von jugendlichem Ungestüm.

Eine gewisse Veranlagung zum Heizen sollte man überhaupt mitbringen und jeden Gang unerschrocken ausdrehen, wenn es die guten Sitten zulassen. Auf Touren macht sich der Abarth gut. Sein strafferes, tiefer gelegtes Fahrwerk (minus 10 Millimeter) mit der leicht breiteren Spur liegt prima in Kurven, er hängt direkt am Gas, die Schalterei läuft sauber, und klangtechnisch fühlt man sich auch gut versorgt. Alleine die Lenkung könnte ein wenig ­direkter arbeiten, die Sport­sitze mehr Seitenhalt geben. Was man vergeblich sucht, ist ein Aus-Knopf für das ESP, da hat Mutter Fiat gegen allzu arge Tollerei vorgebaut.

Die Alcantara-Sitze mit dem wattierten Jalousie-Relief in der Mitte kommen übrigens serienmäßig. Ebenso das Leder mit den appetitlichen roten Ziernähten an Lenkrad und Handbremshebel. Und die ­Interscope-HiFi-Anlage mit Subwoofer und vier 40-Watt-Boxen und sämtlichen neu­modischen Zusatzanschlüssen für digital versammelte Musik. Was in den Kreisen, in denen der Abarth mitpromenieren wird, eine grundlegend wichtige Sache ist.

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