Abarth 695 Tributo Ferrari vorne
Der 45.325 Euro-Blick.
 

Testbericht: Fiat Abarth 695 Tributo Ferrari

Abarth 695 Tributo Ferrari. Wozu ein Fiat 500 fähig ist, wenn man die Abarth-Ingenieure nur gewähren lässt.

29.07.2013 Online Redaktion

Abarth ist eine Marke voller Überraschungen. Da wollen wir nicht hinterherhinken und versprechen für diesen Text auch eine. Aber erst später. Jetzt entschuldigen wir uns und leisten beim automatisierten Schaltgetriebe Abbitte. Zwar nicht ganzheitlich, unsere Kritik war stets berechtigt, aber in diesem einen Auto, in diesem Abarth 695 Tributo Ferrari, ist kein anderer als dieser Gang tretende Brutalo-Automat denkbar.

Bei uns in Österreich mag das Ausquetschen eines Tributo Ferrari nur Kopfschütteln aus­lösen, aber anderswo, in Italien zum Beispiel, wird es vom ambitionierten Fahrer ­sogar verlangt. Wer ein tolles Auto fährt und die Sound­kaskaden vorenthält, ist ein Egoist. Aber erklären Sie das einmal den Bionade-Junkies im achten Bezirk.

Allein, es musste trotzdem sein. Gang rein. Gas. Der ­Motor brüllt. Volle Ekstase ab 3000 Touren. Das Getriebe haut den nächsten Gang rein. Kurz fühlst du dich schwerelos, bis dich erst der Gurt stoppt und dir dann der Sportsitz in den Rücken tritt. So richtig. Die anderen Verkehrsteilnehmer verschwimmen im Rausch der Ampelhatz. Die Lenkung wirft den Abarth um Häuser­ecken, zirkelt ihn um verdutzt dreinschauende Tauben und reißt ihn in letzter Sekunde blitzartig an Hundstrümmerln vorbei. Das klingt alles furchtbar brutal, pubertär und deppert. Bitte, mit diesen Vorwürfen müssen Tributo-Ferrari-Fahrer außerhalb Italiens eben leben. Das Gewissen lässt sich folgendermaßen beruhigen: Wegen des Sportsitzes, in dem der Fahrer wie festgenagelt sitzt, der Koni-Stoßdämpfer für die Kommunikation zwischen Zahnplomben und ­Straße und wegen des omnipräsenten Sounds fühlt man sich in diesem Auto stets schneller, als man wirklich ist. Buße wird außerdem in Parkhäusern geleistet. Das Auto ist so hüftsteif, dass jeder SUV-Fahrer schneller einparkt.

Abarth 695 Tributo Ferrari hinten

Richtig spannend wird es, polstert man das bestehende Auto mit etwas Historie aus. Die Marke Abarth genießt einen Ruf, wie ihn nur eine Firma haben kann, die im Laufe ihrer Geschichte weltweit 7300 (!) Rennsiege eingefahren hat. Bergrennen, Rallye … das meiste waren Privatfahrer. Firmengründer Karl Abarth wusste, dass Motorsport nur Geld verbrennt. Deswegen produzierte er keine Autos, sondern brezelte anfangs bestehende Modelle auf. Hauptsächlich Fiat. Denn die waren es, die 1955 mit dem Fiat 600 den Grundstein für Abarths Wohlstand legten. Das Auto verkaufte sich im Laufe seines Lebens 2,7 Millionen Mal, und jeder Vorstadt-Nuvolari holte sich eine Kurbelwelle oder ein End­rohr von Abarth. Aus einem 21,5-PS-Fiat-600 wurde ein Abarth 750 mit doppelt so viel Leistung. Genau so läuft es heute auch noch. Das Auto kommt von Fiat – ein 500, eh klar –, Macht und Pracht werden von der Marke Abarth zugeschossen.

Abarth 695 Tributo Ferrari sitze

Teilweise mit skurrilen ­Folgen. Die Sportsitze sind zwar wirklich toll, aber auch zu groß für das Auto. Wer die Neigung der Lehne verstellen will, der muss die Tür öffnen, weil er sonst nicht an den ­entsprechenden Drehknopf kommt. Wegen der Sitze sind auch keine Seitenairbags verbaut. Die passen nicht mehr ins Auto. Der Rest ist komponiert, als hätte Karajan persönlich dirigiert. Brembo-Bremsen vorne, Außenspiegelgehäuse aus Karbon, Lederlenkrad mit Tricolore-Streifen und farblich auf die Sitze abgestimmten Einsätzen. Apro­pos: Der rote Abarth ist der günstigste. In Gelb (Giallo Modena) kostet er tausend Euro mehr. In Grau (Grigio ­Titanio) und Blau (Blu Abu Dhabi) kommen noch einmal tausend Euro oben drauf.

Hier, abschließend, die versprochene Überraschung: ­Lesen Sie nur den ersten Buchstaben jedes Absatzes. Das ist unser Tributo Abarthi.

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  • Markus Polli

    Geil!!!!

  • Walter Szekely

    Der Beitrag ist zum niederknien gut geschrieben.Schade, daß ich wahrscheinlich nie nicht so ein Auto fahren werde können.
    ALLE ACHTUNG !

  • Wilhelm Losert

    Der kleine Abarth ist ja toll und Ihr Bericht lesenswert!
    Nur die technischen Daten in der linken Spalte lassen zu Wünschen übrig! Sie kommen beim Leser – vielleicht liegt es auch am Chrome oder Win8 – verstümmelt an. Bin diese Mängel als Abonnent der ersten Stunde von der von mir sehr geschätzten Autorevue nicht gewohnt!

    Liebe Grüße, W. Losert

    • Guten Tag Herr Losert!

      Wir arbeiten bereits an einem anschaulichem Datenkasten, der in Kürze nachgereicht wird.

      mit freundlichen Grüßen,
      Michael Szemes

  • Aura

    Der Wahnwitz dieses Autos grenzt an Genialität. Ein Stadthüpfer auf Anabolika und dazu auch noch irrsinnig gepreist. Generell ist der 500er mit History-Bonus beaufschlagt. Sowohl beim Preis, als auch beim “Headturner-Effekt”.
    Klar, man darf nicht mit der Spaltmaß-Lehre ums Auto gehen, aber wer das macht, der hat das Wesen dieses Autos ohnehin verkannt und ist in einem grauen Polo oder UP! besser aufgehoben.
    Ich war Mitte Juli an der ligurischen Küste urlauben und war regelrecht baff, wie viele Abarth und auch “Tributo Ferrari” dort herumkurven. Selbst in den entlegensten Dörfern trifft man auf 500er und Punto Abarth.
    In Garlenda gibts den angeblich ältesten und größten 500er Club der Welt (www.500clubitalia.it/‎), vielleicht erklärt das die hohe Dichte dieser Autos dort. Nachdem das CLubgebäude am täglichen Weg ans Meer lag, fuhren wir zu Hause spontan einen 500 Cabrio probe und sind nun sehr schwer am überlegen.
    Obwohl wir zur Zeit eine Alfa Giulietta in der Garage haben, erwischten meine Frau und ich uns schon lange nicht mehr bei solchen Grinsattacken. Von den wohlwollenden Blicken der anderen Verkehrsteilnehmer ganz zu schweigen.

    Größter Pluspunkt dieses Autos: Es schaut nicht finster und grimmig drein. Also als P…sverlängerung ungeeignet.

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