Abarth 500C esseesse Fiat 500
Farbarm Etwas mehr Farbe – oder überhaupt mal eine würde dem Auto gut tun.
 

Testbericht: Fiat Abarth 500c esseesse

Superlativst: Das höchste der Gefühle, der stärkste Motor, das offenste Dach, der grolligste Sound.

06.05.2012 Online Redaktion

Diese Nicht-Farbe ist ein Missverständnis. Dieses rassigen Autos unwürdig. Bestimmt ist sie auch strafbar. „Vorsätzliche Gefühls-Vorenthaltung“ wäre mein Vorschlag an gelangweilte Juristen. Die Felgen sind weiß. Das ist noch gut. Über sie ergießt sich dann aber ein grauer Brei, gedeckelt von schwarzer Dachpappe. Ein ­König in Lumpen gehüllt. Als müssten die Erben Karl Abarths den Gang nach Canossa antreten: „Hier stand er nach Ablegung der königlichen Gewänder ohne alle ­Abzeichen der königlichen Würde, ohne die geringste Pracht zur Schau zu stellen.“

Mit einer schreienden Farbkombination würde sich der Abarth 500C esseesse von selbst erklären und es bräuchte keine Worte. Aber so?
Abarth ist auf dem Markt angekommen. 303 Stück hat Fiat im vergangenen Jahr absetzen können. Etwa drei Viertel der Modelle sind 500er in allen erdenklichen Variationen und Sondermodellen. Das hat seine Gründe. Der 500er im Allgemeinen und der 500C im Speziellen werden überwiegend als Zweitwagen genutzt. Bei einem solchen kann der Auspuff brüllen, das Fahrwerk hart federn. Denn die Passanten dürfen ruhig neidisch, ­erbost oder einfach nur blöd schauen. Stört ja nicht. Für lange Strecken gibt es ein ­Familienauto in der Garage.

Das „esseesse“-Paket spricht man „ähsä-ähsä“ und nicht „ess-ess“, sonst hat man gar nichts verstanden und holt sich lieber einen Polo GTI. Das längste Kürzel der Autowelt bringt dem 500C gleich 20 PS zusätzlich. Also 160 PS. Das Stammtisch-Problem: Damit rangiert der 500C esseesse nur auf Platz vier der Abarth-Delikatessen. Mit dem Tributo Ferrari, dem R3T Rally und dem Assetto Corse gibt es gleich drei 500er-Modelle mit mehr Leistung.

Abarth 500C esseesse Fiat 500

Die Leistungssteigerung kommt allein durch neue Software. Tiefere Motoränderungen gibt es keine. Objektiv ­gesprochen: Die Zusatzpower hört man nicht und spürt man nicht. Aber wir sind keine Spaltmaßmesser und sagen: Pfeif drauf, her damit. Denn eine halbe Sekunde ist eine halbe Sekunde. Und die spart man sich eben doch beim Mustersprint auf Tempo hundert – 7,4 statt 7,9 Sekunden. Und auf dem Papier wurde die Höchstgeschwindigkeit auf 210 km/h getrieben. Von ehemals verkehrsbehindernden 205 Stundenkilometern.

Das Killerargument aber ist das Faltdach. Ein geöffnetes Dach verstärkt jedes Glücksgefühl. Der Sound kommt noch direkter ins Wageninnere. Erst flüstert dir der Wind um die Ohren, dann brüllt dir der Abarth hinein. Wie schön. Beim Testwagen hat Abarth auf das automatisierte Getriebe verzichtet. Was auch jedem Käufer angeraten sei. Die Rückkehr des automatisierten Getriebes war ein kurzfristiges Missverständnis.

Im Sportpaket sind neben der Leistungssteigerung noch gelochte Bremsscheiben, eigens designte Felgen und neue Federn enthalten. In Summe macht das 23 Kilogramm mehr, was bei einem Zweitwagen aber ziemlich mirdochegal ist. Die neuen Federn drücken den Abarth 15 Millimeter tiefer gen Beton. Das sieht man zwar nur im direkten Vergleich, spürt es aber bei jedem Schlagloch und auf jedem Kopfsteinpflaster. Dafür aber auch beim Kurvenwedeln.

Mit zwei Rätseln lassen einen die Jungs von Fiat allein. Zum einen gibt es ein deaktivierbares ESP weder für Geld noch für gute Worte. Zum anderen gehört der Sportauspuff „Record Monza“ immer noch nicht zur Serienausstattung. Eine Bitte an alle Kunden, die fünf PS mehr brauchen und noch 1.040 Euro übrig haben: bitte ankreuzen und kaufen.

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