Abarth 500C dyn VoLi
"Das letzte Auto, das sich noch Mühe gibt, so geliebt zu werden, wie es ist"
 

Testbericht: Fiat Abarth 500C

Wie banal steht doch die Perfektion im Verhältnis zu tiefer Ehrlichkeit da.

09.11.2010 Online Redaktion

Abarth tut nicht perfekt. Die Verkäufer tun vielleicht so, aber nicht das Auto. Das Auto schlägt dir seine Unzulänglichkeiten derart offensichtlich ins Antlitz, dass du es nur lieben kannst. Ja, man lässt sich gar zu der Behauptung hinreißen, Abarth sei die einzige Marke, die sich noch Mühe gibt, so geliebt zu werden, wie sie ist. Ohne Anbiederei. Deswegen ist der Abarth 500 C eine Entdeckung. Ein Geschoss, das vor dir steht, mit all seinen Höhen und Tiefen, den Siegen und dem Scheitern, und das so und nur so ein Bezugssystem zu deinem Inneren ist.

Das Innere sollte natürlich verspielt sein, denn der müßige Mensch wird so seine Schwierigkeiten haben, Freundschaft mit einem Auto zu schließen, das es auf Pferdestehlen (im übertragenen Sinn) abgesehen hat. Das geht mit der Schaltung los. Wer die Entspannung sucht, wird bei einem Automatikgetriebe nicht selber schalten wollen. Das sei hier aber dringend angeraten. Aus Platz- und Gewichtsgründen entschied man sich im Fiat-Konzern für ein automatisiertes Getriebe. Eine Technik, die aus noch unbekannten Gründen eine Renaissance erlebt und den Fahrer über jeden Schaltvorgang ­ruckend informiert. Als ob man es tatsächlich wissen wollte. Die glanzvolle Seite der ­Medaille ist der sportliche Touch. Wer es, wie wir, auf der Rennstrecke ambitioniert angehen lässt, hat vor allem mit den perfekt positionierten Paddles und den im Sport­modus vorbildlich schnell vonstatten gehenden Gangwechseln seine Freude.

Apropos: Die Bedienung der Grundfunktionen (Vorwärts-, Rückwärtsgang, automatisch oder manuell) funk­tioniert per Knopfdruck. Gewöhnungsbedürftig, aber ebenso verspielt wie passend.

Damit das Vorurteil der Überdrüber-Tuner aus der Welt geräumt ist, bevor es entsteht: die Marke Abarth selbst ändert an der Technik der Fahrzeuge wenig. So stammt der 1,4-Liter T-Jet mit 140 PS aus dem Fiat-Regal. Da das Auge bekanntlich mitfährt, macht der Murl natürlich in anderen Modellen nicht so viel Spaß, so viel Subjektivität sei erlaubt.

Der Abarth hält einen Sportmodus parat, der die Spaßgrenze weiter nach oben verschiebt. Der Motor beißt dann bei etwas über 2000 Touren zu, und die elektrische Servolenkung wird direkter. Letzteres ist aber schon im Alltagsmodus nicht wirklich ein Kritikpunkt. Bis 6500 Touren kann man den Abarth fahren, ohne Sorgenfalten auf der Stirn zu bekommen. Bei dieser Zahl sei noch einmal angemerkt: Es geht um einen Kleinwagen. Also chapeau.

Das ESP lässt sich übrigens nicht per Knopfdruck deaktivieren. Unverbesserliche, verantwortungslose Spielkinder könnten die entsprechende ­Sicherung ziehen, wenn sie driften wollen (siehe Video auf www.autorevue.at), zu so etwas wollen wir aber niemandem raten, weil man dann auch auf ABS und Servolenkung verzichten muss.

Bauartbedingt wechseln sich beim Fahrwerk des 500 C Hui und Pfui ab. Einerseits lässt sich der Abarth wegen des geringen Radstandes (2,3 Meter) und der vergleichsweise schmalen Spur (1,4 Meter) von jeder Spurrille ablenken, steuert man nicht engagiert entgegen, andererseits präsentiert er sich bei tadel­losen Straßen (und davon gibt es allen Vorurteilen zum Trotz reichlich) äußerst wendig und spritzig. Die Zeit, die eine Reise­limousine zum Blinken braucht, benötigt der Italiener, um den ganzen Spurwechsel zu vollziehen oder eine kleine Lücke im Verkehr zu entern.

Die knackige Fahrweise kann als Duett-Partner der Bremsen verstanden werden. Be- und entschleunigt werden ja gerade einmal 1085 Kilogramm. Und das in einem top ausgestatteten Auto. (Anregung: das abgespeckte Cup­auto offensiv vermarkten.) ­Üppig dimensionierte Bremsscheiben beißen so zu, wie man das erwartet. Gerade auf der Rennstrecke, wo das Bremsfenster mitunter recht klein sein kann, vorbildlich. Seine Probleme bekommt das Auto bei schärferen Ankerwürfen aus hohen Geschwindigkeiten auf der Autobahn. Das Fahrzeug wird flattrig, zittert und verlangt eine dominante Hand am Lenkrad. Gut zu wissen. Jetzt weiß es jeder.

Genug des Handfesten. Das Flair soll seinen recht­mäßigen Platz bekommen. Der Sound zum Beispiel. Böse grummelt, kreischt und bollert es aus den vier Endrohren. Fiat scheint diese dreckige Stimmung, eine Mischung aus Paolo-Conte-Verve und Tom-Waits-Räudigkeit, fast schon peinlich zu sein. Zumindest fragte die Dame aus der Presseabteilung nach, ob man beim Testwagen den aufpreispflichtigen Sportauspuff (1.040 Euro) nicht gegen die Serienversion tauschen solle. NEIN. Vielmehr sollte man sich überlegen, nicht eben diesen Chor des Bösartigen als Standard zu verbauen.

Wo man gerade dabei ist, das Auto zu spüren, sollte man das Dach öffnen. Das funk­tioniert meistens per Knopfdruck. Nicht immer. Spätestens aber nach dreimaligem ­Drücken, Anhalten, Motor-­Ab- und wieder Einschalten. Dann eröffnet sich das Dach der Welt über einem, Wind fährt durchs Haar, und das Fahren wird nahbarer.

Vorsicht in der Waschanlage: beim Testwagen tropfte es auf Höhe der Heckscheibe kräftig rein. Wir verzeihen,
wir öffnen, wir geben Gas, es trocknete von alleine.

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