Was passiert, wenn Abarth auf den Fiat 500 trifft?
 

Fiat Abarth 695 biposto. Das Tuning-Zwutschgerl

Hier gilt Autofahren pur, mit dem Fiat Abarth 695 biposto. Viel Technik, keine Klimaanlage oder Radio. Der Fiat 500 in der Abarth-Version.

04.12.2014 Press Inform

Der Fiat Abarth 695 biposto schließt die Tuning-Lücke. Den italienischen 500er gibt es schon als sportlichen S, als 5-Türiges Kaffeehaus (L) oder als Amphibienfahrzeug. Und jetzt eben von Abarth die aufgemotzte Variante. Anlass für das Tuning-Zwutschgerl ist der 50. Geburtstag des Ur-Abarth 695, der hatt damals 30 PS und erreichte die 130 km/h.

Technische Daten des Fiat Abarth 695 biposto

Der Blick auf das Datenblatt glättet zunächst einmal kritische Sorgenfalten: 190 PS und ein Leergewicht von knapp einer Tonne verheißen Beschleunigungsspaß. Das Versprechen wird gehalten: In 5,9 Sekunden knackt der kleine Italiener aus dem Stand die 100 km/h-Marke und wer danach immer noch auf dem Gas bleibt, erlebt, dass die Tachonadel erst bei 230 km/h stoppt._Fiat-Abarth-695-biposto-10

Sportlichkeit und Verzicht

Damit diese rollende Kanonenkugel auch auf der Straße bleibt, haben die Italiener einiges an Technik verbaut: Brembo-Bremsen, einen großen Ladeluftkühler, eine Sportauspuffanlage und ein Sportfahrwerk. Außerdem entfernten sie überflüssigen Ballast, darunter die Klimaanlage und das Radio. Statt der Rückbank sorgt ein Titangestänge für Verwindungssteifigkeit. Daher auch der Name des Boliden: Biposto bedeutet Zweisitzer. Das Herz des Bodybuilder-500ers ist der bekannte 1.4-Litermotor, bei dem die Techniker mehr Vitamine freigesetzt haben.

Die Lenkung

Ein tiefer Schwerpunkt, kurze Überhänge, eine breite Spur und ein kurzer Radstand bei einer Gesamtlänge von 3,66 Metern, machen klar: Das simple Tempo-Bolzen ist dem Abarth 695 biposto zu trivial. Es soll mit Karacho um die Ecken gehen. Die Lenkung reagiert auf jedes Zucken der Handgelenke, die 18-Zoll-Walzen verhaken sich in den Asphalt und der kleine Flitzer schnalzt um die Ecke. Ist der Untergrund feucht, muss der Biposto mit sanfter Hand und präziser Linie um die Kurve geführt werden, da der Brutalo-Fiat bei Lastwechseln sofort mit dem Heck zuckt._Fiat-Abarth-695-biposto-9

Innen purer Sport

Der Innenraum mit den Carbon-Applikationen und den Schalensitzen ist eine Schau. Vor allem der grandiose Anblick des Dogring-Getriebes macht klar: Wenn Biposto, dann nur mit diesem mechanischen Getriebe. Der bloße Anblick des chromglitzernden Schaltgestänges verzückt jeden Fan echter Auto-Mechanik. Eine offene Schaltkulisse, der lange Hebel, die kurzen knackigen Wege und die Möglichkeit, beim Hochschalten die Gänge ohne Kupplung durchzureißen, lassen echtes Rennsport-Feeling aufkommen. Das Dogring-Getriebe ist eine unsynchronisierte mechanische Schaltung, die auch deswegen ein Muss ist, weil nur mit ihm an der Vorderachse ein Sperrdifferential verbaut ist, das dem Fronttriebler ein wichtiges Plus an fahrdynamikbringender Traktion bringt. Schnell und hart die Gänge reinknüppeln ist ausdrücklich erwünscht. „Wir wollten im Zeitalter der Elektronik die mechanische Schaltung zurückbringen“, erklärt Abarth-Produktmanager Maurizio Consalvo. Allerdings lassen sich die Italiener den Spaß mit über 10.000 Euro teuer bezahlen.

Video: Fiat Abarth 695 biposto – Dog ring gearbox

Nichts für Fahranfänger

Im Vergleich dazu ist die Basis-Version mit den Serien-Getriebe und einem erweiterten ESP, das mit Bremseingriffen ein Differential simuliert, eher etwas für Halb- (bis Viertel-)Sportler, die auch mal auf der Autobahn schnell geradeaus brettern wollen. Dafür reicht auch ein Abarth 595 Turismo. Der hat zwar 30 PS weniger, kostet aber auch knapp 18.000 Euro weniger. Bewegt man den Abarth 659 biposto artgerecht, wird jeder Meter zum akustischen Erlebnis. Der Motor krakeelt seine Potenz voller Inbrunst hinaus. Das Fahrwerk ist aber so straff, dass jeder Kieselstein sofort an die Insassen gemeldet wird. Bei schnellen Richtungsänderungen, macht sich der kurze Radstand bemerkbar, dann tänzelt der Abarth etwas, was aber dank ESP kein Problem ist. Trotzdem ist der Biposto nichts für Fahranfänger oder Sänften-Fans, da auch diese Technik bisweilen an ihre Grenzen stößt. So muss sich der legendäre Lügenbaron Münchhausen bei seinem Ritt auf der Kanonenkugel gefühlt haben. Mit einem Durchschnittsverbrauch von 6,2 Litern pro 100 Kilometer kostet dieser Spaß auch nicht zu viel Sprit. Zumindest auf dem Papier. In der Realität sieht die Sache dann vermutlich schon anders aus._Fiat-Abarth-695-biposto-7

Der Preis ist scheinbar kein Gegenargument

Dass dieser Spaß nicht ganz billig ist, ist logisch. Der Grundpreis von 39.900 ist schon knackig genug. wer den Abarth 695 biposto aber zu einer echten Fahrmaschine mit Rennstrecken-Flair aufrüsten will, muss deutlich tiefer in die Tasche greifen. Plexiglas-Schiebe-Fenster (2.500 Euro), Alu-Motorhaube inklusive ein paar Titanverschlüssen (4.000 Euro), Renn-Computer (5.000), die schicken Carbon-Applikationen (5.000 Euro) und das besagte mechanische Getriebe treiben den Preis schnell auf über 65.000 Euro. Dafür bekommt man schon gut erhaltenen BMW M3s oder Porsche 911er. Aber die haben nicht den Kult-Status und sind derart selten, wie der Abarth 695 biposto. Dieser fast schon abenteuerliche Preis scheint die Autofahrer nicht davon abzuhalten, sich einen solchen außergewöhnlichen Zweisitzer in die Garage zu stellen. Im August hat die Produktion bereits begonnen, pro Tag läuft ein Biposto vom Band und die Jahresproduktion 2014 ist bereits ausverkauft.

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