Fiat 500L Lounge 1,3 MultiJet II 85 front seite
Man erkennt das Vorbild und dass hier etwas hochbeiniger gefahren wird.
 

Testbericht: Fiat 500L Lounge 1,3 MultiJet II 85

Außen schöner als innen, innen größer als außen und von dezidiert guter Laune.

17.09.2013 Autorevue Magazin

Fiat geht’s nicht gut, und Italien als Markt ist toter als Mussolini. Und dann kommt da mit dem 500L ein Auto, das so tut, als wär’ nix. Schickes Auto auf jeden Fall, daran hat nicht zuletzt die Bicolore-Sonder­lackierung ihren Anteil, unten rot, oben weiß. Die kostet aber 874 Euro. Die Form folgt streng dem Vorbild Mini Countryman, weist bei genauerer Betrachtung aber doch einen kleinen ostasiatischen Einschlag auf. Das mag von der größeren ­Wagenhöhe kommen, die ­naturgemäß ein bissl was ­Patschertes einbringt – und ebenso naturgemäß mehr Einsteige- und Sitzkomfort. Abgesehen davon aber makellose Lifestyleübung, gekonnt dimensioniert und hübsch ins Leben gesetzt. Auch wertig.

Wir steigen also komfortabel zu und sind umgeben von überraschend viel Raum.

Der ist einerseits real, wie sich zeigt, wenn man sitzt und die Gliedmaßen von sich streckt. Andererseits aber auch gut suggeriert durch kluges Gestalten und vor allem durch den optischen Aspekt des Glashaus­effekts. Das in unserer Version Lounge serienmäßige Panoramaglasdach mit 1,5 m2 Fläche macht eindrucksvoll aus dem Auto eine Himmelsbeobachtungsplattform, lichtdurch­flutet, freundlich, im Sommer meistens wohl abgedeckt. Es mindert allerdings die Kopffreiheit hinten.

Fiat 500L Lounge 1,3 MultiJet II 85 hinten sitzbank rueckbank

Hochvariable Schupfsitze hinten.

Urlaub wie einst, acht Stunden nach Jesolo … dafür schaffen wir einen echten Verbrauch von fünf ­Litern.

Unser 85-PS-Diesel ist von drei Motorisierungen die teuerste (es gibt noch zwei Benziner mit 95 und 105 PS). Gleichzeitig ist er natürlich mit Abstand die am wenigsten spritzige. 165 km/h Spitze und fast 15 Sekunden auf Hundert erfordern einen gelassenen ­Zugang zum Autofahren. Aber in der Stadt geht einem überhaupt nichts ab, auf der Landstraße auch nicht. Geduld und belastbare Ohren braucht man auf der Autobahn.

Es fährt sich weich und gut gepolstert, was aber nicht an den Sitzen liegt, die etwas knapp bemessen und spartanisch in der Polsterung sind, sondern am gemütlichen Fahrwerk. Bremsen und ESP-Eingriff sind gut. Die Lenkung harmoniert schön mit der Fahrwerksabstimmung, ist also nicht übermäßig zielgenau, aber für den Einsatzbereich des 500L reicht’s allemal. Dafür ist sie leichtgängig, mit der auch hier gern genommenen ­City-Einstellung noch leichtgängiger. Alles in allem gilt: Wer Autofahren nicht als Kampfauftrag versteht, dem wird hier nichts fehlen.

Fiat 500L Lounge 1,3 MultiJet II 85 inneraum glasdach panoramadach

Eine Ahnung von der Größe des Panoramaglasdaches, außerdem sind drei Handschuh-fächer im Bild, zwei davon verschließbar.

Es gibt viel Gutelaune-­Design im Innenraum, manches davon ist fesch, anderes ein bissl daneben, so der Schaltknüppel, der irgendwie an das Display eines Seniorenhandys erinnert. Aber wurscht. Was man greift, greift sich fest und sicher, die Drehräder für die Klimaeinstellungen sind haptisch Weltklasse, die vielen ­Ablagen super und seit März ist eine Espresso­maschine zu haben. Im Grunde ist das eh nur ein Wasserkocher, aber alle Welt redet darüber, auch wir schon wieder. Aber jetzt Ende damit, vorerst.

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    Für den US-Markt liefert FIAT das Auto mit Doppelkupplungsgetriebe und Multiairturbobenzinmotor. Das ist dann Schaltautomatik und 160PS (für 95 Oktanbenzin wohl 170 PS wie in der Alfa-Giuiletta).
    Damit macht das Auto sicher Spaß.
    Ist sicher nur noch eine Frage der Zeit. Lassen wir die Amis testen…

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