Fiat 500L
Elf Farben werden ­angeboten, ­darunter auch ein hübsches Babyblau. Weiß steht ihm gut, Schwarz weniger.
 

Vorstellung: Fiat 500L

Fangen wir lieber gar nicht erst an, den 500 im 500L zu suchen.

02.10.2012 Online Redaktion

Es ist wie immer: Das Marketing dreht abenteuerliche ­Pirouetten, um die Historie Italiens mit Fiats Zukunfts­strategie und einem putzigen Auto zu vereinen – viel Arbeit, die nicht nötig wäre. Zum ­einen, weil die erzählte Geschichte ohnehin viel zu kompliziert ist, als dass sie sich ­irgendjemand merken möchte, und zum anderen, weil das Auto selbst überzeugt.

Der Cinquone zeigt Fiats Weg in die Zukunft: ein pfif­figes Hochdach im B-Segment, atmosphärisch näher an einem Mini Countryman als an einem Opel Meriva. Auf Praxis­tauglichkeit wurde trotzdem nicht vergessen. Der Fiat 500L kommt schon in der Basis­variante Pop mit einem dreistufig verstellbaren Kofferraumboden und einer verschiebbaren Rückbank, die sich mit einem Handgriff an die Vordersitze klappen lässt. Dort bleibt sie zwar hochkant im Raum ­stehen, aber der ­Ladeboden dahinter ist eben. Alternativ kann man die um­geklappte Bank flach liegen lassen und erhält zusammen mit dem Ladebord und dem klappbaren Beifahrersitz 2,4 Meter Ladelänge. Man kann die Sitze natürlich auch stehen lassen und Passagiere einladen, Fiat verspricht Platz für fünf 2-Meter-Kerle und deren Gepäck. Wie und vor allem wie lange das geht, wird allerdings verschwiegen. Tatsächlich sind Innenbreite und Beinfreiheit sehr großzügig, die Sitze selbst allerdings eher knapp bemessen. Und auf der hoch montierten Rückbank ist die Kopffreiheit enden wollend, besonders, wenn das Pano­ramadach bestellt wurde.

Und das Panoramadach sollte bestellt werden, wegen der Atmosphäre. Besonders mit den beigen Stoffen der Top-Ausstattung gibt das ein helles, luftiges Wohnzimmer. Überhaupt hat der 500L viele Glasflächen, unter anderem schräg vorne, wo dank der zweigeteilten A-Säule angenehme Übersichtlichkeit herrscht. Auch Rückwärts-Einparken geht tadellos ohne Parksensoren, was lobenswert ist für ein Auto unserer Zeit.

Fiat 500L

Als Zubehör kann man sich in den 500L eine Espresso-Maschine einbauen lassen. Wasser ­einfüllen, Kapsel reinstecken, warten, Tasse bereithalten. Kommt von Lavazza.

Das Armaturenbrett ist chic, mit lackierten Oberflächen und Klima-Reglern von Alfa Romeo. Ablagen gibt es in ­Fülle, Fiat hat deren zweiundzwanzig gezählt. Das neue Touchscreen-Radio ist logisch und flott in der Bedienung, Navigieren kann es gegen ­Aufpreis, eine Rückfahrkamera ist nicht erhältlich. Die braucht es aber eh nicht. Dafür gibt es eine fette Soundanlage von Dr. Dre, die den Cinquone zum Partybus macht.

Der 500L kommt zum Marktstart im Herbst mit drei Motoren. Der 85-PS-Diesel ist nur sparsam, der 105-PS-Twinair entweder sparsam oder ­spaßig und der altgediente 95-PS-Benziner der beste Kompromiss der ­Palette: vibrationsfrei, niedertourig zu fahren, aus­reichend kraftvoll. Ironie des Fortschritts, sozusagen. Allen ­Motoren gemein ist ein sehr niedriges Geräuschniveau. Nächstes Jahr folgen ein starker Diesel und eine Erdgas-­Variante. Die Schaltung ist knackig und ­präzise (nicht selbstverständlich bei Fiat), das Fahrverhalten im besten Sinne unauffällig, komfortabel, verbindlich. Mit Tempomat und langem Radstand empfiehlt sich der 500L auch für längere Reisen. Fiat will eben mehr bieten als Basis-Mobilität.

Dazu passt, dass die Modelle nicht nur hochpreisiger ­wirken, sondern auch hochpreisiger sind: 16.400 Euro sind für den 500L mindestens zu berappen, in der Pop-Ausstattung mit der verschieb­baren Rückbank, aber ohne Klima­anlage. Zur Einordnung: Ein Citroën C3 Picasso ist eine Stange günstiger, ein Mini Countryman empfindlich ­teurer.

Der L bleibt übrigens nicht das einzige Derivat der 500er-Familie: 2014 kommt der 500X als indirekter Nachfolger des Sedici und schon nächstes Jahr eine siebensitzige Variante. Die Marketingabteilung wird dann wieder auf den 600 Multipla und die Giardiniera verweisen, Autos aus einer anderen, einer vergangenen Welt. Obwohl der Cinquone eigentlich in die Zukunft zeigt.

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  • Johannes Auer

    Hallo ich bin noch jung möchte aber Autodesigner werden. Ich finde dieses Auto italienisch designd, weil es sich sehr an Umgebung anpasst. Jedes mal wenn ich dieses Auto sehe sofort an die italienische Weingegend denke.
    Ích bedanke mich, dass die Chance hatte mein Kommentar an dieses Auto abzugeben.

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