Abarth 500C – Nase vorne. Zumindest akustisch.
 

Testbericht: Fiat 500C

Abarth 500C: Laut, frech und ungestüm. Trotzdem haben ihn alle lieb.

19.07.2011 Autorevue Magazin

Bringen wir’s gleich auf den Punkt: Wer ernsthafte sportliche ­Ambitionen hat, wird mit der Standardversion des Abarth ­Cinquecento nicht sein Glück finden – da hilft auch der große Name samt Rennsportvergangenheit nichts. Nimmt man sich den Kleinen ein bissl heftiger, also seinem reschen Auftreten ­entsprechend, zur Brust, kommt man schnell an die Grenzen. Beim Einlenken in forsch angefahrene Kurven stemmt sich der ganze Aufbau aufs kurvenäußere Vorderrad, als wollte der Kleine mit einem Purzelbaum abhauen. Tut er aber nicht, weil ihn das nicht abschaltbare ESP spät, dafür rigoros zurückpfeift. Zur ­Ehrenrettung sei vermerkt: Wer es fahrdynamisch ernst meint, kann derlei über diverse Abarth-Kits, die kaum Wünsche ­offen lassen, kurieren.

Aber darum geht es eigentlich nicht. Wir mögen den Blender. Er gleicht vom Charakter her dem vorlauten Franzi aus der ­letzten Reihe in der Schule, der dauernd Unfug im Sinn hatte und dem keiner böse sein konnte, weil er immer gar so treuherzig ­dreinschaute. Rotzfrech rülpst der Zwerg mit seinem vierflutigen Monza­auspuff durch die Gassen, verziert jeden Schaltvorgang des automatisierten Getriebes mit einem lautstarken „Ploff“ – und dennoch werden die Passanten ausschließlich aus Verzückung mit dem Finger auf dich zeigen. Weil er so süß ist, der Zwerg.

Genau das ist es, was den Cinquecento in den Kreis der Spaßmacher befördert: Man freut sich einfach jeden Tag, wenn man sich dem Auto nähert. Keiner beherrscht es wie die Italiener, ­einem Auto nette Details der Lebensfreude mitzugeben: Die schicke Zweifarbenkombination oder die eleganten Ledersitze, zum Beispiel. Den unanfechtbaren Beweis findet man auf der Straße: Wie viele Cinquecentos sieht man verglichen mit dem grundsätzlich bau­gleichen Ford Ka?

Außerdem ist’s ja nicht so, dass der Zwerg fahrdynamisch ein Verhau wäre. Die 140 PS sind mehr als ausreichend, um flipperkugelhaft durch den Verkehr zu sausen. (Wer mehr Leistung möchte, kann diese über oben genannte Abarth-Kits auf 160 oder gar 190 PS steigern.) Das Fahrwerk ist mangels sportlicher Härte fürs tägliche Leben ideal – und zappt man die Gänge mit den Schaltpaddeln durch, sieht man dem Getriebe auch den unterdurchschnittlichen Automatikmodus nach.

Wenn dann noch die Frühlingssonne durchs geöffnete Faltschiebedach in den Innenraum strahlt, ist die liebliche Idylle perfekt. Aber nur fast: Röööööhr, Ploff – Tschuldigung!

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