Fiat 500 Exterieur Statisch Seite
Himmelblau.
 

Testbericht: Fiat 500

Traut sich über Turbo und Zweizylinder, klingt wie einst.

28.01.2011 Autorevue Magazin

Nach vier Tagen kamen wir drauf, dass das Radio noch immer ausgeschaltet war. Das spricht nicht gegen die Audioanlage, sondern für den Sound des Motors, der als Allein­­un­terhalter alle Sender an die Wand spielt: Zweizylinder-Twin, 875 ccm, Turbolader. Dazu Fiats neue MultiAir-­Ventilsteuerung (elektronische Steuerung der Ventile für ­optimalen Verbrauch und ­perfektes Drehmoment), die ist mess-, aber nicht hörbar.

Dafür der Zweizylinder umso mehr, und weil das hochfrequente Singen früherer Tage nicht zu Modernem passt, hat Fiat den Sound getunt und tiefergelegt. Denn nach altem Verständnis ließe sich das Downsizing auch als Tuning abhaken: 85 PS aus 875 ccm sind kein Lercherl, und falls jemand jetzt mit dem Motor zu leiden beginnt: Nicht nötig, bis zu 105 PS sind geplant, und nach unten wird das Spektrum bis 65 PS reichen, wenn die Zweizylinder-Turbos als volle Familie auftreten werden.

Mehr als die Leistung sagt das Drehmoment: 145 Nm bei 1900 U/min, in der Stadt ist der Fiat 500 TwinAir Turbo eine fröhliche Flipperkugel, die Beschleunigung auf der Autobahn ist sogar dann üppig, wenn man nicht an Klein­wagen alleine misst, ein paar km/h werden subjektiv vom kernigen Motorklang eingespielt, beim Gleiten herrscht wieder Stille.

Theoretisch könnte man in der Stadt perfekt im Öko-Modus surfen, der per Knopfdruck das Drehmoment auf 100 Nm einregelt und das Gaspedal sediert, aber dann fehlt dem Charakter dieses Fiat eine wohlige Spitze. Auch ohne Öko-Knopferl bleibt die wachsame Start/Stopp-Automatik, die 4,1 Liter MVEG-Verbrauch sind dem 500 dennoch fern – wir kamen im Stadt-Land-Mix auf 6,8 Liter, trotz langer Übersetzungen: Bei 130 km/h liegen 3300 U/min an, dafür ist der Sprung zwischen den Gängen groß. Schaltet man zu früh, landet man unter 2000 U/min, dort ist der Motor rumpelig. Immerhin ist ein Twin (die beiden Kolben bewegen sich ­parallel) schwingungstechnisch eine ziemliche Herausforderung, eine Ausgleichswelle bügelt, so gut sie kann, über 2500 U/min wird der Twin geschmeidig. (Ein Reihenmotor mit gegenläufigen Kolben wäre leichter festzuschrauben, liefe aber ­auf­grund unregelmäßiger Zündabstände unrunder. Für den perfekt ausbalancierten Boxer wäre, wenn sich Geschichte ­lückenlos wiederholt, Magna, ehemals Puch, zuständig.)

Tendenziell sportlich ist die Federung, das Armaturenbrett pflegt fröhliches Design, besonders im Vintage Volare Blau unseres Testwagens. Die Vintage-Farben kosten 208 Euro Aufpreis, man sollte sie vom Stadtverschönerungs­verein zurückbekommen.

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