“Ferrari – Leggenda e Passione”: Von der Scheune bis zur Rennstrecke

Bei der Auktion “Ferrari – Leggenda e Passione” ist der Name teures Programm. Wie ist die Marktlage der klassischen Ferrari? Wer hat das größte Potenzial? Plus: ein Anschaffungs-Tipp.

radical mag
Veröffentlicht am 01.09.2017

Ferrari feiert 2017 seinen 70. Geburtstag. Auch aus diesem Grund veranstaltet Marktführer RM Sotheby’s am 9. September in Maranello unter dem Titel «Leggenda e Passione» eine Auktion, bei der ausschließlich Ferrari unter den Hammer kommen. 40 Preziosen sind bislang bekannt (was doch etwas enttäuschend ist – ist vielleicht zu viel los auf dem Markt? Sind die Preise in den USA einfacher höher?), das Angebot reicht vom günstigen 348 TS aus dem Jahre 1991 über einen Daytona, der 40 Jahre in einer Scheune gestanden hatte (siehe Diashow und die Geschichte vom “Disco Daytona” sei hier auch erwähnt, der auch über Jahrzehnte in einer Garage stand…), bis hin zu einem 250 GT mit kurzem Radstand, für den bis 10 Millionen Euro bezahlt werden dürften (ganz unten findet ihr diesen wunderbaren Wagen). Spannend aber auch: der Ferrari 400i aus dem Jahre 1983 aus der Sammlung von «Rolling Stone» Keith Richard, der das Auto neu gekauft hatte und in den vergangenen 34 Jahren nur gerade 3.267 Kilometer damit gefahren ist.

Der 1983 400i, Chassisnummer ZFFEB07B000045181, von Keith Richards:

© Bild: RM Sotheby's
1983 Ferrari 400i

Die Marktlage der klassischen Ferrari

Doch wie ist die Marktlage für diese klassischen Ferrari? Die Auktionen im Umfeld von Pebble Beach Mitte August dürfen als guter Gradmesser gelten, an der Küste von Kalifornien treten jeweils alle großen Auktionshäuser an – und heuer war das Angebot an Ferrari überwältigend. Zwar war es nicht einer der italienischen Sportwagen, der den höchsten Preis erzielte, diese Ehre gebührt dem Aston Martin DBR 1, der für stolze 22,5 Millionen zugeschlagen worden war, doch mehr als zwei Dutzend Ferrari schafften den Sprung über die Millionengrenze. Spitzenreiter war ein 275 GTB Competizione, der für 14,5 Millionen Dollar zugeschlagen wurde – ein neuer Rekord für dieses Modell.

Der 275 GTB Alu, Chassisnummer #08111, der bei «Legende e Passione» angeboten wird, Schätzpreis 2,4 bis 2,8 Mio Euro:

© Bild: RM Sotheby's
1966 Ferrari 275 GTB Alloy by Scaglietti

Rennwagen

Ganz klar ist: Frühe Rennwagen mit schöner Geschichte verkaufen sich weiterhin glänzend, da zeigt die Tendenz bei den Preisen weiterhin steil nach oben. Auch die ganz klassischen Modelle wie der California Spyder, die «normalen» 275 GTB oder die Superamerica werden immer teurer. Heftig auch die Steigerungen bei einem ganz neuen Modell, dem LaFerrari, für den bereits mehr als 3,5 Millionen Dollar abgedrückt werden – das Fahrzeug ist erst zwei Jahre alt, kostete damals rund eine Million. Etwas erstaunlich ist dagegen, dass die Daytona auf einem tiefen Niveau verharren, bei Bonham’s konnte man diese Ikone der 70er Jahre schon für 511.000 Dollar haben. Das schwächste Glied war allerdings eine F355 Berlinetta, die es zum Discountpreis von 55.000 Dollar gab.

Das wohl günstigste Stück in Maranello am 9. September: 348 TB von 1991, geschätzt auf 125.000 bis 150.000 Euro:

© Bild: RM Sotheby's
1991 Ferrari 348 TS

Wo liegt das größte Potenzial?

Doch die Frage muss ja sein: wo liegt das größte Potenzial? Eine Beobachtung in Pebble Beach: Es sieht ganz so aus, als ob die 308 GTB so langsam durchstarten. Zwar gab es ein solches Modell noch für 73.700 Dollar bei Bonham’s, doch ein paar Schritte weiter schaffte es bei RM Sotheby’s ein gleiches Modell auf 192.500 Dollar. Nur schon diese große Schere zeigt, dass der Markt wahrscheinlich heiß ist. Gleiches gilt für den Nachfolger, den 328, bei dem die Preisspanne zwischen 99.000 und 154.000 Dollar lag. Und das hatte nicht bloß mit dem Zustand der Auktionsstücke etwas zu tun. Massiv nach oben zeigen auch die Preise für den 512M, da haben sich die Preise innerhalb eines Jahres verdoppelt, Gooding verkaufte ein schönes Stück für sagenhafte 478.500 Dollar. Auch ein 512BBi kam auf 429.000 Dollar – einen anderen gab es schon für 242.000 Dollar. Einig ist man sich, dass man mit den Mittelmotor-Zwölfzylindern, also von 365 GT4 BB bis zum besagten 512M, kein Geld mehr verlieren kann. Außer natürlich beim Unterhalt, der nicht wirklich günstig ist.

Ein Tipp am 9. September: 365 GT4 BB, 1974, geschätzt auf mindestens 350.000 Euro:

© Bild: RM Sotheby's
1974 Ferrari 365 GT4 BB

Ein weiterer Tipp

Ferrari 599 GTB. Die gibt es weiterhin für etwas mehr als 100.000. Doch das ist ein wirklich hervorragendes Fahrzeug, das auch im Alltag richtig viel Freude macht. Und irgendwann müssen diese feinen Stücke auch aus ihrem Loch kommen – wie eigentlich alle Ferrari.

Einen 599 GTB gibt es bei «Leggenda e Passione» leider nicht, aber einen 599 GTO – auf doch erstaunlich bescheidene 425.000 bis 500.000 Euro eingeschätzt; da ging schon deutlich mehr:

© Bild: RM Sotheby's
2012 Ferrari 599 GTO

Ferrari – Leggenda e Passione

Die Versteigerung am 9. September von RM Sotheby’s, hier eine Auswahl. Ihr findet alle Fahrzeuge oben in der Diashow, oder eine vollständige Auflistung aller Fahrzeuge hier.

1960 Ferrari 250 GT SWB Berlinetta Competizione by Scaglietti

© Bild: RM Sotheby's

Chassis no. 2163 GT – Schätzpreis 8.500.000 – 10.000.000 Euro

1969 Ferrari 365 GTB/4 Daytona Berlinetta Alloy by Scaglietti

© Bild: RM Sotheby's

Chassis no. 12653 – Schätzpreis 1.400.000 – 1.700.000 Euro

1974 Ferrari 365 GT4 BB

© Bild: RM Sotheby's

Chassis no. 17883 – Schätzpreis 350.000 – 400.000 Euro

1983 Ferrari 400i

© Bild: RM Sotheby's

Chassis no. ZFFEB07B000045181 – Schätzpreis 125.000 – 175.000 Euro

1991 Ferrari 348 TS

© Bild: RM Sotheby's

Chassis no. ZFFKA36B000089621 – Schätzpreis 125.000 – 150.000 Euro

2012 Ferrari 599 GTO

© Bild: RM Sotheby's

Chassis no. ZFF70RDB000174698 – Schätzpreis 425.000 – 500.000 Euro

Vielen Dank für diesen Beitrag an die Kollegen von radical-mag.com


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