1/32
 

4218,752 Kilometer 1971 in Le Mans

Wer ein paar Millionen übrig hat, der kann diesen wunderbaren Ferrari 365 GTB/4 Competizione ersteigern, einen Prototyp aus dem Jahr 1969.

19.06.2018 radical mag

Eine größere Geschichte über diese Renn-Daytona hatten wir ja schon verfasst, sie ist nachzulesen: hier. Und dort hatten wir den Prototyp mit der Chassisnummer #12467 auch schon kurz erwähnt. Nochmals, kurz: als erster Daytona im Renngewand gilt Chassisnummer #12547, gebaut im Jahre 1969 für die 24 Stunden von Le Mans. Der Wagen – mit Alu-Karosserie und Klimaanlage – war allerdings wenig erfolgreich, er schaffte es gar nicht erst an den Start. (Noch eine großartige Geschichte zu einem 365 GTB/4 Daytona findet ihr hier, der einst um 18.000 US-Dollar gekauft wurde und dann 25 Jahre in der Garage stand…).

© Bild: Artcurial

Der Glaube an Erfolg

Luigi Chinetti und sein Rennteam N.A.R.T. glaubten aber trotzdem an die Renntauglichkeit des 365 GTB/4 (wohl auch deshalb, weil er sich in den USA bestens verkaufte), also wurde ein zweites Exemplar bestellt, eben: 12467 (gemäß Chassisnummer also älter als das erste Fahrzeug). Chinetti bezahlte am 10. Juni 1971 genau 11.630 Dollar direkt an Ferrari. Ob er auch etwas für die Arbeiten am Rennwagen, die von der Carrozzeria Sports Car in Maranello ausgeführt wurden, bezahlen musste, ist nicht bekannt. Hingegen weiß man, welche Arbeiten von CSC an dem Fahrzeug mit Stahl-Karosserie, das dem Gruppe-4-Reglement genügen musste, ausgeführt wurden: Umbau für und Einbau aller Sicherheitsmerkmale (also Not-Stopp, Überrollbügel etc.), Plexiglas-Fenster (außer Windschutzscheibe), Seiten-Auspuff, größere Front-Lampen. Zusätzlich wurden die Kotflügel verbreitert und kleine Spoiler angebracht – es ist allerdings nicht anzunehmen, dass Carrozzeria Sports Car den Wagen ausführlicherer testete. Rennfertig, also mit 120 Litern Benzin, wog 12467 immer noch heftige 1.514 Kilogramm. Die serienmäßige Zwölfzylinder-Maschine mit 4,4 Liter Hubraum soll etwa 400 PS stark gewesen sein – mindestens…

© Bild: Artcurial

Und dann Le Mans 1971

Doch der Ferrari, der mit Startnummer 58 ins Rennen ging und von Bob Grossman sowie dem Sohn von Luigi Chinetti, Coco, pilotiert wurde, lief in Le Mans wie am Schnürchen. Nach drei Stunden lag das Team auf dem 25. Rang, nach 12 Stunden auf 15. Platz – und ab der 19. Stunde rannte 12467 dann auf dem 5. Platz, den er bis Rennende halten konnte (so nebenbei gewann 12467 auch noch die Index-of-Performance-Wertung – weil er nur etwa 40 Liter auf 100 Kilometern verbrauchte). Seine beste Zeit erreichte der Ferrari im Rennen, 4:14,30 – und war damit sieben Sekunden schneller als im Training; insgesamt kam der Italiener stolze 4.218,752 Kilometer weit.

© Bild: Artcurial

Schätzpreis bei der Versteigerung in Le Mans

Das war es dann aber mit Erfolg. Zwar wurde 12467 in den folgenden Jahren weiterhin eingesetzt, doch einen Spitzenrang schaffte er nicht mehr; meist schied er sogar aus. Am 7. Juli 2018 wird dieses einmalige Fahrzeug nun von Artcurial in Le Mans versteigert, der Schätzpreis liegt bei 6,5 bis 7,5 Millionen Euro…

Vielen Dank für diesen Beitrag an die Kollegen von radical-mag.com

Jetzt zwei Ausgaben autorevue kostenlos & unverbindlich lesen!*
*ABO endet automatisch.
 
Hier bestellen