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Ferdinand Piëch ist tot

Der VW-Patriarch ist im Alter von 82 Jahren “plötzlich und unerwartet” verstorben.

Veröffentlicht am 27.08.2019

Ferdinand Piëch ist tot. Der langjährige VW-Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzende und frühere Audi-Chef ist am 25. August 2019 im Alter von 82 Jahren gestorben. Die Witwe Piëchs, Ursula Piëch, gab in einer Mitteilung bekannt, dass ihr Mann am Sonntag “plötzlich und unerwartet verstorben” sei.

Beisetzung im engsten Familienkreis

“Das Leben von Ferdinand Piëch war geprägt von seiner Leidenschaft für das Automobil und für die Arbeitnehmer”, schreibt Ursula Piëch in der Mitteilung, die der Deutschen Presse-Agentur am Montagabend vom Anwalt der Familie zugeschickt wurde. Er sei bis zuletzt ein begeisterter Ingenieur und Autoliebhaber gewesen. Die Beisetzung werde im engsten Familienkreis stattfinden.

Volkswagen trauert um Piëch

Zum Gedenken an Ferdinand Piëch wurden in verschiedenen Werken von Volkswagen, darunter in Wolfsburg und Dresden, die Fahnen auf Halbmast gesetzt. Auch bei Audi in Ingolstadt und Neckarsulm wurden Gedenkminuten abgehalten, während derer die Bänder stillstanden. “Ferdinand Piëch hat Automobilgeschichte geschrieben – als leidenschaftlicher Manager, genialer Ingenieur und als visionärer Unternehmer”, so Hans Dieter Pötsch, Aufsichtsratsvorsitzender der Volkswagen Aktiengesellschaft, in einer Aussendung. “Damit hat er seit den 1960er Jahren die Entwicklung des Automobils, der Industrie und vor allem von Volkswagen zum globalen Mobilitätskonzern maßgeblich gestaltet, vorangetrieben und geprägt.” Dr. Herbert Diess, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen Aktiengesellschaft verwies auf Piëchs Innovationsgeist: “Technisch ist er mit seinen Entwicklerteams immer wieder an die Grenzen des Machbaren gegangen: vom ersten Ein-Liter-Auto der Welt bis zum Bugatti Veyron mit 1.001 PS. Vor allem hat Ferdinand Piëch Qualität und Perfektion bis ins Detail in den Automobilbau gebracht und tief in der Volkswagen DNA verankert. Ich schaue mit Dankbarkeit und großem Respekt auf seine Lebensleistung.”

Ferdinand Piëch im autorevueArchiv

  • “Pinguin ist angekommen” – Die Story von der Rekordfahrt des Ferdinand Piëch mit dem Einliter-Auto. (autorevue 5/2002) – Die Story von der Rekordfahrt des Ferdinand Piëch mit dem Einliter-Auto. (autorevue 5/2002)
  • “Danke für das Gespräch, Käptn” Das Interview aus der autorevue Mai 2002.
  • “Genie im Grenzbereich” – 2006 bedeuteten 50 Jahre Ferdinand Piëch im Autogeschäft auch 50 Jahre Motorsport – die ursprüngliche Triebfeder eines herausragenden, fanatischen, zuweilen auch hemmungslosen Technikers. (autorevue PREMIUM 9 aus dem Jahr 2006)

“Großer Manager und Ingenieur”

VW-Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh sagte, dass die Betriebsräte zwar “nicht immer in allen Fragen einer Meinung mit unserem früheren Vorstandsvorsitzenden und Aufsichtsratsvorsitzenden” gewesen seien. Sie würden aber “mit Respekt und Achtung auf sein großes Lebenswerk” zurückblicken. Die Belegschaft danke Piech für seinen Anteil an der Einführung der Vier-Tages-Woche und der damit verbundenen Rettung zehntausender Arbeitsplätze bei dem Autobauer. Zudem habe der frühere VW-Patriarch 1998 die Entschädigung der damals noch lebenden Zwangsarbeiter des VW-Werks auf den Weg gebracht, so Osterloh weiter.

Legendärer VW-Patriarch

Der am 17. April 1947 in Wien geborene Piëch hat VW über zwei Jahrzehnte lang geprägt und zu einem erfolgreichen, weltumspannenden Konzern gemacht. Der frühere Audi-Chef war von 1993 bis 2002 Vorstandsvorsitzender von Volkswagen und führte danach lange Zeit den Aufsichtsrat – als maßgeblicher Protagonist der Familien Porsche und Piëch, der VW-Großaktionäre. Er galt als visionärer Unternehmer und mächtiger Strippenzieher hinter den Kulissen, dessen kompromisslose Vorgehensweise zwar auch kontrovers diskutiert wurde – außer Frage steht aber, dass sich der gebürtige Österreicher in über einem halben Jahrhundert in der Automobilindustrie den Status einer Legende hart erarbeitet – und auch verdient hat. “Piëch wird als Automobillegende in die Geschichte eingehen, in die gleiche Klasse wie Gottlieb Daimler, Henry Ford und Kiichiro Toyoda”, schrieben die Analysten von Bernstein.

Vater automobiler Legenden

Der Enkel des Käfer-Konstrukteurs Ferdinand Porsche galt als begnadeter Ingenieur und hat maßgeblich zur Erfolgsgeschichte von Volkswagen beigetragen. Seine Karriere startete der gelernte Maschinenbauer 1963 bei Porsche in Stuttgart-Zuffenhausen, bevor er zu Audi in Ingolstadt wechselte und 1988 den Posten des Vorstandsvorsitzenden übernahm. Bis dahin hatte Ferdinand Piëch der Welt bereits Motorsport-Legenden wie den Porsche 917 oder den Audi quattro beschert.

© Bild: Porsche
Für den legendären Porsche 917 zeichnete Ferdinand Piëch als Entwicklungs- und Rennchef verantwortlich. “[Ferry Porsche] hat’s mir deshalb durchgehen lassen, weil es ihm gefallen hat. Er selbst hätte es nie getan, aber als Mitläufer hat er den 917 gern geduldet”, schrieb er später in seiner “Auto.Biographie”.

“Distanz zu Winterkorn”

1993 wurde Ferdinand Piëch Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG. Er lenkte das immer größer werdende VW-Imperium schließlich zusammen mit dem damaligen Konzernchef Martin Winterkorn mit strenger Hand, ehe er sich von seinem Lebenswerk entfremdete. Im Jahr 2015 sorgte er mit der Äußerung für Aufsehen, er sei “auf Distanz” zum damaligen Vorstandschef Winterkorn – er verlor schließlich den Machtkampf und trat zurück.

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Martin Winterkorn und Ferdinand Piëch im Jahr 2013.

“Kulturwandel” bei VW

Nach der Ära der Alpha-Manager Piëch und Winterkorn – und vor allem nach dem einschneidenden Abgasskandal – blieb bei Volkswagen kaum ein Stein auf dem anderen. Ein “Kulturwandel” wurde von Winterkorns Nachfolger Matthias Müller ausgerufen: Weniger Zentralismus, mehr Verantwortung für die einzelnen Manager, mehr interne Kritik waren die Ziele. Die Mitarbeiter sollten nicht mehr zittern vor einem Patriarchen wie Piëch, der in Wolfsburg auch “der Alte” genannt wurde – oder von einem Kleinaktionär einmal “Göttervater”. 2017 hatte Piëch seinen 80. Geburtstag gefeiert.


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